Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltRatgeber

Ihr Browser unterstützt kein HTML5 Video.

Das Video wird geladen ...

Recht auf Ansteckung oder Impfpflicht - Wie die Corona-Schutzimpfung polarisiert

FAKT IST! aus Erfurt

Aufklärung statt Druck: Der Umgang mit der Corona-Impfung und den Skeptikern

von Martin Moll, MDR THÜRINGEN

Stand: 13. Juli 2021, 01:18 Uhr

Die Corona-Impfung schützt vor schweren Verläufen und hilft, die Ausbreitung des Virus zu reduzieren. Bisher sind 41 Prozent der Thüringer geimpft. Wie die Quote erhöht werden kann, wurde am Montagabend bei FAKT IST! aus Erfurt diskutiert.

Aufklärung und Vertrauen als zentrale Elemente der Corona-Impfkampagne - darauf setzen die Experten, die Montagabend bei FAKT IST! aus Erfurt zu Gast gewesen sind. Dass beides weiterhin notwendig ist, zeigen die aktuellen Zahlen: Erst 41 Prozent der Thüringer sind bisher vollständig geimpft; zu wenig für die angestrebte Herdenimmunität. Zudem stagniert das Impftempo.

Zuversichtlich bleibt Professor Mathias Pletz, Leiter des Instituts für Infektionsmedizin an der Uni-Klinik Jena. Der Aufbau einer Herdenimmunität sei ein Prozess, der sich kontinuierlich entwickelt. Das Coronavirus in seinen verschiedenen Varianten werde weiter zirkulieren, aber mit dem Erfolg der Impfungen würden die zwei großen Ziele immer mehr erreicht: schwere Krankheitsverläufe verhindern und das Gesundheitssystem nicht überlasten.

Dass die Impfung wirkt, sehe man etwa daran, dass die Infektionszahlen in der dritten Welle stark nach oben gingen, "aber die schweren Covid-19-Verläufe deutlich weniger waren als vor Beginn der Impfkampagne".

Alles anzeigen

Idee: Impfen in Apotheken und Einkaufszentren

Für Professorin Heidrun M. Thaiss, die ehemalige Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sind "Impfungen die wertvollste Präventionsmaßnahme, die wir haben, um die Pandemie in den Griff zu bekommen". Dass die übergroße Mehrheit der Bevölkerung der Schutzimpfung positiv gegenüberstehe, mache Hoffnung. Damit aber möglichst schnell möglichst viele Menschen geimpft werden, "sollte man niedrigschwellige Angebote ermöglichen: am Arbeitsplatz, in der Apotheke, im Einkaufszentrum".

So sieht es auch der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß: "Die Impfstoffe müssen zu den Leuten kommen. Denkbar sind Impfungen in Fußballstadien oder in Stadtteilzentren. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt." Eine ganz wichtige Funktion komme den Hausärzten zu. "Sie sind es, die das direkte Gespräch mit ihren Patienten suchen können", sagt Krauß.

Impfkritiker halten Vakzine für nicht ausgereift

Nicht jeder ist von den neuen Impfstoffen überzeugt. "Ich halte die mRNA-Impfstoffe für experimentell und nicht ausgereift ", sagt etwa Studiogast Detlef Sordon, Lkw-Fahrer aus Erfurt. "Der Mensch wird als Versuchskaninchen benutzt." Auch Mario Längle aus Jena steht der Impfung kritisch gegenüber: "Es ist am Ende eine Glaubensentscheidung, keiner hat das absolute Wissen."

Infektiologe Pletz entkräftet die Einwände zur raschen Entwicklung der Impfstoffe. Hinsichtlich der Sorge vor möglichen Nebenwirkungen ergänzt er: "Die Impfstoffe, die wir jetzt haben, sind die am besten überwachten Impfstoffe in der Geschichte der Medizin." Noch nie seien in so kurzer Zeit so vielen Menschen Impfstoffe gegeben worden. Dadurch, dass die Impfungen weltweit überwacht werden, hätten auch solche Nebenwirkungen registriert werden können, die so extrem selten sind, "dass man sie bei Impfstoffen gegen andere Krankheiten - bei denen viel weniger Studienteilnehmer für eine Zulassung nötig sind - vielleicht noch gar nicht mitbekommen hat".

Politiker Krauß hofft, dass die Impfskeptiker den Wissenschaftlern und Medizinern das gleiche Vertrauen entgegenbringen wie anderen Fachleuten. Das sei in allen Bereichen, in denen man sich selbst nicht gut auskennt, schließlich ähnlich. "Ich vertraue ja auch meinem Kfz-Mechaniker."

Info-Kampagne "Impfen statt schimpfen" in Weimar

Für die Corona-Schutzimpfung werben auch Anselm Graubner und Tochter Rosalie aus Weimar, wo sie die Kampagne "Impfen statt schimpfen" ins Leben gerufen haben. Zu Beginn der Pandemie sei der Ärger über die gefühlte Hilflosigkeit groß gewesen. "Und als es mit dem Impfen losging, dachten wir uns: Jetzt muss man sich kümmern und auch den Zweiflern vermitteln, dass es ein kleiner Piks für den Einzelnen ist, aber ein großer Fortschritt für alle."

Eine hohe Impfbereitschaft auch unter Jugendlichen erkennt Olaf Petschauer, Direktor am Henfling-Gymnasium in Meiningen. Emma Kilian aus der elften Klasse hat gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern eine Broschüre zur Impf-Aufklärung erarbeitet. Die Zielgruppe: "Altersklassen, die bisher nicht so direkt mit dem Thema zu tun hatten."

Ein Ansatz, den auch Infektiologe Pletz gut heißt. Aufklärung und Überzeugungsarbeit seien entscheidend - und keine Diskussion über eine Impfpflicht. Denn auch wenn hinsichtlich der Delta-Variante bei Kindern und Jugendlichen ebenso wie beim Long-Covid-Syndrom vieles noch nicht genau geklärt ist, sei eines klar: "Das Risiko einer Impfung ist viel niedriger als die Unwägbarkeiten einer Infektion mit dem Coronavirus."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Fakt ist! aus Erfurt | 12. Juli 2021 | 22:15 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen

Mehr aus Thüringen

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen