Sommerhitze Erfurt: Stadtbäume leiden extrem unter Trockenheit

Die andauernde Hitze macht den Erfurter Stadtbäumen sehr zu schaffen. Es stehe schlecht um sie, sagte der Leiter des Garten- und Friedhofsamtes, Sascha Döll. Er und seine Kollegen versuchen alles Mögliche, um die Bäume zu retten.

Acht bis neun Wasserwagen sind permanent in der Stadt unterwegs, um vor allem die jungen Bäume, die noch richtig anwachsen müssen, zu wässern. Jeder könne etwas tun und die Gießkanne nehmen, so Döll. Auf die Frage, was denn eine einzige Gießkanne voller Wasser an einem großen Baum ausrichten kann, antwortet der Experte: Jeder Tropfen bringt etwas. Natürlich seien aber drei oder vier Gießkannen besser als eine.

Auf einer Skala von eins (unproblematisch) bis zehn (Katastrophe) sieht Döll die Situation der Erfurter Bäume auf 'Alarmstufe 7'.

Sascha Döll, Leiter des Garten- und Friedhofsamtes Erfurt
Vor einem Stadtbaum aus Erfurt steht eine Gießkanne
Eine Kanne Wasser ist besser als keine, aber nicht so gut wie mehrere Kannen. Bildrechte: MDR/Katrin Kurth

Einmal jährlich werden alle Bäume in der Stadt kontrolliert. Und schon jetzt ist klar: Auch dieser Sommer hinterlässt seine Spuren. Den Bäumen gehe es wie den Menschen, wenn sie den ganzen Tag in der Sonne stünden, sagt der Gartenamtsleiter. "Wir kommen aus Jahren, die nicht richtig feucht waren. Um überhaupt wieder eine gewisse Kräftigung zu erreichen, braucht es zwei bis drei Jahre mit normaler Niederschlagsmenge."

Verfärbte Blätter rollen sich zusammen

Die Reaktion der Bäume auf den Klimawandel - sie fahren quasi herunter. Das heißt, schon jetzt rollen sich Blätter zusammen, verfärben sich, die ersten Gehölze werfen ihre Blätter ab. Außerdem gibt es Bäume mit Vorschäden, so etwas werde durch Hitze und Trockenheit noch weiter begünstigt, sagt Döll.

Bäume stehen entlang einer Wiese am Leipziger Platz. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
1 min

Erfurt will sich künftig besser gegen Hitze schützen. 2020 begann ein Forschungsprojekt von Stadt und Fachhochschule, wie sich die Stadt besser abkühlen kann.

Mo 03.08.2020 16:31Uhr 00:46 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/erfurt/hitzeprojekt-leipziger-platz-fachhochschule100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Lebensdauer der Bäume in der Stadt geringer

Tendenziell ist die Lebenszeit der Stadtbäume ohnehin eine andere als die jener Bäume an einem freien Standort. Eine Linde etwa könne im Gelände bis zu 300 Jahre alt werden, erklärt Sascha Döll. Das sei in der Stadt kaum möglich. Gemeinsam mit der Fachhochschule arbeitet die Stadt an einem Forschungsprojekt. Dabei soll geklärt werden, ob kurzlebige Bäume, die schnell wachsen und wenig Pflege brauchen, am Ende für das Stadtklima günstiger sind als langlebige. "Da gibt es aber noch keine Lösung", so der Gartenamtschef.

Umwelt Trockenheit und Borkenkäfer: Wäldern in Thüringen geht es schlecht

Viele abgestorbene Bäume, große Trockenheit. Dem Wald in Schnett im Landkreis Hildburghausen geht es wie vielen Waldstücken in Thüringen: Nicht gut!

Viele abgestorbene Bäume stehen in einem Wald.
Der Wald ist aktuell knochentrocken. Den Bäumen geht es nicht gut - hier bei Schnett stehen viele vertrocknete Bäume. Bereits 80 Prozent der Fichten seien von Borkenkäfern und Trockenheit vernichtet worden, sagen Wald-Experten aus dem Harz. Ähnlich schlecht sehe es bei den Buchen aus. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Viele abgestorbene Bäume stehen in einem Wald.
Der Wald ist aktuell knochentrocken. Den Bäumen geht es nicht gut - hier bei Schnett stehen viele vertrocknete Bäume. Bereits 80 Prozent der Fichten seien von Borkenkäfern und Trockenheit vernichtet worden, sagen Wald-Experten aus dem Harz. Ähnlich schlecht sehe es bei den Buchen aus. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Viele abgestorbene Bäume stehen in einem Wald.
Die Förster haben sie noch nicht aus dem Wald geholt, denn so können auch die abgestorbenen Bäume zumindest noch etwas Schatten spenden. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Viele abgestorbene Bäume stehen an einem Straßenrand.
Das soll auch den kleinen Bäumen beim Wachsen helfen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Viele abgestorbene Bäume stehen in einem Wald.
Auch der aktuelle Regen war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 28. Juni 2022 | 15:50 Uhr

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