Justiz Ballstädt-Prozess in Erfurt: Zwei Angeklagte bieten Zahlungen an Opfer an

Im Prozess um den Überfall auf die Kirmesgesellschaft in Ballstädt 2014 haben zwei Angeklagte Zahlungen in Höhe von bis zu 6.000 Euro an die Opfer angeboten. Dafür verlangen sie die Einstellung des Verfahrens gegen sie. Die Vorladung der Opfer als Zeuge wird scharf kritisiert.

Beginn eines Prozesses wegen eines rechtsextremen Überfalls auf die Kirmesgesellschaft im thüringischen Ballstädt.
Die Staatsanwaltschaft Erfurt stimmte dem Angebot zweier Angeklagter im Ballstädt-Prozess bereits zu. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Zwei der elf Angeklagten im "Ballstädt-Prozess" vor dem Landgericht Erfurt können auf eine Einstellung des Verfahrens gegen sie hoffen. Ein Angeklagter und die einzige Angeklagte boten am Montag während der Hauptverhandlung Zahlungen in Höhe von 6.000 Euro beziehungsweise 3.000 Euro an die Opfer des Übergriffs auf die Kirmesgesellschaft im Jahr 2014 an, sollten die Verfahren gegen sie eingestellt werden.

Opfer sagen vor Gericht aus

Das Geld könnten sie innerhalb von sechs Monaten aufbringen, ließen sie durch ihre Verteidiger erklären. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Erfurt stimmte dem Angebot zu. Ob das Gericht dies auch tun wird, ist noch offen, gilt aber als wahrscheinlich.

Am Montag sagten die Opfer des Überfalls vor dem Landgericht Erfurt erneut als Zeugen aus. Die zuständige Kammer will damit die Geständnisse der Angeklagten auf deren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Nebenklagevertreter hatten zuvor die Vorladung ihrer Mandanten kritisiert.

Opfer kritisiert Vorladung

Eines der Opfer kritisierte seine Vorladung als Zeuge scharf. Angesichts der Tatsache, dass den meisten Angeklagten durch das Gericht bereits Deals angeboten worden seien, widerspreche dies seinem Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat, sagte der Mann am Montag während seiner Vernehmung.

Es ergebe keinen Sinn, dass die Betroffenen noch einmal im Angesicht der mutmaßlichen Täter Angaben machen müssten, wenn es doch Teil der Absprachen sei, dass die Angeklagten ihre Tatbeteiligung gestehen sollten. Die Vorsitzende Richterin wies die Kritik zurück.

Richterin appelliert an Zeugen

Die Vorsitzende Richterin dagegen erklärte, die Vorladung der damaligen Opfer sei durchaus sinnvoll und sei im Interesse der Wahrheitsfindung. "Wenn ihre Aussage keine Bedeutung hätte, hätte ich Sie nicht geholt", sagte sie zu dem Mann. Es mache auch ihr keinen Spaß, Opfer im Gerichtssaal noch einmal das durchleben zu lassen, was sie in der Nacht des Angriffs durchgemacht hätten. Es sei aber nötig, die Geständnisse der Angeklagten zu überprüfen.

Gleichzeitig appellierte sie an den kritischen Zeugen, die Aussage für sich zu nutzen. "Nutzen Sie doch auch mal die Chance, aus der Opferrolle herauszutreten", sagte sie. Indem er als Zeuge Angaben mache, könne er aktiv zur Aufklärung beitragen.

Bundesgerichtshof kippte Urteil

Seit Mitte Mai wird der "Ballstädt-Prozess" erneut aufgerollt, bei dem sich die Angeklagten dafür verantworten müssen, dass sie nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft vor mehr als sieben Jahren die Kirmesgesellschaft in Ballstädt (Landkreis Gotha) brutal überfallen haben.

Das erste Urteil in dem Verfahren war vom Bundesgerichtshof gekippt worden. Um das Verfahren abzukürzen, hatte das Gericht neun der Angeklagten auf Vorschlag der Staatsanwaltschaft bereits sogenannte Deals angeboten: Gegen Geständnisse können die meisten von ihnen auf eine Bewährungsstrafe von etwa einem Jahr hoffen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 14. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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