Öffnungsplan für Einzelhandel Land prüft Shopping-Experiment in Erfurt

Die Stadt Erfurt will Geschäfte an zwei Tagen pro Woche öffnen, allerdings nur für Bewohner mit negativem Corona-Testergebnis. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner sieht die Pläne skeptisch - will sie aber prüfen lassen.

Im Schaufenster eines Modegeschäft stehen Schaufensterpuppen mit Atemmasken
Schaufenster eines Modegeschäfts in Erfurt (Symbolfoto). Bildrechte: MDR /Karina Heßland

Das Thüringer Gesundheitsministerium will die Erfurter Pläne zur Ladenöffnung prüfen. Am Montag soll es Gespräche zwischen Vertretern der Stadt mit dem Land geben, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Zugleich warnte Ministerin Heike Werner (Linke) vor Experimenten beim Innenstadt-Shopping. "Klar ist, wir müssen überlegen, wie wir Öffnungsstrategien in Zukunft umsetzen können." Im Interesse des Gesundheitsschutzes der Menschen sollte das aber nicht über Experimente ohne die erforderlichen Voraussetzungen passieren.

Zutritt mit negativem Corona-Testergebnis

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) plant, Geschäfte für einen beschränkten Zeitraum für Stadtbewohner mit negativem Corona-Testergebnis zu öffnen. Er sprach von einem "Experiment mit kalkulierbarem Risiko". Es gehe darum, Händlern Umsatz zu ermöglichen, aber auch darum, viele Einwohner zu testen. Er sei jedoch verhalten optimistisch, dass die Pläne vom Land genehmigt würden. Nordhausen hatte bereits angekündigt, sich der Erfurter Initiative anschließen zu wollen.

Heike Werner, Gesundheitsministerin
Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Frage nach der Kontaktverfolgung

Werner sagte zu den Plänen, für die vorgesehenen Lockerungen sei nicht nur ein schlüssiges Testkonzept, sondern auch ein Konzept der lückenlosen Kontaktnachverfolgung nötig. "Dabei reicht es nicht, Bändchen zu verteilen oder Handzettel auszufüllen." Nur, wenn die Öffnungen in Verbindung mit Tests und Kontaktnachverfolgung Hand in Hand gingen, seien solche Initiativen als Modellprojekte ab einer Inzidenz von unter 100 denkbar. Das sei auch eine Auslegung des Beschlusses der Ministerpräsidentenkonferenz, Terminshopping (click & meet) zu ermöglichen. Es gehe darum, dass vorher bekannt sei, wer den Laden betrete, so Thüringens Gesundheitsministerium.

Erfurt plant sechsstellige Summe ein

Die Stadt Erfurt möchte für das Shopping-Pilotprojekt an zwei aufeinanderfolgenden Tage im März eine kostenlose Schnelltest-Infrastruktur stellen: Die Stadt kalkuliert dafür eine sechsstellige Summe an Kosten ein. Bis zu fünf Testzentren sollen entstehen, etwa an einem zentralen Parkhaus oder auf dem Domplatz. Dort würden Mitarbeiter eines externen Dienstleisters die Tests übernehmen. Denkbar seien der 12. und 13. oder der 19. und 20. März. Die Stadt rechnet nach eigenen Angaben mit weit mehr als 10.000 Einwohnern, die das Angebot annehmen würden.

Andreas Bausewein (SPD), Oberbürgermeister von Erfurt, steht im Ratssitzungssaal nach einer Pressekonferenz.
Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) Bildrechte: picture alliance/dpa

Kritik an den Bausewein-Plänen

Die Shopping-Pläne stießen bereits auf heftige Kritik. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) schrieb auf Twitter: "Das ist nicht zu verantworten, so sehr wir uns das alle wünschen." Der Linke-Abgeordnete Christian Schaft schrieb, angesichts von Virusmutationen und stagnierenden Inzidenzen sei keine Zeit für solche Experimente. Kritisch äußerten sich auch einige Erfurter Stadträte. Sie bemängelten zudem, dass sie erst aus den Medien von den Plänen erfuhren.

Würden Sie sich testen lassen, um danach shoppen zu gehen?

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 05. März 2021 | 16:05 Uhr

50 Kommentare

helmut57 vor 9 Wochen

Nein,im Atrium Weimar, sind alle anderen nach wie vor geschlossen. Habe gelesen, am nächsten oder übernächstes Wochenende wollen die Verantwortlichen der Stadt ebenso wie in Erfurt, ein Wochenende Probeöffnen.
Wegen mir! Da alle ein Hygienekonzept haben, kein Problem.

Critica vor 9 Wochen

Was passiert, wenn ich in einem Einkaufscenter - ähnlich dem Atrium in Weimar oder der Goethegalerie in Jena oder dem Thüringenpark in Erfurt - lediglich zur Drogerie und zum Supermarkt will? Dort brauche ich keinen Test und kein Bändchen. Muss ich dann "beeiden", dass ich nur dorthin gehe?
Angenommen, ich "schlüpfe dann ins Schuhgeschäft und ins Textilgeschäft" und keiner merkt es?

Bria21 vor 9 Wochen

Bei dem Erfurter Experiment habe ich durchaus Bedenken, bezüglich Organisation und Kontrolle.
Wir wird eigentlich kontrolliert, ob die Bändchen nicht an Ungetestete weiter gegeben werden und wie verfährt man, wenn jemand positiv getestet wird, damit keine Massenhysterie ausbricht. Da haben die Verantwortlichen noch einiges zu klären und zu prüfen und vielleicht wird es auch verworfen.
Man sollte dem OB nicht grundsätzlich eine schlechte Absicht unterstellen.Außerdem ist die Teilnahme freiwillig, für Käufer und Händler.
Warum sich jetzt alle „Nicht-Erfurter“ ausgeschlossen und diskriminiert fühlen, verstehe ich nicht, es soll doch ein Versuch sein, wenn es funktioniert, werden andere Städte nachziehen, wenn nicht, kann man froh sein, nicht dabei gewesen zu sein (Ironie). Vielleicht hätte man lieber mit einer kleineren überschaubareren Stadt als Testobjekt anfangen sollen.

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