Klimawandel Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2022: Wissenschaftler der FH Erfurt ausgezeichnet

Wissenschaftler der Fachhochschule Erfurt sind mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022 ausgezeichnet worden. Ihr Projekt soll Städte grüner machen und sie besser an Hitze anpassen. Dabei wird vor allem auf die Beteiligung der Anwohner gesetzt.

Platz mit Rasen Bäumen und Springbrunnen. Im Hintergrund Hausfassaden.
Der Leipziger Platz in Erfurt gehört zu den Orten in der Landeshauptstadt, die sich am meisten aufheizen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Projekt "Heat Resilient City" der Fachhochschule Erfurt ist mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022 ausgezeichnet worden. Es setzte sich gegen zwei weitere Forschungsprojekte durch, die sich mit Klimawandel und Extremwetter in Städten befassen. Bis Mitte November konnten Interessierte online über die drei nominierten Projekte abstimmen - das Ergebnis wurde am Freitagabend beim 14. Deutschen Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf bekannt gegeben.

Initiativen zum Mitmachen

Für die Fachhochschule Erfurt und das Forscherteam um Prof. Dr. Heidi Sinning vom Institut für Stadtforschung und Planung war bereits die Nominierung eine Bestätigung ihrer Arbeit der vergangenen vier Jahre.

Unter der Überschrift "Heat Resilient City" - hitzeangepasste Stadt - hat das Team seit 2017 mehrere Initiativen in Erfurt und Dresden gestartet, damit Menschen, Tiere und Pflanzen besser und gesünder durch die heißen Wochen im Sommer kommen. Das Besondere bei diesem Projekt: Es wird den Menschen nicht übergestülpt, sondern jeder kann mitmachen. Das Institut hat die Bürger online befragt und ihre Wünsche in die Projekte integriert.

Befragte wünschen sich mehr Grün in der Stadt

So möchten zum Beispiel 99 Prozent der Befragten in Erfurt, dass am Leipziger Platz mehr Bäume gepflanzt werden. Dort werden im Sommer zum Teil Temperaturen von mehr als 50 Grad gemessen. Temperaturen, mit denen die Stadtplaner eigentlich erst in 30 Jahren gerechnet haben.

Leipziger Platz in Erfurt
Der Leipziger Platz wurde im vergangenen Jahr begrünt. Bildrechte: imago images/Karina Hessland

Gartenarchitekten, die den Platz Anfang des vergangenen Jahrhunderts gestaltet haben, konnten den Klimawandel nicht vorhersehen - und haben die Hitze nicht in ihre Planungen einbezogen. Deshalb gibt es dort bis heute keine schattigen Plätze zum Verweilen und Ausruhen. Im vergangenen Sommer wurde daran bereits gearbeitet - bei einer Hitzeaktionswoche stellten die Forscher Kübel mit Bäumen auf, zur Freude der Anwohner. 

Baum-Patenschaften gegen Hitze und Trockenheit

Der Mensch leidet bei lang anhaltender Hitze. Bluthochdruck und Schlafstörungen sind keine Seltenheiten. Aber auch die Pflanzen leiden und vertrocknen. Hier sind künftig die Bürger gefragt. Sie können besondere Baum-Patenschaften übernehmen, zu der auch der empfindliche Wurzelbereich gehört und das Gießen mit Hilfe eines Wassersacks übernommen werden muss.

Mehr als 80 Prozent der Menschen in Erfurt sind laut der Online-Befragung dazu bereit, eine solche Patenschaft zu übernehmen.

Baumpflanzung in der Rathenaustraße in Erfurt
In der Erfurter Rathenaustraße wurden klimaresiliente Säulen-Hainbuchen der Sorte "Frans Fontaine" gepflanzt. Bildrechte: Guido Spohr, Stadtverwaltung Erfurt

Bewohner helfen sich selbst

Auch im Erfurter Hanseviertel sind die Forscher vom Institut für Stadtplanung aktiv - und auch dort haben sie die Bewohner befragt, wie sehr sie die heißen Sommer der vergangenen Jahre belastet haben. Im Hanseviertel gibt es wenig Grün und viele Wohnblocks, das Viertel heizt sich deshalb besonders stark auf.

Zukunftswerkstatt mit Bewohnerinnen und Bewohnern in der Erfurter Oststadt
Zukunftswerkstatt mit Bewohnerinnen und Bewohnern in der Erfurter Oststadt. Sie planen bei der Begrünung ihres Quartiers mit. Bildrechte: Paul Würtz

Bereits im Jahr 2006 haben sich dort die Bewohner selbst eine Oase geschaffen, die sie Lagune nennen. Damals machten sie aus Industriebrachen Naturflächen, heute profitieren sie davon. Das Projekt wird heute von der Stadt Erfurt gefördert und ist beispielgebend. Denn dort gibt es das, was in vielen Städten Mangelware ist - Ruhe, Erholung und im Sommer Schatten.

Partner des Projekts "Heat Resilient City" Das Projekt ist eine Gemeinschaftsarbeit von mehreren Partnern aus Wissenschaft und Praxis in den Städten Erfurt und Dresden.

Projektpartner aus der Wissenschaft:
+ Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt (ISP)
+ Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden
+ Technische Universität Dresden
+ Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden

Projektpartner aus der Praxis:
+ Umwelt- und Naturschutzamt der Landeshauptstadt Erfurt
+ Umweltamt sowie Amt für Gesundheit und Prävention der Landeshauptstadt Dresden
+ Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Atheist vor 7 Wochen

Ich kann’s nicht mehr hören.
Wenn die Leute Nachhaltig wollen warum wählen dann nur 5% so?
Ein aufgebauschtes Thema das von den wirklichen Problemen ablenken soll.

Jedimeister Joda vor 7 Wochen

Das ist ja toll. Ihr erfindet das Fahrad gleich nochmal. Stadtumbau um die Aufheizung im Sommer zu verringern. Das sind doch alte Hüte . Alles was ihr machen wollt hat der Filmemacher Dieter Wieland im Bayerischen Rundfunk der 70er und 8oer Jahre des letzten Jahrhunderts bereits bearbeitet. Leider haben die Ansteller und Verantwortlichen nicht draufgehört. Da ist immer wieder das Geld und die deutsche Technikgläubigkeit im Weg. Glaub schon die Verwaltung ist eine Verhinderungsverwaltung. Keine Ermöglichungsverwaltung arbeitet für die Städter denen es zu heiß ist. Nu gut in eurer Hauptstadt sagte mal jemand "Kannste da nicht wegziehn." Guter Vorschlag doch wer will die verwöhnten Städter schon haben. Die haben sich doch an Dinge gewöhnt die es auf dem Land in hundert Jahren nicht geben wird. Ich hab keine Hoffnung. Euch ist nicht zu helfen. Wenns schon an der Vernunft fehlt. Ihr dauert mich, ein Bißchen. Joda Dagobasystem

Jan vor 7 Wochen

Eine schöne und wichtige Entscheidung. Nur durch viel mehr Bäume in den Städten lässt sich das Aufheizen in den kommenden Sommern verhindern.

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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