Pandemie Ferdinand war der Erste: Die Corona-Impfungen für Kinder starten in Thüringen

Am 15.12. wurden die ersten Kinder zwischen fünf und elf Jahren in der Impfstelle des Katholischen Krankenhauses in Erfurt gegen Covid-19 geimpft. MDR THÜRINGEN war dabei. Eine Reportage.

ein Kind wird geimpft
Der neunjährige Ferdinand wird gegen Covid-19 geimpft. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Der neunjährige Ferdinand aus Weimar ist an diesem Mittwochnachmittag hier im Katholischen Krankenhaus in Erfurt, um sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. "Weil ich dann gegen Corona geschützt bin", sagt er. Er ist der Erste, der in einer Thüringer Impfstelle mit dem Kinderimpfstoff von Biontech/Pfizer, der für Fünf- bis Elfjährige zugelassen ist, geimpft wird.

Drei Menschen mit Mund-Nasen-Schutz auf einem Krankenhausflur (rechts: Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner)
Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) fragt Ferdinand (mittig im Bild), ob er aufgeregt sei. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Der Medienrummel um ihn herum stört ihn offenkundig nicht. Auch nicht, dass die Thüringer Gesundheitsministerin wissen will, ob er aufgeregt ist. Heike Werner (Linke) wünscht ihm jedenfalls "viel Erfolg" und sagt "bis später vielleicht noch", um erst einmal den versammelten Journalisten zu erklären, warum die Kinderimpfung wichtig sei.

Sie schützt vor einer Ansteckung, sie schützt vor der Erkrankung, sie schützt auf jeden Fall vor einem schwereren Verlauf und das ist bei Kindern und Jugendlichen natürlich sehr wichtig.

Heike Werner (Linke) Thüringer Gesundheitsministerin

"Sie schützt vor einer Ansteckung, sie schützt vor der Erkrankung, sie schützt auf jeden Fall vor einem schwereren Verlauf und das ist bei Kindern und Jugendlichen natürlich sehr wichtig." Sie biete vor allem Kindern, die Vorerkrankungen haben, einen wichtigen Schutz, und schütze auch Angehörige, die sich nicht impfen lassen können, sagt die Gesundheitsministerin.

100 Kinder werden am ersten Tag in der Impfstelle geimpft

Deshalb sei Ferdinand heute hier, sagt seine Mutter: "Damit er gegen Corona geschützt ist, kein Long Covid bekommt, damit er andere nicht ansteckt und wieder mit Opa kuscheln kann. Und damit er wieder ein Stück Normalität zurückbekommt". In der Impfstelle im Katholischen Krankenhaus werden an diesem Tag noch 100 weitere Kinder geimpft.

Unsere Ärztinnen und Ärzte und ihre Teams sind bereit, jetzt aktiv in die Kinderimpfung einzusteigen.

Annette Rommel Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen


"Wir haben in unseren Impfstellen Kinder- und Jugendärzte und Allgemeinmediziner, die auch Kinder behandeln, und die in der Lage sind, genau einzuschätzen, ob eine Impfung möglich ist und die Eltern entsprechend aufklären können", sagt Annette Rommel, Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen. "Unsere Ärztinnen und Ärzte und ihre Teams sind bereit, jetzt aktiv in die Kinderimpfung einzusteigen. Wir freuen uns darüber, wir freuen uns auch, dass der Impfstoff sehr gut für diese Kinder verträglich ist."

in einer Schale liegen Impfspritzen
Die Spritzen für die Kinderimpfungen liegen bereit. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Das sagt so ähnlich auch Heike Werner: Dass die Impfung gut erprobt sei. "Wir wissen, dass sie nur ganz wenige Nebenwirkungen hat." Genügend Impfstoff gebe es auch, sagt die Ministerin: "Mit den Impfstoffmengen, die derzeit zugesagt sind, ist es möglich, bis Ende Januar mindestens die Hälfte der fünf- bis elfjährigen Kinder zu impfen." Ursprünglich seien die Impfstoffe erst für nächste Woche angekündigt gewesen. "Das ist ein wichtiger Tag heute", sagt Heike Werner.

eine Ärztin und eine Mutter mit Kind in einem Sprechzimmer
Ferdinand (vorne links) und seine Mutter beim Vorgespräch zur Impfung Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Für Ferdinand ist es auf jeden Fall ein wichtiger Tag. Eine Ärztin fragt ihn, ob er in den letzten zwei Wochen krank war, ob er Allergien habe oder Medikamente einnehme. Manchmal schaut der Junge zu seiner Mutter, es sind viele Fragen, schwierige Fragen. Aber seine Mutter kann sie beantworten und dann ist es auch schon Zeit für seine Impfung.

Er geht in ein kleines Sprechzimmer, wo schon zwei Frauen, weiß und grün gekleidet, auf ihn warten. Auf dem Tisch steht eine Schale mit fertigen Impfspritzen, dahinter ein Plastikeimerchen voller kleiner Gummibärchentüten. Ferdinand zieht seinen Pulli aus und setzt sich auf einen Stuhl. Er ist ganz ruhig.

Tapfer und echt cool.

Heike Werner (Linke) Thüringens Gesundheitsministerin

Ramona G., die hier als Notfallsanitäterin und Krankenschwester arbeitet, kümmert sich um ihn, spricht ihm gut zu, hält seinen anderen Arm. Ferdinand schaut still zu, wie er geimpft wird. Das Pflaster, das er hinterher bekommt, ist weiß. Denn die bunten Pflaster sind zwar bestellt, aber noch nicht da. Und dann hat Ferdinand es geschafft und darf mit seiner Mutter gehen. Heike Werner hat vom Flur aus zugeschaut, lächelt und sagt leise, wie für sich: "Tapfer und echt cool".

Ampullen mit Impfdosen auf einem Infoblatt
Links steht die Ampulle mit dem Impfstoff für ab Zwölfjährige, rechts der für Kinder zwischen fünf und elf Jahren. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Der Impfstoff muss, sobald er einmal angebrochen ist, innerhalb von Stunden verimpft werden. In jeder der kleinen Ampullen mit den orangenen Deckeln (die mit dem Impfstoff für Erwachsene sind violett) stecken zehn Dosen statt sechs wie bei dem Erwachsenenimpfstoff. Für Kinder wird der Impfstoff von Biontech/Pfizer verwendet, niedriger dosiert als der Impfstoff für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren: statt 30 Mikrogramm beinhaltet er zehn Mikrogramm mRNA.

Wenn die Ampullen einmal aufgetaut sind, sind sie 30 Tage bei vier bis sieben Grad im Kühlschrank haltbar.

Lisa Schiffer Regionalleiterin für Mitte/Süd bei der KV Thüringen

Lisa Schiffer, Regionalleiterin für Mitte/Süd bei der KV Thüringen, sagt: "Wenn die Ampullen einmal aufgetaut sind, sind sie 30 Tage bei vier bis sieben Grad im Kühlschrank haltbar. Das ist nicht mehr wie am Anfang, wo sie sehr schnell verbraucht werden mussten". Die aufgezogene Spritze halte sechs Stunden.

Ein Kind muss anders umsorgt werden.

Ramona G. Notfallsanitäterin und Krankenschwester

Ramona G. räumt nach Ferdinands Impfung noch ein bisschen im Sprechzimmer auf und sagt: "Ein Kind muss anders umsorgt werden. Dass vielleicht jemand da ist, der das Kind krault, ihm vielleicht ein farbiges Pflaster oder eine Süßigkeit gibt, wenn die Eltern das gestatten". Ein Kind braucht vielleicht auch etwas mehr Sicherheit als Erwachsene und etwas mehr Zeit.

ein Krankenhausgebäude von außen
In diesem Gebäude des Katholischen Krankenhauskomplexes in Erfurt befindet sich die Impfstelle. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

"Wir haben ja eine hohe Taktung für die Impfungen in unseren Impfstellen, aber für die Kinder nehmen wir uns mehr Zeit", sagt Annette Rommel. Ungefähr eine Viertelstunde pro Kind solle "zur Verfügung gestellt" werden. Bisher wurden 3.500 Termine für Kinderimpfungen in den Impfstellen vergeben, die ersten 1.000 Termine seien "innerhalb von zwei Stunden" ausgebucht gewesen, sagt Jörg Mertz, Leiter des Pandemiestabs der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Doch insgesamt, fügt er hinzu, sei der Andrang verhalten. In den nächsten Wochen stünden weitere 39.000 Termine zur Verfügung.

Kinderimpfungen auch in anderen Impfstellen und bei manchen Kinderärzten

Ab Donnerstag können Kinder auch in den Impfstellen in Gera, Leinefelde und Sömmerda geimpft werden und ab 27.12. werde das Angebot auf alle Impfstellen ausgeweitet. Hinzu kommen noch die Impfungen bei einigen Kinder- und Hausärzten. Es werden zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen empfohlen.

Keine generelle Impfempfehlung für Fünf- bis Elfjährige

Die Stiko spricht sich bisher für eine Corona-Impfung von Fünf- bis Elfjährigen mit Vorerkrankungen wie beispielsweise bestimmten Lungenerkrankungen, starkem Übergewicht oder Herzerkrankungen, aus. Eine generelle Impfempfehlung gibt es aber nicht: Alle anderen Kinder in dem Alter können laut der Stiko nach ärztlicher Aufklärung geimpft werden, sofern der individuelle Wunsch bei Kind und Eltern besteht.

Die Wichtigsten, die sich impfen lassen müssen, sind die Erwachsenen.

Heike Werner (Linke) Thüringens Gesundheitsministein

Die Ministerin wird gefragt, ob geimpfte Kinder denn zur Pandemiebekämpfung beitragen würden. Sie antwortet: "Jeder, der geimpft ist, trägt zur Pandemiebekämpfung bei. Doch die Wichtigsten, die sich impfen lassen müssen, sind die Erwachsenen. Das sind die, die wirklich dazu beitragen können, dass die Pandemie bekämpft wird". Da gebe es immer noch viel zu viele, die nicht geimpft seien, "und das genau ist das Problem. Die hohe Impflücke, die wir in Thüringen haben, wird dazu beitragen, dass die Pandemie nicht so schnell bewältigt werden kann, wie wir uns das erhofft haben."

Menschen warten vor einem Krankenhaus
Vor der Impfstelle des Katholischen Krankenhauses in Erfurt warten schon die Ersten. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Draußen vor dem Eingang der Impfstelle warten schon einige dieser Erwachsenen. Vielleicht sind sie hier, weil sie sich boostern lassen wollen, vielleicht kommen sie zur Erst- oder Zweitimpfung. Dazwischen stehen Kinder mit ihren Eltern. Auch Alfons, sechs, und seine Schwester Svea, neun, sind dabei. "Wir wollen die jungen Cousins und Cousinen, die noch nicht geimpft werden können und Opa und Oma damit schützen", sagt ihre Mutter Ellen Slobodda.

eine Mutter mit zwei Kindern, alle mit Mund-Nasen-Schutz
Ellen Slobodda mit ihren Kindern Alfons und Svea (von rechts): "Wir wollen die jungen Cousins und Cousinen, die noch nicht geimpft werden können und Opa und Oma damit schützen." Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

"Und dass die Kinder in Kindergarten und Schule gehen können und nicht ständig in Quarantäne müssen." Ob die Geschwister ein bisschen Bammel vor dem Piks haben? "Ich habe mich schon dran gewöhnt, weil ich schon die Zeckenimpfung bekommen habe", sagt Alfons. Und seine Schwester sagt: "Ich wurde lange nicht geimpft, aber ich werde das schon hinkriegen". Tapfer eben. Und echt cool.

Quelle: MDR(caf)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 15. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

19 Kommentare

zansin vor 41 Wochen

Natürlich werden Kinder beeinflusst, von ihren Eltern, von den Medien usw.
Aber was ich nicht verstehe. Warum wird das alles so voran getrieben. Warum hinterfragen Eltern nicht ob es wirklich notwendig ist ein Kind zu impfen. Siehe mein Kommentar unten…
Dann noch mit einem nicht endgültig validiertem Medikament. Die Hersteller haben noch bis Dezember 2023 Zeit sie Sicherheit und Wirksamkeit nachzuweisen.
(https://www.ema.europa.eu/en/documents/variation-report/comirnaty-h-c-5735-r-0046-epar-assessment-report-renewal_en.pdf)
Die Ministerin verbreitet immer noch veraltete Vorstellungen und Versprechen. Die Impfung verhindert keine Ansteckung. Warum macht sie das?
Das gibt mir alles sehr zu Denken…. Und schafft nicht unbedingt Vertrauen…

DermbacherIn vor 41 Wochen

"Wenn die Sprache nicht stimmt, dann stimmen die Taten nicht. Stimmen die Taten nicht, dann entstehen keine guten Werke. Entstehen keine guten Werke, dann zerfällt die Kultur. Zerfällt die Kultur, verschwindet die Gesellschaft "(Konfuzius 500 v. Chr.). Wir erleben das gerade hautnah selbst!

Reuter4774 vor 41 Wochen

Darum geht es nicht. Es geht um Erwachsene die es nötig haben Kinder emotional zu erpressen!? Und Oma und Opa sind auch alt genug um selbst auf sich zu achten, ebenso wie Eltern.

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