Geschichte eines Demokratiekämpfers Stadtmuseum Erfurt ersteigert Berlepsch-Schärpe aus dem 19. Jahrhundert

MDR THÜRINGEN-Reporter Jonas Wölke
Bildrechte: MDR/Christin Gertler

Das Erfurter Stadtmuseum hat am Donnerstag erstmals die schwarz-rot-goldene Schärpe des Demokratiekämpfers Hermann Alexander Berlepsch der Öffentlichkeit präsentiert. Ersteigert wurde die Schärpe bei einer Auktion in der Schweiz. 2023 soll das Exponat im Museum zu sehen sein.

Eine goldene Schnalle mit Eichenblättern und einer Inschrift.
Die goldene Schnalle an der Schärpe ist sehr gut erhalten. Die Inschriften sind gut erkennbar. Bildrechte: MDR/Jonas Wölke

Das Erfurter Stadtmuseum hat erstmals die schwarz-rot-goldene Schärpe des Thüringer Demokratiekämpfers Hermann Alexander Berlepsch der Öffentlichkeit präsentiert. Berlepsch setzte sich 1848 dafür ein, dass aus den damals neun Thüringer Kleinstaaten ein gemeinsames Land Thüringen gebildet wird.

Demokratiekämpfer und Revolutionär

Der Erfurter Buchhändler war auch bei der im Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche tagenden Nationalversammlung dabei, die die freiheitliche Verfassung für einen deutschen Nationalstaat ausarbeiten sollte. Nach dem Scheitern der Revolution flüchtete Berlepsch in die Schweiz und verstarb 1883 in Zürich.

Diese Schärpe ist ein zentrales Symbol der Thüringer Demokratiegeschichte.

Steffen Raßloff Historiker und Vorsitzender des Fördervereins des Stadtmuseums Erfurt

Übergeben wurde die Schärpe an den Demokratiekämpfer auf dem zweiten "Thüringer Volkstag" 1848 in Ohrdruf. Berlepsch selbst war Organisator der "Thüringer Volkstage". Die Veranstaltung sollte, ähnlich wie der Thüringentag heute, das Einheitsgefühl der Völker in den damals noch neun Thüringer Staaten stärken. Nach Berlepschs Willen sollte daraus ein Thüringer Staat zusammenwachsen.

(vl.n.r.) Dr. Martin Sladeczek, Hardy Eidam und Dr. Steffen Raßloff zeigen die Schärpe in die Kamera.
Sind stolz auf ihr neues Exponat: (vl.n.r.) Dr. Martin Sladeczek, Hardy Eidam und Dr. Steffen Raßloff. Bildrechte: MDR/Jonas Wölke

Anonymer Hinweis auf Auktion in der Schweiz

Die Ersteigerung der Schärpe begann mit einem anonymen Hinweis am Telefon. Daraufhin rief Hardy Eidam, Oberkurator im Stadtmuseum, Steffen Raßloff vom Förderverein an. Dieser erkannte schnell den Stellenwert der angebotenen Schärpe. Wenig später fand die Auktion in der Schweiz statt. Hardy Eidam erinnert sich an den Auktionsstart:

Es begann mit einem sehr niedrigen Eingangsgebot, aber es steigerte sich unwahrscheinlich schnell.

Hardy Eidam Oberkurator im Erfurter Stadtmuseum

Denn nicht nur das Thüringer Stadtmuseum interessierte sich für die Schärpe. Auch ein Bieter aus Frankreich bot eifrig mit. "Am Ende hatte ich einen hartnäckigen Konkurrenten, der nicht klein beigeben wollte. Das Limit, was mir der Förderverein für den Ankauf gesetzt hatte, war fast erreicht." Plötzlich war die Auktion beendet. Ob er den Zuschlag erhalten hatte oder nicht, war Hardy Eidam da aber noch nicht klar. Erst ein Anruf beim Auktionshaus schaffte Klarheit. Den genauen Kaufpreis will Eidam aber nicht nennen.

Schärpe weist kaum Schäden auf

Per Spezialtransport wurde die Schärpe aus dem 19. Jahrhundert dann in die Thüringer Landeshauptstadt gebracht. Diese ist übrigens noch so gut in Schuss, dass man selbst im Stadtmuseum überrascht war, wie sehr die Farben noch leuchten. So ist auf der vergoldeten Schnalle mit Eichenlaub noch die genaue Inschrift zu erkennen.

Ein Mann dreht einen Teil der Schärpe um.
Die Jahre haben den Farben der Schärpe kaum etwas angetan. Bildrechte: MDR/Jonas Wölke

Erst 2023 wird die Schärpe von Herrmann Alexander Berlepsch für die breite Öffentlichkeit zu sehen sein. "Wir planen für 2023 verschiedene Ausstellungen zum 19. Jahrhundert. Da wird auch die liberale und demokratische Bewegung dieser Zeit Thema sein", sagt Martin Sladeczek, Direktor der Erfurter Geschichtsmuseen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

DER Beobachter vor 7 Wochen

Wenn das Museum ohnehin das Budget hat: was spricht - vllt. gerade in diesen Tagen - gegen den Erwerb eines regionalen Symbols unserer Demokratiegeschichte?

DER Beobachter vor 7 Wochen

Es gibt verschiedene zeitgenössische Darstellungen, einige in Schwarz-Rot-Gold, andere in Gold-Rot-Schwarz. Die Reihenfolge Schwarz-Rot-Gold war allerdings 1848 (darum geht es hier ja) sowohl bei der Germania in der Paulskirche zu sehen als auch im Verfassungsentwurf so vorgesehen. Sie war Symbol der Freien Liberalen und der Demokraten, die sich leider haben damals nicht durchsetzen können, und eben nicht der Konservativen und Nationalliberalen...

Steffen69 vor 7 Wochen

In Zeiten der Pandemie, sitzt das Geld hier aber sehr locker. Menschen sterben und hier wird das Geld verjubelt. Unfassbar.

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