Veranstaltungsplan wird angepasst Buga 2021 in Erfurt: Endspurt auf Baustellen

Am 23. April wird die Bundesgartenschau 2021 in Erfurt eröffnet - nach zehn Jahren Planung. Viele der Großprojekte - wie das Kommandantenhaus und damit das Empfangsgebäude auf dem Petersberg - werden erst in letzter Minute fertig. Und die große Unbekannte ist die Corona-Pandemie. Ein Überblick, was bisher geschafft wurde und was der Thüringer Landeshauptstadt im Buga-Jahr bevorsteht.

Blick vom Petersberg in Erfurt zum Domplatz
Noch wird am Petersberg gebaut. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Brauner Trotzkopf - so heißt tatsächlich eine Erfurter Kopfsalatzüchtung. Und auch der Erfurter Zwerg, eine Blumenkohlzüchtung, steht bei Köchinnen und Köchen noch immer hoch im Kurs. Dass beide einmal in einem Festungsgraben wachsen werden, hätte sich der Begründer der Erfurter Gartenbautradition, Christian Reichart, vor 300 Jahren wohl nicht vorstellen können. Die Bundesgartenschau 2021 macht es möglich.

Per Rutsche den Petersberg hinab

Tausende Tonnen Spezialerde wurden auf dem Hang des Petersberges und im Festungsgraben verteilt. "Die Topografie ist nicht so einfach, auch die Bewässerung in Hanglage so hinzukriegen, dass über die Gesamtdauer der Bundesgartenschau immer etwas blüht, ist schwierig", beschreibt Buga-Geschäftsführerin Kathrin Weiß das besondere Projekt.

Ich bin überzeugt, dass der Festungsgraben neu erobert wird, denn da waren auch viele Erfurter bisher nicht.

Kathrin Weiß

In knapp vier Monaten werden die Besucher auf Rutschen in den Festungsgraben und damit mitten hinein ins Gemüsebeet rutschen können. 30 Meter lang sind die drei Rutschen und, so die Buga-Gesellschaft, mit Abstand auch unter Corona-Bedingungen zu nutzen.

Blick auf den Festungsgraben am Petersberg in Erfurt
30 Meter lang sind die Rutschen, auf denen Besucher künftig mitten ins Gemüse und Kraut rutschen können. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Überhaupt: Corona. Im Frühjahr vergangenen Jahres brachte Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) eine Verschiebung der Bundesgartenschau um ein Jahr ins Gespräch. Doch der Protest folgte auf dem Fuß. Baufirmen und Gartenbaugesellschaft versicherten, die Pandemie werde die Arbeiten kaum stoppen, alles könne pünktlich fertig werden.

"Wir ziehen das jetzt durch, ob mit oder ohne Corona", liefert inzwischen längst auch der Oberbürgermeister ein klares Statement für die Eröffnung so wie geplant ab. Er hoffe auf einen zeitigen Frühling und die Impfungen, damit die Bundesgartenschau ein Erfolg wird.

Der Paradiesbaum auf dem Petersberg.
Sinnbild der Hoffnung: Die Skulptur "Paradiesbaum" auf dem Petersberg. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Bausewein hofft auf zwei Millionen Buga-Besucher

Das Buga-Gutachten geht von 1,85 Millionen Besuchern aus. Bausewein aber hofft auf mehr, auf einen regelrechten Besucherboom. "Wenn wir in normalen Jahren mehr als zwei Millionen Weihnachtsmarktbesucher haben, dann werden in einem halben Jahr Buga doch wohl mindestens genauso so viele Besucher kommen. 2021 wird ein gutes Jahr", sagte er in seiner traditionellen Pressekonferenz am Jahresende. Die Bundesgartenschau werde der Landeshauptstadt einen positiven Schub verleihen und die Stimmung deutlich heben.

Die Menschen sind ausgehungert, sie wollen etwas erleben, das wird sich in den Zahlen widerspiegeln.

Andreas Bausewein

Weil der Großteil der Bundesgartenschau draußen und nicht in Hallen stattfindet, rechnet Bausewein auch nicht mit großen Ausfällen beim geplanten Programm, das etwa 5.000 Veranstaltungen vorsieht.

Blick über das Plateau des Petersbergs in Erfurt
Fast 32.000 Pflanzen werden gesetzt und neben der blühenden Farbenpracht soll auch ein Wasserspiel die Besucher verzaubern. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Veranstalter haben Buga fest im Programm

Allerdings werden zum Start der Bundesgartenschau sicher nicht alle Großveranstaltungen wie geplant stattfinden. Derzeit werden alle Veranstaltungen coronatauglich gemacht, heißt es von der Buga-Gesellschaft. Es wird den Fragen nachgegangen, wo Bereiche abgesperrt werden müssen, wo zusätzliches Personal gebraucht werde.

In den Egapark dürfen unter Corona-Bedingungen zeitgleich 12.000 Besucher, auf den Petersberg 11.000. Das sind ingesamt 3.000 weniger als ohne Corona-Pandemie. In der Buga-Machbarkeitsstudie wird prognostiziert, dass an 17 Tagen die Höchstbesucherzahlen zirka 23.500 erreicht werden könnten. Die Nachfragen von Reiseunternehmen deutschlandweit seien nach wie vor enorm. Mehr als 50 Veranstalter haben die Bundesgartenschau in Erfurt fest im Programm. Dennoch ist derzeit nicht absehbar, wie viele Busreisende sich tatsächlich auf den Weg nach Erfurt machen.

Die, die kommen, werden eine Stadt erleben, die von ihrer über 300-jährigen Gartenbautradition auf ganz neue Weise erzählt. Nicht nur im Festungsgraben wird Waid, die alte Färberpflanze, vom Beginn der Erfurter Gartengeschichte erzählen.

Blick in die Peterskirche Erfurt, dunkle Holzdecken sind freigelegt
Ein Blick in die Peterskirche. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Gärten der Epochen nehmen Besucher auf dem Petersberg-Plateau mit auf Zeitreise. Die Peterskirche ist dann für fünf Millionen Euro restauriert und saniert worden. Den Zwischenboden gibt es nicht mehr und die Kirche ist als Kirche wieder zu erkennen. Noch sind die Pforten für Fremde verschlossen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) aber durfte dieser Tage einen Blick ins Kirchenschiff wagen: "Nachdem ich die Chance hatte reinzublicken, darf ich sagen: Es wird ein Knaller."

Mediterranes Flair vor der Defensionskaserne

Die Bundesgartenschau sei für ganz Thüringen eine riesige Chance, für sich zu werben, so Ramelow. So soll sich in der Defensionskaserne der Freistaat präsentieren. Die Thüringer Tourismusgesellschaft wird in mehreren Räumen der Kaserne ein dreidimensionales Schaufenster von Thüringen zeigen.

Dass die Kaserne insgesamt bislang keine Gesamtnutzung gefunden hat, nach vielen Anläufen, sieht Ramelow so nicht. Mit einer Präsentation des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie über Grabungen und einer Schaugrabung bekomme die Defensionskaserne erstmals eine neue, lebendige Struktur.

Die Kaserne wird sich zur Bundesgartenschau für die Menschen öffnen - in ihrer ganzen Wuchtigkeit.

Bodo Ramelow

68 Fenster und drei große Eingangstüren werden dazu von Tischlern aufgearbeitet. Hier soll es zur Buga auch Gastronomie geben - 240 Plätze innen und 475 im Außenbereich. Vor der Kaserne wird es mediterranes Flair geben: die zirka 200 Jahre alten Palmen des Ega-Parkes ziehen für die Buga-Zeit um.

Luftaufnahme der Defensionskaserne auf dem Erfurter Petersberg
Luftaufnahme der Defensionskaserne Bildrechte: Holger John / VIADATA Photo

Noch aber haben die Baufirmen das Sagen. Am Kommandantenhaus - dem künftigen Empfangsgebäude auf dem Petersberg - haben die Firmen den Bauverzug von drei Monaten aufgeholt. "Es ist unglaublich, was die Firmen hier leisten", lobt der Baudezernent und neue Buga-Beauftragte, Alexander Hilge.

"Wir haben mit der Rohbaufirma und den Nachfolgegewerken, die den Dachaufbau und die Fassaden bauen, ausgehandelt, dass sie vom Plan wegbauen. Mit der Laserwasserwage wurde jede Wand eingemessen. So konnte alles vorgefertigt werden. So schaffen wir es, pünktlich fertig zu werden", sagte er.

184 Millionen Euro: Zehn Jahre Planung und Bau

Im Mai 2011 hat der Stadtrat die Bewerbung der Stadt Erfurt um die Bundesgartenschau auf den Weg gebracht. "Erst war da die Idee. Dann wird lange geplant. Dann wird gebaut. Dann sieht man erstmal lange nichts, dann wird es mit den Baufahrzeugen und Sperrungen sogar schlimmer als vorher. Und irgendwann sieht man auch, wie Dinge entstehen", sagte Oberbürgermeister Andreas Bausewein MDR THÜRINGEN.

Die Bundesgartenschau werde ein halbes Jahr lang ganz toll sein, aber nach der Buga werde das Leben weitergehen und vieles davon dauerhaft für die Erfurter und ihre Besucher, für ganz Thüringen bleiben.

Eine Holzkonstruktion auf dem Petersberg
Eine Holzkonstruktion auf dem Petersberg: Hier wollen Kirchen zu Gottesdiensten und Gesprächen einladen. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Insgesamt sind nach Aussagen Bauseweins im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau rund 184 Millionen Euro verbaut worden - rund 33 Millionen Euro allein für den 60 Jahre alten Egapark. Gebaut wird aber auch ein neuer Parkplatz oberhalb der Messe, mit Caravanstellplatz - wenn es wieder Messen und Konzerte geben wird, soll er dazu beitragen, die seit Jahren angespannte Parksituation zu entspannen.

Grüne Gera-Aue und gefällte Bäume

Gebaut wird auch kräftig im Erfurter Norden. Mit der Gera-Aue entsteht einer der größten Grüngürtel Thüringens. Dass dafür Hunderte, teils sehr alte Bäume gefällt wurden, hatte für heftige Debatten und Proteste gesorgt.

Martin Kupfrian von der Bürgerinitiative "Stadtbäume statt Leeräume wirft den Planern vor, das nicht rechtzeitig kommuniziert zu haben. Ja, es habe die Buga-Dialoge gegeben, aber: "Da wurden Pläne vorgelegt, die auf den ersten Blick toll aussehen, auch mit viel Grün. Aber dass für die neuen, kleinen Bäume 700 alte wie im Nordpark gefällt werden, kriegt erstmal keiner mit. Erst, wenn die Sägen angesetzt werden", so die Kritik des Anwalts. Die Erfurter selbst haben sich hier (laut)stark eingebracht.

Buga 2021 von April bis Oktober

Noch sind gut 100 Tage Zeit, um jetzt das Feuer der Begeisterung zu entfachen. Der Online-Ticket-Verkauf laufe jedenfalls sehr gut, heißt es von der Buga-Gesellschaft. Das zeige, dass die Vorfreude auf die Gartenschau wächst. Vom 23. April bis 10. Oktober lädt Erfurt Gartenfans und solche, die es werden wollen, zum Schauen, Staunen, Abgucken und Erholen ein - und auch hier wird es wohl wie bei jedem Großprojekt sein: Die Bagger rollen hinten vom Acker, während vorn das Band für die Eröffnung durchschnitten wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Radiogarten | 02. Januar 2021 | 10:15 Uhr

30 Kommentare

Lulu123 vor 24 Wochen

Ich finde es unverantwortlich bereits für April so eine Veranstaltung zu planen. Hat man aus dem letzten Sommer voller Leichtigkeit und Leichtsinn nichts gelernt ? Alle bis April eventuell erzielten Fortschritte beim Rückgang der Fallzahlen,sollte es die überhaupt geben,werden mit so einer länderübergreifenden Großveranstaltung zu Nichte gemacht.

Ritter Runkel vor 24 Wochen

@CrizzleMyNizzle
Menschen wie sie und ihre Kritikunfähigkeit machen die BUGA Erfurt 2021 zum Desaster.
Um den Egapark mache ich mir keine Sorgen, das wird ein Selbstläufer.
Aber der Rest wird 2021 und darüber hinaus ein Desaster.

Grinch vor 24 Wochen

CrizzleMyNizzle , hören sie weiter Snoop Dog. Oder wie er sich auch immer gerade nennt. Und unterstützen sie weiter all diejenigen die keine Unterstützung brauchen. Machen sie genau das, was die Mehrheit der Bevölkerung nicht braucht. Gehen sie in ihrem schönen Park spazieren und leben sie weiter ihr Rosamunde Pilcher Leben. Alles ist schön und alles ist gut. Nur die, die sich wehren sind die bösen, die dummen.... . Streuen wir noch ein bisschen Glitter drüber und schon passt es. Auch sie werden eines Tages feststellen, dass manches im Leben hätte nicht sein müssen oder man einiges anderst regeln hätte können. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

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