Handel Dorfladen-Betreiber "Emmas Tag und Nacht Markt" insolvent

26. Februar 2023, 20:21 Uhr

Die Erfurter Betreibergesellschaft der automatisierten "Emmas Tag und Nacht Markt"-Dorfläden hat Insolvenz angemeldet. Drei der vier gebauten Geschäfte waren von der öffentlichen Hand massiv gefördert worden.

Das Dorfladen-Startup "Emmas Tag und Nacht Markt" mit Sitz in Erfurt ist pleite und hat Insolvenz beim Amtsgericht Erfurt beantragt. Gerichtssprecher Michael Müller-Hilgert sagte MDR THÜRINGEN, der Antrag sei in dieser Woche eingegangen.

Das Verfahren sei noch ganz am Anfang; zu den Gründen seien noch keine Angaben möglich. Antragsteller sei der Geschäftsführer der "Emmas Tag & Nacht Markt GmbH", Peter John.

Vier Märkte bisher gebaut und eröffnet

"Emmas" hat bisher in Altengottern, Grabe und Kammerforst im Unstrut-Hainich-Kreis sowie in Ettersburg im Weimarer Land automatisierte 24-Stunden-Läden gebaut. Weitere Läden in Emleben, Großvargula und Burgtonna warten seit Monaten auf die Eröffnung. Das Geschäft in Altengottern hatte der Betreiber in Eigenregie errichtet, für die übrigen Märkte schossen die Kommune und der Freistaat jeweils sechsstellige Summen zu.

Wer in den Läden einkaufen möchte, muss zuvor eine Kundenkarte beantragen, die Zutritt und Bezahlung ermöglicht. Da an Selbstbedienungskassen gezahlt wird, kommen diese Geschäfte nur mit wenig Personal etwa zum Auffüllen der Regale und zum Reinigen aus.

Der erst im Vorjahr eröffnete Laden in Ettersburg ist seit vier Wochen wieder dicht. Bürgermeister Jens Enderlein hatte dazu erklärt, dass ihm vom Geschäftsführer gesagt worden sei, es solle eine Photovoltaikanlage eingebaut werden. Zuvor habe es dagegen geheißen, es solle eine Back-Ecke eingebaut werden. Damals waren auch alle Lebensmittel ausgeräumt und in den Laden in Mühlhausen-Grabe gebracht worden.

Bereits zum Jahreswechsel wurden größere Probleme bekannt. Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen sprachen von vielschichtigen Problemen bei der zuständigen Baufirma.

Land mit Gemeinden in Kontakt

Das zuständige Infrastrukturminsterium steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit allen betroffenen Gemeinden. Referatsleiter David Kehrberg sagte, Ziel sei, die im Bau befindlichen Läden fertigzustellen und den Laden in Ettersburg wiederzueröffnen. Wegen der Probleme sind die Förderfristen schon mehrmals verlängert worden.

Das Land hatte ein Förderprogramm für 24-Stunden-Läden im Vorjahr ein zweites Mal aufgelegt. Im ersten Durchgang 2021 nutzten 16 Gemeinden das Angebot, bei der Neuauflage weitere zwölf. Neben "Emmas" gibt es weitere Anbieter solcher Läden.

"Emmas"-Geschäftsführer John hatte 2021 den Thüringer Innovationspreis in der Kategorie "Tradition und Zukunft" gewonnen. Seitdem expandierten Geschäft und Ideennachfrage nach Angaben von John deutschlandweit und auch international. Gestiegene Kosten und Materialknappheit nannte John schon im vergangenen Jahr "eine Herausforderung".

MDR (jw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. Februar 2023 | 19:00 Uhr

22 Kommentare

nasowasaberauch am 27.02.2023

Entscheidend für solche Läden sind der Preis und die Standortwahl. In der Nähe von Supermärkten hat die Idee keine Chance und letztendlich müssten die Kommunen ohne Profitinteresse mehr in die Pflicht genommen werden. Auch dafür gibt es schon mindestens ein funktionierendes Beispiel.

wo geht es hin am 27.02.2023

Schon der Name (Tante Emma) ist irreführend. Da macht man sich eine liebevolle Bezeichnung für einen Laden zu eigen, den es in diesem Konzept so gar nicht gibt. Denn in einem klassischen Tante - Emma - Laden stand jemand hinter der Ladentafel, der für ein Lächeln oder eine Kundenberatung jederzeit zur Verfügung stand. Dorfklatsch und Tratsch gehörte auch noch dazu. DAS machte den Tante - Emma - Laden aus und all das fehlt bei diesem neuen Konzept.
Ich bin der Meinung, daß lieber so ein klassischer Tante - Emma - Laden mit Steuergeld gefördert werden sollte, als so ein seelenloser Laden. Würde die Versorgung genaussogut absichern, würde zumindest einer Person Arbeit geben und das Lächeln würde erhalten bleiben. Unbezahlbar!
Mir erschließt sich auch nicht, daß in einem Ort, wo Abends die Fußwege hochgeklappt werden, unbedingt ein 24 - Stunden - Laden sein muss. Was spricht dagegen, nur von 9 - 18 Uhr zu öffnen? Früher ging das doch auch und wir sind trotzdem nicht verhungert!

Michail Bakunin am 26.02.2023

Ähm... sie wollen ein marktwirtschaftliches Gesetz außer Kraft setzen, um eine Investition, die unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gescheitert ist, künstlich am Markt zu erhalten? So funktioniert Marktwirtschaft nicht! Und wieso sollten Anwohner verpflichtet werden, etwas in einen Laden vor Ort zu kaufen? Wenn mir die Brötchen von meinen Bäcker nicht schmecken oder zu teuer sind, dann kaufe ich die woanders. Und sie wollen mich dann trotzdem verpflichten zu dem Bäcker zu gehen? ...einfach nur nein!

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