Mit dem Bus Software-Firma aus Erfurter Plattenbau landet Spiele-Hit

Eine Tischtennisplatte haben sie hier nicht. Dabei erinnert Vieles an eines dieser Startups, von denen in den Medien gern berichtet wird. Der lange Flur sieht aus wie ein Bunker. In den hellen großen Zimmern, die vom Flur abgehen, sitzen Männer und Frauen vor großen Monitoren. Auf den Bildschirmen blinken unverständliche Zahlenkolonnen neben bunten Computerlandschaften.

Thomas Langelotz vor einem Bildschirm
Thomas Langelotz ist Chef und Gründer der Erfurter "Software-Schmiede". Bildrechte: Nicky Scholz/MDR

Schokoriegel stapeln sich neben Kaffeetassen. Mehrere Gamecontroller liegen verstreut herum. Sogar eine Bürokatze haben sie hier. Aber die ist gerade nicht da. Warum die Firma TML-Studios in Erfurt und nicht in Berlin oder München sitzt, ist leicht erklärt. Der Firmengründer Thomas Langelotz ist Erfurter.

"Software-Schmiede" in Erfurter Plattenbau

Das erste Computerspiel, das er spielte, hieß "Duke Nukem 3D". Heute ein Klassiker - damals, in den 90er-Jahren, ein echter Meilenstein auf dem Gebiet der 3D-Grafik. Später spielte er den Microsoft Train-Simulator und programmierte sogar eigene Strecken. So landete er im Simulatoren-Geschäft.

Frau vor Computermonitor
Eine Mitarbeiterin gestaltet eine Spiele-Landschaft. Bildrechte: Nicky Scholz/MDR

In Deutschland wurden Computerspiele damals nicht besonders ernst genommen. Kredite waren extrem schwer zu erhalten. Das erste Software-Studio richtete Langelotz in der eigenen Dreizimmerwohnung ein. Mit der Privatsphäre war es da vorbei. Später zog die Firma in einen alten Plattenbau im Erfurter Südosten. Ihr Hauptgeschäft besteht in der Programmierung von Bus-Simulatoren - aber nicht etwa zur Ausbildung von Busfahrern.

Ganz normale Leute spielen die Spiele der TML-Studios. Leute, die als Kinder hinterm Busfahrer standen und gucken, was der gemacht hat, glaubt Thomas Langelotz. Und die möchten das jetzt einfach mal nachmachen. 

Ziel des Spiels: Den Busfahrplan einhalten

Das neueste Spiel des Erfurter Studios heißt "The Bus" und ist bei Gamern gut bekannt. Die renomierte Internetseite "Gamestar" bezeichnet das Spiel als "Simulations-Hit". Die Nutzer der Spieleplattform "Steam" bewerten "The Bus" überwiegend positiv. Der Spieler steuert darin einen Bus durch den Berliner Straßenverkehr. Grafik und Fahrverhalten sind hyperrealistisch. Losgefahren wird erst, wenn alle Fahrgäste sitzen. Auch Fahrscheine müssen verkauft werden.

Screenshot "The Bus" - Bus vor Fernsehturm
Alles im Spiel ist extrem realistisch, auch die Darstellung der Straßen. Bildrechte: TML Studios Erfurt

Alles ist wie in einem echten Linienbus. Anders als in anderen Spielen, wird nicht geballert, sondern der Busfahrplan eingehalten. Der Bus fährt durch detailliert nachgebaute Straßenzüge vom (mittlerweile geschlossenen) Flughafen Tegel zum Alexanderplatz.

Etwa eine halbe Stunde dauert eine Fahrt. Schon bald sollen weitere Strecken hinzukommen. Das Spiel ist derzeit als sogenannte Early-Access-Version erhältlich. Spieler können es für einen günstigeren Preis herunterladen und nehmen dafür leichte Abstriche im Funktionsumfang in Kauf. Im Laufe der Zeit wird das Spiel weiterentwickelt. Ein mittlerweile übliches Verfahren.

Eigener Radiosender im Spiel

Auch andere Simulatoren bietet die Firma an. Mit dem "Fernbus-Simulator" können Spieler durch ganz Europa fahren. Die Strecken führen auch durch Thüringen. Die virtuellen Fahrzeuge tragen die bekannte Flixbus-Lackierung. In den Cockpits der Fernbusse gibt es auch ein funktionierendes Autoradio. Zu hören sind die extra produzierten Wellen "FlashBass FM" und "DoubleBass FM".

Damit treten die TML-Studios in die Fußstapfen berühmter Computerspiele. Bereits in Welthits wie dem postapokalyptischen Rollenspiel "Fallout" oder dem Gangster-Epos "Grand Theft Auto" konnten Spieler im Spiel ein Radiogerät einschalten und dort zwischen extra produzierten Radiosendern auswählen.

Thomas Langelotz im Radiostudio
Thomas Langelotz im hauseigenen Radiostudio. Bildrechte: Nicky Scholz/MDR

Im Unterschied zu den Spiele-Klassikern, bei denen sich der Inhalt der Sendungen nach einiger Zeit wiederholte, geht das TML-Studio einen Schritt weiter. Die Playlisten werden täglich neu erstellt. Sogar eigene Live-Sendungen werden produziert.

Notwendig wäre das sicher nicht, aber Studioinhaber Thomas Langelotz ist großer Radio-Fan. Die Station, die aus dem Untergeschoss der Softwareschmiede sendet, ist sein Steckenpferd. Der Sender läuft auch über gängige Internet-Radioportale. Die Zuhörerzahl gibt Langelotz mit etwa 4.000 Hörern pro Tag an.

Derzeit arbeiten die 15 Mitarbeiter der Firma an einem postapokalyptischen Rollenspiel für Spielkonsolen. Ob darin auch ein Radiosender zu finden sein wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

1 Kommentar

Stealer vor 21 Wochen

"Derzeit arbeiten die 15 Mitarbeiter der Firma an einem postapokalyptischen Rollenspiel für Spielkonsolen."

Das heißt dann "The Deutsche Bahn" und ist so schwer, dass nicht einmal südkoreanische Profi-Gamer es schaffen, den Fahrplan einzuhalten.

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