Thüringer Mediengespräch Barrierefreiheit: Was bei MDR THÜRINGEN funktioniert und was nicht

Journalist Jan Witte hat sich durch das Digitalangebot von MDR THÜRINGEN geklickt und analysiert, wie barrierefrei es tatsächlich ist. Die Thüringer Landesmedienanstalt redet darüber am Dienstag mit Experten und Betroffenen. Sie diskutieren, wie es in der Praxis tatsächlich aussieht, was sich schon getan hat und welche Barrieren es noch immer bei der Mediennutzung gibt.

Der Journalist  und DJ Jan Witte aus Weimar.
Der Journalist Jan Witte ist stark sehbehindert und auf barrierefreie Angebote angewiesen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Wie barrierefrei sind Medien in der heutigen Welt? Was bedeutet das überhaupt, außer dass Videos mit Untertiteln angeboten werden? Wie finden sich Menschen mit Behinderungen im Internet zurecht? Diese und andere Fragen sollen in einem Live-Talk der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) am Dienstag besprochen werden. Das Thüringer Mediengespräch der TLM zum Thema "Barrierefreiheit in den Medien" findet in Kooperation mit dem Thüringer Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen, dem Paritätischen Thüringen und dem Sozialverband VdK Hessen-Thüringen statt.

Betroffene bewerten die tatsächliche Praxis

Es werden Vertreter und Vertreterinnen von Fernsehen, Hörfunk, Print und Online-Welt sowie Betroffene zu Wort kommen. Sie alle werden darüber diskutieren, wie es in der Praxis tatsächlich aussieht, was sich in den vergangenen Jahren getan hat und welche Barrieren es noch immer in den Medien und im Internet gibt. Darüber hinaus geht es um technische Hilfsmittel und neue Möglichkeiten, vor allem die Menschen in die Entwicklung einzubeziehen, die tatsächlich auf Barrierefreiheit angewiesen sind.

MDR THÜRINGEN auf dem Prüfstand

So wie Jan Witte. Er ist Journalist und lebt in Weimar. Unter dem Titel "The Groove" produziert er in seiner Freizeit jeden Monat eine zweistündige Radioshow und legt auch hin und wieder live in Weimarer Clubs auf.

Für den 37-Jährigen ist Barrierefreiheit besonders wichtig, seine Sehfähigkeit ist stark eingeschränkt. Dank guter technischer Hilfsmittel kann er dennoch die Anforderungen seiner Arbeit und auch die Erziehung seiner Kinder gut bewältigen. Dafür ist es allerdings notwendig, dass vor allem Medienunternehmen ihre Möglichkeiten nutzen, Inhalte barrierefrei anzubieten. Wir haben Jan Witte gebeten, sich durch das Internet-Angebot von MDR THÜRINGEN zu klicken und zu analysieren, wie gut wir dieser Verantwortung gerecht werden.

Der Journalist  und DJ Jan Witte aus Weimar.
Jan Witte hat sich für uns durch das Angebot des MDR geklickt und die Barrierefreiheit beurteilt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Interview mit Jan Witte

Was hat die Analyse ergeben?

Grundsätzlich ist die Seite sehr übersichtlich, sehr aufgeräumt, ein sehr klares Design, das hat mir sehr gut gefallen. Ganz oben hat man ja diese einzelnen Parts, die einzelnen Flächen, wo man ganz klar sieht, für welches Thema oder für welches Ressort ist es da. Das finde ich gut, dass das so klar designt ist. Und auch der gesamte Aufbau hat ja irgendwie eine klassische Blog-Struktur. Dass man also die neuesten oder wichtigsten Themen ganz oben sieht, mit einem kurzen Bild, einer Überschrift und Liedtext und so weiter. Grundsätzlich finde ich es gut, dass die Seite auch sogenannte Dark Reader Apps unterstützt. Das unterstützen nicht pauschal alle Seiten. Und die MDR-Seite habe ich gleich aufrufen können und habe alles erkannt in diesem invertierten Design. Das ist für mich besonders wichtig.

Was bedeutet invertiertes Design genau?

Also das ist ein dunkles Design, das nennt sich Dunkelmodus oder Nachtmodus. Und das ist in erster Linie ein schwarzer Hintergrund mit weißer Schrift, also eine invertierte Darstellung dessen, was wir normalerweise von Schrift kennen. Und da gehört auch oft noch dazu, dass Schaltflächen, die in einem anderen Design oder in einer anderen Farbe dargestellt werden, auch diesem Dunkelmodus angepasst werden. Auf der MDR-Seite ist es ja standardmäßig so, dass diese Schaltflächen mit einem dunklen Blau hinterlegt und einer weißen Schrift gestaltet sind, also im Grunde schon konvertiert. Und das wird dann nicht angepasst, sondern bleibt so wie es eigentlich ist, weil es ja schon gut erkennbar ist.

Was hat nicht so gut funktioniert?

Es gibt ja die Möglichkeit, sich die Mediathek und anderes als barrierefreies Angebot anzeigen zu lassen. Und dieser Button, diese Schaltfläche, um dieses barrierefreie Angebot überhaupt zu sehen, ist leider relativ unauffällig. Also wenn man beispielsweise auf die Schaltfläche Mediathek klickt, dann klappt das erst mal nach unten auf. Da kann man auswählen, ob man sich jetzt TV oder eben alte Videos angucken möchte. Dieses barrierefreie Angebot ist relativ klein und wenn man da dann drauf klickt, landet man auch nicht gleich beim barrierefreien Angebot, sondern wird erst mal umfassend darüber informiert, was man überhaupt unter einem barrierefreien Angebot versteht. Ich finde, man muss sich da ein bisschen umständlich durchklicken, bis man sich dann wirklich ein Video mit Audiodeskription (akustische Bildbeschreibung) anschauen kann.

Funktioniert es dann, wenn man es gefunden hat?

Das kommt immer auch ein bisschen auf das Video an. Es gibt Filme, Kurzfilme, Dokumentationen, die einfach von der grundsätzlichen Art schwierig zu beschreiben sind. Ich habe zum Beispiel eine kurze Dokumentation über Hoyerswerda geschaut. Die war gerade am Anfang sehr hektisch geschnitten, mit sehr viel Bildmaterial im Originalton, und da kommt die Audiodeskription manchmal nicht so richtig hinterher. Das liegt aber einfach in der Natur der Sache. Es gibt auch andere Beispiele, einen Krimi zum Beispiel. Da hat es sehr gut funktioniert. Gerade der Einstieg, wo sozusagen der Mord inszeniert wird. Das hat als Audiodeskription total gut funktioniert, sowohl technisch als auch inhaltlich.

Das Interview zum Nachhören

Der Journalist  und DJ Jan Witte aus Weimar. 5 min
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 27.09.2021 15:34Uhr 04:51 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/weimar/audio-barrierefreiheit-mdr-test100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Und wie ist das bei Fotos?

Es gibt ja auf der Seite sehr viele Fotos, da ist immer eine optionale Bildbeschreibung dabei. Die ist oft sehr passend und natürlich auch manchmal lustig. Wenn es Motive gibt auf dem Foto, die ich selbst jetzt vielleicht nicht so klar erkenne. Sie werden dann halt ganz klar beschrieben. Ein schönes Beispiel: "Dicker Mann auf Fahrrad isst Bratwurst" oder so etwas und da ist es leicht, sich auch was drunter vorzustellen.

Braucht es eine Einweisung, wenn man diese Angebote nutzen will?

Also barrierefreie Angebote sind am besten, wenn sie von sich aus funktionieren. Wenn man sich einfach alles anguckt und es keinerlei Erklärung mehr bedarf und man das einfach so konsumieren kann. Das ist natürlich ideal. Aber zusätzlich gibt es auf der MDR-Seite auch die Möglichkeit, sich zu den barrierefreien Angeboten zu informieren. Zur einfachen Untertitelung bei Videos ebenso wie zur Audiodeskription. Dann gibt es ja für Audios und Texte auch vereinfachte Sprache, also dass beispielsweise komplexe politische Sachthemen auch noch mal vereinfacht erklärt werden. Für Menschen, die der deutschen Sprache nicht so hundertprozentig mächtig sind, oder das gerade erst lernen. Auch das sind ja, wie ich finde, Barrieren, die es geben kann. Das wird alles noch mal einzeln erklärt an Beispielen und das ist auch ganz übersichtlich gestaltet.

Wie ist das abschließende Fazit?

Insgesamt würde ich sagen, dass es im Großen und Ganzen schon passt. Man kommt, wie gesagt, manchmal etwas umständlich zu den einzelnen barrierefreien Zusatzangeboten. Das kann man bestimmt noch ein bisschen besser oder einfacher, niederschwelliger in das Gesamtangebot integrieren. Man sagt ja immer, es gibt keine Barrierefreiheit, sondern höchstens Barrierearmut und da sind die Seiten des MDR auf jeden Fall auf einem guten Weg.

Jan Witte, herzlichen Dank für das Interview.

Quelle: MDR Thüringen/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. September 2021 | 13:00 Uhr

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