Einkaufsmodell Einkaufen mit negativem Corona-Test: Harte Kritik an Erfurter Shopping-Experiment

Es hat ein bisschen was von einem All-Inclusive-Urlaub im Fünf-Sterne-Hotel: Wer das gebucht hat, bekommt ein Bändchen und darf sich grenzenlos durchs Büffet futtern. In Erfurt soll das ähnlich laufen. Wer einen negativen Corona-Test vorweist, darf in der Innenstadt shoppen gehen. Mit Bändchen natürlich. So der Plan der Stadtspitze.

Menschen in der Erfurter Innenstadt.
Der Erfurter Anger am 15. Dezember 2020, einen Tag vor dem Lockdown. Die Stadt hofft, bald alle Geschäfte wieder öffnen zu dürfen, wenn auch nur für zwei Tage. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Bestenfalls soll dieses Experiment bereits in einer Woche an einem Freitagnachmittag und einem Samstag in die Tat umgesetzt werden, der Einzelhandel in der Innenstadt dann für Erfurter mit einem negativen Corona-Schnelltest öffnen. Für die Tests will die Stadt aufkommen und diese den Einkaufswilligen bezahlen. Doch das "Erfurter Modell" stößt auf harte Kritik.

Astrid Rothe-Beinlich, Stadträtin der Grünen, zeigte sich auf Twitter erbost über das Vorgehen der Stadt. Man habe von dem Vorschlag aus der Presse erfahren, bisher habe es nicht einmal Corona-Tests für die Stadträte vor den Sitzungen gegeben.

"Keine Zeit für solche Experimente"

Auch Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) äußerte sich skeptisch. Das Vorhaben sei nicht zu verantworten, so sehr sich das auch alle wünschten, schrieb die Politikerin auf Twitter. Ähnlich sieht das der Linke-Abgeordnete Christian Schaft. Angesichts von Virusmutationen und stagnierenden Inzidenzen, sei keine Zeit für solche Experimente.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Landtagsfraktion, Madeleine Henfling, reagierte mit Ironie. "Das Beste was du in einer #Pandemie machen kannst sind ein paar Experimente im Bundesland mit dem höchsten Inzidenzwert ...", twitterte sie.

Würden Sie sich testen lassen, um danach shoppen zu gehen?

Das Ladenöffnungskonzept hat Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) vorgeschlagen. Das Land muss den Plänen aber noch zustimmen. Thüringen hat seit Wochen die bundesweit höchste Inzidenz, was die Zahl der Neuinfektionen angeht. Am Freitagmorgen lag sie laut Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 129. Noch gibt es nur für einzelne Einzelhandelsbranchen in Thüringen Perspektiven, wann diese öffnen könnten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. März 2021 | 07:00 Uhr

73 Kommentare

Kleingartenzwerg vor 9 Wochen

Es ist ja bezeichnend, dass ausgerechnet Frau Sigismund, Frau Rothe-Beinlich Frau Henfling und Herr Schaft gegen den Erfurter OB Her Bausewein ätzen. Die drei Damen und der Herr vereint als Volksvertreter eins, alle vier haben nie längerfristig in der freien Wirtschaft, unter dem Druck der Personal und Kostenverantwortung, Aufträge bzw. Arbeit beschaffen und diese kostendeckend abwickeln müssen. Vollkommen klar, dass solche Menschen nicht begreifen können oder wollen was Herr Bausewein da mit großen Risiko versucht und letztendlich auch verantworten muss. Letzendlich versucht er zumindest den Läden in der Erfurter Innenstadt eine Perspektive zu geben und diesen die weitere Existenz zu ermöglichen. Ein kleiner Hinweis an die vier Damen und Herren, gehen Sie mal in die Innenstädte und schauen Sie mal wie viele schon das Handtuch geworfen haben. Wenn da so weiter geht sind die Innenstädte nach Corona, also wenn wir alle Glück haben in ein bis eineinhalb Jahre tot.

Critica vor 9 Wochen

Freies Moria, wohingegen sich die Politiker mit "Maskengeschäften" die Tasche vollhauen. Nun wissen wir zumindest, warum die "Hausfrauenmasken", die die Menschen selbst genäht haben, "obergiftig" sind.

Pommes rot-weiss vor 9 Wochen

Ich denke, dass ein LKW mit Ladung zur Abholung im Geschäft einen ökologischeren ‚Fußabdruck‘ qua Mengenlieferung hat, als z.B. 50 Transporter in Einzellieferung.

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