Durchsuchung nach Mafia-Überfall Polizei stellt zahlreiche Waffen sicher

Die Polizei hat am frühen Donnerstagmorgen Wohn- und Geschäftsräume in Erfurt durchsucht. Die Razzia stand im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Mafia-Überfall in der Innenstadt. Zahlreiche Waffen wurden sichergestellt.

Zahlreiche Waffen liegen auf einem Tisch: Sie waren bei einem Einsatz der Polizei gegen die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Erfurt gefunden worden.
Beamten beschlagnahmten am Donnerstag zahlreiche Waffen. Bildrechte: LKA Thüringen

Das Thüringer Landeskriminalamt und die Bereitschaftspolizei haben am Donnerstagmorgen in Erfurt mehrere Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Im Visier standen laut Landeskriminalamt ein Gewerbeobjekt und zehn Wohnungen. Auch zwei Wohnungen in Berlin und Zwickau waren Ziel der Polizeiaktion. Wie das LKA mitteilte, wurden sechs Männer im Alter zwischen 29 und 39 Jahren festgenommen. Vier davon in Erfurt und zwei weitere an ihren Wohnorten in Berlin und Sachsen. Sie sollen am Freitag dem Haftrichter in Gera vorgeführt werden.

Außerdem stellten die Beamten zahlreiche Waffen sicher. Nach Angaben des Landeskriminalamts handelt es sich unter anderem um verschiedene Schusswaffen, Elektroschocker, Reizsprays und Schlagstöcke. Außerdem seien mehrere Mobiltelefone, Drogen und 29.000 Euro Bargeld eingezogen worden. Hintergrund ist der mutmaßliche Mafia-Überfall in der Erfurter Innenstadt vor gut zwei Wochen.

Elf Tatverdächtige ermittelt

Das LKA hat nach eigenen Angaben elf Tatverdächtige ermittelt, die bei dem Angriff auf das Restaurant am 11. Oktober dabei gewesen sein sollen. Bei ihnen wurde nach Waffen und weiteren Beweismitteln gesucht. Ihnen wird Landfriedensbruch in besonders schwerem Fall und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. An den Ermittlungen ist auch die Staatsanwaltschaft Gera, Abteilung Organisierte Kriminalität beteiligt.

Bei den Tatverdächtigen handelt es nach Angaben des LKA um eine Gruppe von zehn deutsche Männer im Alter von 29 bis 45 Jahren und einen 46 Jahre alten russischen Mann, darunter auch ein Mitglied des Bandidos MC Berlin und ein Mann aus Sachsen. Ein Großteil der Männer ist bereits wegen Gewaltdelikten einschlägig vorbestraft beziehungsweise polizeibekannt.

Ziel des Überfalls war armenischer Restaurantbesitzer

Polizeieinsatz in der Michaelisstraße Erfurt
Die Polizei in der Tatnacht in der Erfurter Michaelisstraße Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Laut LKA hatte sich bei dem Überfall vor knapp zwei Wochen eine Gruppe von etwa 25 Männern vor dem Restaurant "Wirtshaus Christoffel" in der Michaelisstraße in Erfurt versammelt. Unter einem Vorwand soll der armenische Inhaber des Restaurants vor das Lokal gelockt worden sein. Dort sollen sie den Mann und seine beiden Söhne angegriffen haben. Den Angaben zufolge sollen die zum Teil vermummten Angreifer Stühle, Reizgas und Elektroschocker eingesetzt haben. Danach sollen sie geflüchtet sein. Der Restaurantbetreiber und seine beiden 19 und 20 Jahre alten Söhne wurden verletzt. Der ältere kam wegen einer Beinverletzung ins Krankenhaus. Zum Motiv des Überfalls dauern die Ermittlungen an.  

Gegen den 29-jährigen Anführer des Überfalls und einen 37-jährigen Komplizen wird zudem wegen des Verdachtes der illegalen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ermittelt. Sie stehen im Verdacht, Crystal im Kilogrammbereich aus Tschechien nach Erfurt eingeführt und den Verkauf organisiert zu haben. Gegen den 37 Jahre alten Verdächtigen erließ das Amtsgericht Gera deshalb einen weiteren Haftbefehl. 

Rivalitätskampf zwischen organisierten Mafia-Banden?

Der Präsident des LKA Thüringen, Frank-Michael Schwarz sagte, dass es in kürzester Zeit durch intensive Ermittlungen gelungen sei, den Sachverhalt aufzuklären. Ziel sei es nun herauszufinden, inwieweit es Verbindungen zur "Russisch-Eurasischen Organisierten Kriminalität armenischer Prägung" gebe. Das LKA bittet mögliche Zeugen, sich bei der Polizei zu melden.

MDR THÜRINGEN hatte zuvor öffentlich gemacht, dass bei dem Angriff möglicherweise auch eine Schusswaffe eingesetzt worden ist. Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, dass sie eine Person mit einer Pistole gesehen und einen Schuss gehört hätten. Die Ermittler vermuten, dass hinter dem Überfall ein Rivalitätskampf im Bereich Organisierte Kriminalität steht. Es gibt Anhaltspunkte, dass zwei konkurrierende armenischen Mafiaclans in Erfurt dabei eine Rolle spielen.

Mafia auch Thema in Landtags-Ausschuss

Am Donnerstag beschäftigte sich der Innenausschuss des Thüringer Landtages mit dem Thema. Die CDU-Fraktion hatte den Fall auf die Tagesordnung gesetzt. Der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Wolfgang Fiedler, warf der Landesregierung vor, das Mafia-Problem zu verharmlosen. Es hätten hier gleich mehrere Organisationen Fuß gefasst. Innenminister Georg Maier (SPD) wies das zurück. Thüringen sei nach wie vor kein Mafia-Land. Es gebe zwar wie überall in Deutschland Strukturen der Organisierten Kriminalität. Doch dagegen gehen laut Maier die Ermittlungsbehörden mit aller Konsequenz vor.

Maier erstattete am Donnerstag dem Innenausschuss des Landtags einen detaillierten Bericht über die Erkenntnislage des Landeskriminalamtes zu mafiösen Banden in Thüringen. Die Ergebnisse des Berichts sowie der Ausschussdebatte sind vertraulich.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Oktober 2017 | 07:00 Uhr

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