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Justiz

Nach Angriff im Erfurter Hirschgarten: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Stand: 10. Februar 2021, 11:10 Uhr

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen des Angriffs im Erfurter Hirschgarten im vergangenen Sommer erhoben. Im Juli 2020 hatte mehr als ein Dutzend Angreifer eine Gruppe junger Leute brutal attackiert.

Auf Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft MDR THÜRINGEN mit, sie habe gegen fünf Tatverdächtige beim Landgericht Erfurt Anklage erhoben. Für die Verfahren gegen sechs weitere Beschuldigte sei das Jugendschöffengericht zuständig. Die Beschuldigten seien zwischen 16 und 30 Jahre alt. Ihnen würden unter anderem Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Nach MDR-Informationen sind außerdem gegen drei Beschuldigte Strafbefehle beantragt worden.

Auch Zivilpolizisten angegriffen

Bei dem Angriff vor der Thüringer Staatskanzlei im Juli 2020 waren mehrere Menschen verletzt worden, einige von ihnen schwer. Auch drei Zivilpolizisten wurden angegriffen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind oder waren einige der Angeklagten der rechten Szene zuzuordnen. Die Staatsanwaltschaft hatte allerdings vor zwei Wochen erklärt, dass ein politisches Motiv bisher nicht nachweisbar sei.

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Video: Neonazi-Gewalt - jahrelang nicht bestraft

Opferberatung geht von rechtsextremer Tatmotivation aus

Die Opferberatung Ezra geht dagegen von einer rechtsextremen Tatmotivation aus. Mehrere Tatverdächtige seien bei den Ermittlungsbehörden durch rechtsextreme Straftaten aufgefallen. Auch die Einschätzung der Betroffenen spreche dafür. Für die Opfer von Neonazi-Gewalt sei die Anerkennung des politischen Tatmotivs wichtig.

"Lust auf Stunk"

Nach MDR-Recherchen sind mehrere einschlägig bekannte Neonazi-Gewalttäter unter den Tatverdächtigen. Einer der Angeklagten ist ein Erfurter Rechtsextremist, der nach MDR-Informationen am Hooligan-Überfall 2016 auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz beteiligt war. Dieser Mann soll bei der Polizei zu dem Hirschgarten-Angriff gesagt haben, seine Gruppe habe "Lust auf Stunk" gehabt. Es sei allgemein bekannt gewesen, dass sich am Hirschgarten Leute des "linken Spektrums" träfen.

Bei dem mutmaßlichen Haupttäter soll es sich um einen einschlägig bekannten Erfurter Neonazi handeln, gegen den erst kürzlich das Verfahren um den Neonazi-Angriff auf das linke Jugendzentrum (AJZ) in Erfurt vor fünf Jahren eingestellt worden war. Insgesamt drei der mutmaßlichen Täter des Staatskanzlei-Angriffs waren verdächtigt worden, damals an dem Überfall auf das AJZ beteiligt gewesen zu sein. Die Verfahren wurden allerdings nach und nach eingestellt. Zwei der Staatskanzlei-Angreifer waren beim Neonazi-Angriff in Leipzig-Connewitz im Januar 2016 dabei. Nach MDR-Informationen zählen mehrere der Tatverdächtigen zu einer Erfurter Neonazi-Gruppe, die sich eine Zeit lang "Kollektiv 56" nannte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Exakt | 10. Februar 2021 | 20:15 Uhr

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