Schon 100 Liegestühle verschwunden Auf der Buga in Erfurt wird gestohlen

Zu einem Garten gehören Blumen, Beete, Gemüse, aber eben auch Gartenmöbel, Sonnenschirme und Hängematten. Das gilt auch für die große Gartenschau in Erfurt. Doch von der Buga 2021 sind im Laufe der Monate auf wundersame Art und Weise jede Menge Ausstattungsobjekte abhanden gekommen. Sie wurden schlichtweg geklaut.

Buga-Besucher sitzen auf Liegestühlen
Immer mehr Buga-Liegestühle verschwinden. Die Sitzsäcke scheinen für Diebe uninteressant zu sein. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Es gibt sie nur auf der Bundesgartenschau (Buga) in Erfurt: die Liegestühle mit dem achtblättrigen Blütenblatt und der Aufschrift "Erfurt 2021". 300 Stück wurden gekauft, der Großteil für den zweiten Erfurter Buga-Standorte Petersberg.

"Das Ausstellungsareal musste ja komplett möbliert werden", sagt Ausstattungschefin Kathrin Taut MDR THÜRINGEN. Schön sollte es aussehen, etwas Besonderes sein - und natürlich sollten den Besuchern auch viele gemütliche Ruheplätzchen zur Verfügung stehen.

Jeder dritte Liegestuhl geklaut

Offenbar haben die Ausstatter genau den richtigen Geschmack getroffen. Die Liegestühle sind bei diebischen Buga-Besuchern äußerst beliebt. Das Buga-Eigentum wird geklaut - in Größenordnungen. Es ist die Rede davon, dass mittlerweile über 100 Liegestühle verschwunden sind - also jeder dritte. Zwei Buga-Besucher wurden in flagranti mit dem Liegestuhl unterm Arm am Ausgangsdrehkreuz erwischt und angezeigt.

Buga-Sprecherin Christine Karpe ist sauer über so viel Dreistigkeit: "Das Ärgerliche ist, dass die Stühle fehlen und damit Möglichkeiten für die Besucher, sich auszuruhen, eine Pause zu machen." Nachbestellt werden konnten sie nicht.

Ein Rabe beobachtet zwei Liegestühle
Einige Buga-Besucher stehlen wie die Raben.  Bildrechte: MDR/Martin Moll

Leichte Dreisitzer verschwanden gleich zu Beginn

Aber auch vor sperrigen Gartenbänken schrecken die Langfinger nicht zurück. Gleich zu Beginn der Gartenschau kamen auf dem Petersberg vier Bänke aus Bambus abhanden. Die Dreisitzer sind zwar groß, aber eben nicht allzu schwer. Auf welchem Weg sie das Buga-Gelände verlassen haben, ob über den Zaun bei Nacht und Nebel oder in Lieferwagen oder oder oder - dem geht nicht nur die Buga-Gesellschaft nach, auch die Beamten der Buga-Polizeiwache kümmern sich darum.

Drehkreuz am Ega-Haupteingang
Zwei Buga-Besucher wurden in flagranti an einem der Ausgangsdrehkreuze erwischt. Sie hatten einen Liegestuhl unterm Arm. Bildrechte: Martin Moll/MDR

Schnell wurde auch der Wach- und Sicherheitsdienst aufgestockt. Die Gefahr, beim Klau erwischt zu werden, ist inzwischen deutlich gestiegen. "Wir passen genau auf", sagt Christine Karpe. Doch das Gelände ist groß und auf dem Petersberg mit mehreren Ausgängen nicht in jeder Minute zu überwachen.

Auch LED-Leuchten werden geklaut

Jüngstes Beispiel: Im Kreativgarten auf dem Petersberg sollte es jetzt, wenn die Tage kürzer werden, heller werden. Also wurden LED-Leuchten angeschafft, um die Wege zu beleuchten.

"Wir wollten, dass es bis zum letzten Tag und für jeden Buga-Besucher gemütlich ist", sagt Kathrin Taut. Doch von den ersten 22 in die Wiese gesteckten Leuchten wurden gleich am ersten Wochenende drei gestohlen. Es mussten schon neue nachbestellt werden. "Jeden Tag verschwinden zwei, drei Leuchten. Es ist schon krass."

Zwei Buga Mitarbeiterinnen halten Gießkannen
Die allermeisten Besucher erwerben ihre Souvenirs ganz legal, etwa die farbenfrohen Gießkannen, die Susi und Laetitia im Egapark anbieten. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Samenklau - aber nicht in der Besenkammer

Weniger auffällig und dennoch ärgerlich ist der Samenklau. Ja auch den gibt es, auch wenn der hier nicht in der Besenkammer stattfindet sondern in aller Öffentlichkeit mitten in den Beeten.

"Die Buga-Besucher finden die Pflanzung auf den Beetflächen so toll und knipsen sich einfach die Knospen ab. Doch die Flächen befinden sich im gärtnerischen Wettbewerb. Für die Gärtner gibt das dann Abzüge in der Bewertung", macht Christine Karpe klar.

Defensionskaserne Zitadelle Buga
Ausstellungsfläche nahe der Defensionskaserne: Geklaut werden auch Knospen und Samen. Bildrechte: MDR/Birgit Schindler

Besonders drastisch hat Kathrin Taut die Unverfrorenheit mancher angeblicher Öko-Fans auf dem Bienenlehrpfad erlebt. "Dort haben wir bei den Wildbienen Pflanzen, die besonders schöne Samenkapseln gebildet haben. Die Kapseln waren nach einer Woche alle abgeknipst."

Kinderspielzeug vermehrt sich

Manchmal geht der Weg aber auch in die umgekehrte Richtung. Auf dem Grabungsspielplatz auf dem Petersberg ist für die Kinder eine Fläche zum Buddeln angelegt. Dort hatten die Verantwortlichen gedacht, dass das eine oder andere abhanden kommt, wie Sieb oder Schaufel.

"'Stattdessen finden wir immer wieder Förmchen, die Besucher offenbar liegengelassen haben." Auch von den 300 Rutschsäcken ist noch keiner illegal in einem Rucksack gelandet. Alle sind noch da.

Wobei im Einsatz immer nur 150 sind, die anderen drehen sich in Waschmaschinen. "Wir tauschen die Rutschsäcke regelmäßig aus und an Tagen, an denen viel los ist, laufen wir alle 20 Minuten von unten nach oben. Dann wir so viel gerutscht, dass wir die Säcke von der unteren Truhe wieder die Treppen hoch nach oben schleppen müssen", sagt Kathrin Taut.

Rutschen am Petersberg in Erfurt zur Buga 2021
Rutschen auf dem Petersberg: Die 150 Rutschsäcke sind alle noch da. Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Mobiliar wird nach Buga-Ende verkauft

Für die Ausstattung - vom Sonnensegel, über Schachfiguren, Hängematten, übergroßen Legosteinen bis hin zu Bänken und Stühlen - hatte die Gartenschau ein Budget von 180.000 Euro. Nach der Gartenschau soll das bewegliche Mobiliar verkauft werden. Der eine oder andere Liegestuhl mit Buga-Logo ist dann sicher auch noch zu haben - ganz legal.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Radiogarten | 25. September 2021 | 09:00 Uhr

11 Kommentare

Erichs Rache vor 2 Wochen

@Mediator

"Ein Erklärungsversuch könnte sein, dass hier schlicht und einfach lokale ostdeutsche Bräuche gepflegt werden. Manche denken vermutlich immer noch, dass man sich alles was öffentliches Eigentum ist wie zu DDR Zeiten unter den Nagel reißen kann. War ja damals alles Volkseigentum und wurde fleißig aus den Betrieben geklaut, weil es vieles niergends zu kaufen gab."

Sind denn die westdeutschen Besucher der BuGa schon mal kontrolliert worden???

Mediator vor 2 Wochen

Ein Erklärungsversuch könnte sein, dass hier schlicht und einfach lokale ostdeutsche Bräuche gepflegt werden. Manche denken vermutlich immer noch, dass man sich alles was öffentliches Eigentum ist wie zu DDR Zeiten unter den Nagel reißen kann. War ja damals alles Volkseigentum und wurde fleißig aus den Betrieben geklaut, weil es vieles niergends zu kaufen gab.

Scherz beiseite:
Diebstähle in solchen Größenordnungen zeigen, dass sich da einige Kriminelle in der Gegend herum treiben. Da man solch einen Liegestuhl in der Regel nicht in der H4 Wohnung aufstellt kann man davon ausgehen, dass es keine BEdürftigen sondern Menschen mit Haus und Garten sind die sich hier kriminell zum Nachteil aller betätigen. Und schon wären wir wieder bei einer generellen Diskussion um solidarisches Verhalten und dass Menschen denen es eigentlich prima geht trotzdem glauben furchtbar arm zu sein, dass sie einen Liegestuhl klauen müssen.

Jedimeister Joda vor 2 Wochen

Ich weiß wer die Dinger klaut. Es sind Städter aus Erfurt und Umgebung. Woher ich es weiß. Die Bevölkerung aus den ruraren Gebieten benutzen solche Dinge nicht. Die haben immer zu tun. Nur die urbane Bevölkerung nutzt mangels anderer Tätigkeiten solche Dinger. Also macht Euere Hausaufgaben. Ich glaube, nein weiß, es geht bei der Buga nur um Geld. Wie in der Diskussion zu lesen sind auch Andere meiner Meinung. Lernt was draus, dann wirds besser. Jedimeister Joda

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