Erfurt Blumendiebe sorgen für Ärger an Buga-Blühstreifen

MDR THÜRINGEN-Reporter Jonas Wölke
Bildrechte: MDR/Christin Gertler

Auf circa elf Hektar hat die Stadt Erfurt zusammen mit Landwirten Blühstreifen an den Feldrändern anlegen lassen. Die sollten Einheimischen und Gästen zur Bundesgartenschau eine Freude machen. Doch auch Blumendiebe haben Gefallen daran gefunden. Das sorgt für Ärger bei Landwirten und Stadt.

Sonnenblumen auf einem Blühstreifen am Rand eines Feldes in Erfurt-Egstadt
Idyllisch wiegen sich die Sonnenblumen in den Feldern bei Erfurt-Egstedt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer sich von der Autobahn aus auf den Weg in die Erfurter Innenstadt gemacht hat, hat sie sicherlich schon gesehen: Die vielen bunten Blumen, die links und rechts der Straße die Felder säumen. Die stehen allerdings nicht zufällig hier, sondern sind extra für Einheimische und Gäste an den Feldrändern gesät worden.

Die Stadt Erfurt hatte zur Bundesgartenschau die Idee und Landwirte entlang der Straßen zogen auf ihren Feldern einen etwa fünf Meter breiten Blühstreifen ein. Der sieht nicht nur schön aus, er sorgt auch für Nahrung bei Bienen und anderen Insekten.

Blumendiebe behindern Landwirte

Inzwischen ziehen die bunten Blumen allerdings nicht nur Insekten, sondern auch viele Menschen an. Viele von ihnen kommen, um sich eine schöne Sonnenblume mitzunehmen. Die meisten wissen nicht, dass das hier nicht erlaubt ist.

Auf den Diebstahl angesprochen, fehle es vielen Blühstreifen-Besuchern an Einsicht, meint Silvia Beukert. "Die Leute haben dann immer zu mir gesagt, überall stehen die Autos und da haben sie gedacht, weil alle Leute hier sind, können sie sich auch an den Blumen im Blühstreifen bedienen.", sagt Beukert.

Sie und ihr Mann betreiben einen landwirtschaftlichen Betrieb und bewirtschaften Felder rund um Egstedt. An manchen Tagen, so erzählen sie, sei der Andrang an den Blühstreifen so groß, dass sie mit ihren Maschinen nicht mehr auf die eigenen Felder kommen.

Mit Messern, Scheren und Transportern

Die Blumenpracht an den Feldern lockt aber auch professionelle Blumendiebe an, erzählt Jürgen Beukert. "Man ist sehr gut vorbereitet. Man hat Beutel, Scheren, Messer, alles dabei, was man gebrauchen könnte.", sagt der Landwirt. Er gehe von geplanten Beutezügen aus, um die Blumen später zu verkaufen. Teilweise kämen die Diebe sogar mit Transportern.

Wir wissen nicht, ob der Blühstreifen bis zum Schluss durchhält

Jürgen Beukert Landwirt in Erfurt-Egstedt

Ein weiteres Problem: Die Diebe nehmen nicht nur die Blumen mit, sie zertrampeln auch Pflanzen und Blumen, die sie nicht mitnehmen. Dadurch werden die Blühstreifen dauerhaft geschädigt - sprich: Hier wächst nichts mehr nach.

Zertrampelter Buga-Blühstreifen in Erfurt-Egstedt
So sieht einer der Blühstreifen nach Beutezügen von Blumendieben aus. Hier wächst nicht mehr viel nach. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fotoshootings inmitten der Blumenpracht

Die Schönheit der Blühstreifen führt manchmal aber auch zu kuriosen Szenen im Leben von Familie Beukert. So erwischten sie einmal Menschen, die in ihrem Feld leichtbekleidet Fotos machten.

Stadt und Landwirte bitten um Rücksicht

Der Trubel an den Blühstreifen sorgt auch im Erfurter Rathaus für Ärger. Die Stadt Erfurt berichtet von zahlreichen Diebstählen entlang der Felder. Genauere Zahlen zum Ausmaß gebe es aber nicht.

Darum bitten Stadt und Landwirte darum, Blumen wirklich nur dort zu pflücken, wo es ausdrücklich erlaubt ist: Zum Beispiel an Feldern, wo eine Kasse des Vertrauens steht. Dort stehen meist auch große Schilder, dass man hier die Blumen wirklich selbst pflücken darf.

Stiehl einer abgeschnittenen Sonnenblume. Diebe haben die Blüte abgezwackt.
Diebe haben die Blüte einer Sonnenblume in einem Blühstreifen in Erfurt-Egstedt einfach abgeschnitten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 05. August 2021 | 16:13 Uhr

11 Kommentare

part vor 11 Wochen

Richtige Blühstreifen orientieren sich an den Tieren, denen sie nützlich sein sollen und diese werden auch durch die EU gefördert als Stilllegungsflächen. Dort ist mir aber noch nichts bekannt, das sich jemand bedient hat an wenigen Sonnenblumen, Leguminosen und in zweiten Jahr vor allem an Disteln und deren Samenverbreitung auf der Rest landwirtschaftlicher Flächen mit Glyphosatbewirtschaftung. Wer jedoch nur dem weiblichen Blick und dem Image als vermeintliche Blumenstadt dienen möchte, der darf sich nicht wundern, denn Nutzen und Schönheit liegen im Auge des Betrachters. Bäume auf Dauer, vorteilhaft Streuobstwiesen, hätten zwar nur im Frühjahr geblüht aber nachhaltig gewirkt. Doch wer wandert so weit und nimmt sich jeden Tag eine neue Sonnenblume mit in die Vase, soziologisch gesehen..., während es im Umland riesige Flächen mit Sonnenblumen gibt?

Maria A. vor 11 Wochen

Glauben Sie wirklich, dass hier übertrieben wurde? Viele Landwirte, die in den letzten Jahren Blumenfelder anlegten und auf eine Vermarktung mit Preis-Hinweisschildern per "Kasse des Vertrauens" Hoffnung setzten, wurden bitter enttäuscht hinsichtlich der Zahlungsmoral. Deren Klagen erreichten auch die Medien und einige Journalisten begaben sich zwecks Recherchen inkognito an diese "Tatorte" und stellten fest, dass armvoll Gladiolen oder Sonnenblumen abgeschnitten wurden, aber kaum mal 5 Euro in die Kasse geworfen. Und ja, einige Male wurde gleich großzügig auf Autoanhänger aufgeladen, ohne dafür zu zahlen. Es wurde kein Schamverhalten festgestellt, als eine Journalistin auf solche Maßlose zuging. Übrigens verschwanden in den Folgetagen bei einem solcher Felder nicht nur fast alle Blumen, sondern die (angekettete) Kasse gleich mit.

Matthi vor 11 Wochen

Auf dem Land spielt das Image immer noch eine gewisse Rolle, da dringt man größtenteils noch auf Benehmen des Nachwuchses, weil "man nicht ins Gerede kommen will"

In diesem Punkt gebe ich ihnen nicht ganz Recht, auch im Ländlichen Raum hat sich einiges verändert, selbst wenn die Leute sich im Häuslichen Bereich noch Ordentlich verhalten spätestens wenn sie in der Stadt sind sieht man im Verhalten Prozentual zu den Städtern keinen Unterschied. Es ist doch allgemein bekannt das die Eltern so wie der Nachwuchs ausgezogen ist kaum noch was mitbekommen.

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen

Besucher in einer Ausstellung in Gotha 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK