Logistikkommando Afghanistan-Abzug der Bundeswehr: "Erfurt spielt zentrale Rolle"

Mitte April hat die Nato den Abzug ihrer Truppen noch in diesem Jahr aus Afghanistan beschlossen. Damit endet auch für die Bundeswehr ein vor 20 Jahren begonnener Einsatz in dem Land. Bis Anfang Juli will sie nach derzeitigen Plänen ihr Material und ihre dort noch stationierten 1.100 Soldaten und Soldatinnen zurückholen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das in Erfurt ansässige Logistikkommando der Bundeswehr.

Die Löberfeld-Kaserne in Erfurt, Sitz des Logistikkommandos der Bundeswehr
Die Löberfeld-Kaserne in Erfurt, Sitz des Logistikkommandos der Bundeswehr Bildrechte: MDR/Andreas Höfer

Ende Mai rollte ein Militärtransport der besonderen Art über die Autobahnen von Leipzig nach Potsdam. Auf der Ladefläche des Tiefladers stand ein mit einer Flagge verhüllter großer Findling. Der 27 Tonnen schwere Stein hatte schon eine lange Flugreise hinter sich. In Mazar-i-Sharif in Afghanistan hatten ihn Bundeswehr-Soldaten in den Bauch einer riesigen Antonov-Frachtmaschine geschoben. Der Flieger der ukrainischen Gesellschaft Salis brachte den Felsen zum Flughafen Leipzig/Halle, von wo er per Bundeswehr-Lkw in die Henning-von-Tresckow-Kaserne bei Potsdam gebracht wurde.

Aus Mazar-i-Sharif in den "Wald der Erinnerung"

Von der Kaserne aus werden alle Auslandseinsätze der Bundeswehr geführt. Auf ihrem Gelände befindet sich auch der "Wald der Erinnerung". Hier gedenkt die Bundeswehr ihrer bei Auslandseinsätzen ums Leben gekommenen Soldaten und Soldatinnen. In dem Gedenkwald verteilt stehen Stelen und Denkmäler, die früher in Bundeswehr-Camps in Bosnien, Kosovo oder Afghanistan standen und nun ihren endgültigen Platz bekommen haben. Jährlich besuchen Tausende Menschen - Bundeswehr-Angehörige und Zivilisten - den Wald.

Auf einem Tieflader steht mit einer Flagge verhüllter Gedenkstein.
Entladung des Gedenksteins aus Mazar-i-Sharif im "Wald der Erinnerung" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hier wurde in der vergangenen Woche auch der 27-Tonnen-Findling aus Mazar-i-Sharif aufgestellt. "Der Stein hat einen hohen symbolischen Wert", sagt Brigadegeneral Gerald Funke. Er erinnere an die Gefallenen in Afghanistan, und es sei selbstverständlich gewesen, ihn im Zuge der Rückverlegung der Bundeswehr vom Hindukusch nach Deutschland mitzunehmen.

Logistikkommando in Erfurt organisiert Materialtransport

Funke ist Kommandeur des Logistikkommandos, das seinen Sitz in der Löberfeld-Kaserne in Erfurt hat. Sein Kommando ist für die logistische Abwicklung des Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan verantwortlich. Erfurt spiele bei der Rückverlegung also eine "ganz zentrale Rolle", betont der General, der das Logistikkommando seit gut zwei Monaten führt.

Nachdem die Nato am 14. April den Rückzug ihrer Truppen aus Afghanistan und damit auch das Ende des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr beschlossen hat, sind derzeit rund 170 Männer und Frauen aus Funkes Kommando im Bundeswehr-Camp in Mazar-i-Sharif damit beschäftigt, Technik und Material zu sichten und per Flugzeug und Lkw nach Deutschland zu schicken. Hinzu kommen zahlreiche Soldaten und Soldatinnen im Logistikkommando in Erfurt, im Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven und in verschiedenen Logistik-Einheiten, die den Rücktransport organisieren und abwickeln. Gesteuert wird das Ganze aus Erfurt.

Die Löberfeld-Kaserne in Erfurt, Sitz des Logistikkommandos der Bundeswehr
"Erfurt spielt bei der Rückverlegung eine zentrale Rolle": Die Löberfeld-Kaserne in Erfurt, hier hat das Logistikkommando der Bundeswehr seinen Sitz. Bildrechte: MDR/Andreas Höfer

Etwa 130 Militärfahrzeuge und ein halbes Dutzend Hubschrauber müssen nach Deutschland gebracht werden. Hinzu kommen Waffen, Munition, Technik und andere Ausrüstung. Alles Militärmaterial werde auf dem Luftweg transportiert, erläutert Funke. Aus Sicherheitsgründen. "Da haben Sie die Gewissheit, dass das, was in Mazar-i-Sharif ins Flugzeug geladen wird, auch in Leipzig ankommt." Anderes Material wie etwa Unterkunftscontainer, werde auf dem Landweg nach Deutschland transportiert. Manches bleibe auch vor Ort und werde beispielsweise den afghanischen Sicherheitskräften, Behörden oder Hilfsorganisationen überlassen. "Das entscheiden unsere Leute vor Ort."

Eine Luftfrachtmaschine der Marke Antownow steht dem Landefeld des Flughafens Halle/Leipzig. Ein Hubschrauber der Bundeswehr wird von Mitarbeitenden aus dem Flieger entladen.
28. Mai 2021: Zwei Bundeswehr-Hubschrauber werden aus einer Frachtmaschine auf dem Flughafen Leipzig-Halle entladen. Die Hubschrauber waren in Afghanistan stationiert. Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Die Menge des aus Afghanistan zurückgeholten Materials entspreche etwa dem Volumen von 800 20-Fuß-Containern, erläutert Funke. Welches Material in welcher Reihenfolge zurückgeholt wird, legt die Bundeswehr laut Funke in Abstimmung mit den Nato-Partnern fest. Dabei spiele auch der Sicherheitsaspekt für das Einsatzkontingent vor Ort eine wichtige Rolle: "Dass nicht zum selben Zeitpunkt alle dieselben Fähigkeiten abziehen, oder wenn, dann eben so orchestriert, dass wir letztendlich vor Ort handlungsfähig bleiben und vor allem in der Lage bleiben, die Soldatinnen und Soldaten zu schützen." Zwar sei die Sicherheitslage derzeit in Afghanistan stabil. "Aber was im Moment unberechenbar ist, wie reagiert die Taliban-Seite insbesondere im Rahmen des Abzugs?", so Funke.

Ursprünglich sollte der Abzug der Nato-Truppen bis zum 11. September dieses Jahres erfolgen. Mittlerweile ist von Anfang Juli die Rede. Eine Mammutaufgabe für die Logistiker von General Funke.

Panzer der Bundeswehr 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 04.06.2021 19:00Uhr 02:15 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. Juni 2021 | 19:00 Uhr

15 Kommentare

knarf2 vor 19 Wochen

Der Beobachter:Schon der dortige Einsatz ist uns auf die Füße gefallen wenn man sich nur die Anzahl der Toten und Verletzten anschaut,von den Wahnsinnskosten ganz zu schweigen!

knarf2 vor 19 Wochen

Der Westen hat nichts gelernt
aus der Niederlage der SU in Afghanistan.Der Bundesrepublik sind nur Tote,Verletzte und immense Kosten geblieben.Der Spruch am Hindukusch werde unsere Freiheit verteidigt klingt wie der blanke Hohn.Da wurden die Taliban durch die USA gegen die SU aufgerüßtet.Als die sich aus dem Land zurückzog wechselte man die Fronten.Wie es scheint kann keiner dieses Land befrieden außer das Volk selbst.Und das wird ein langer ,steiniger Weg!

DER Beobachter vor 19 Wochen

naja, Erichs Rache, das war zwar ein sehr markiger Spruch, aber nicht so falsch. ich frage mich bis heute, warum erst "die Twin Towers" einstürzen mussten mit den über 3000 toten Zivilisten, ehe sich die internationale Gemeinschaft bemüßigt fühlte, obwohl jeder ja eigentlich wusste zumindest um die globale Gefahr eingestellter tickender menschlicher Zeitbomben.

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