Simulation Flugzeug am Flughafen Erfurt in Flammen: Feuerwehr übt für den Ernstfall

Flugzeugabstürze oder -brände kommen zwar selten vor, aber um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, müssen Feuerwehrleute solche Szenarien gesondert üben. Normalerweise finden diese Trainings an größeren Flughäfen statt. Seit wenigen Wochen gibt es nun einen mobilen Flughafen-Feuerwehrsimulator einer Leipziger Firma, der seinen ersten Halt am Flughafen Erfurt-Weimar macht. Die Flughafen- und die Berufsfeuerwehr Erfurt üben damit gemeinsam verschiedene Brandszenarien.

Weißer Rauch quillt aus dem Triebwerk des Simulators. Er sieht aus wie eine kleine Personenmaschine - zumindest der vordere Teil davon. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass die Fenster aber nur aufgemalt sind und auch im Inneren findet man keine Polstersessel, sondern Sitze aus Metall. Zu dem weißen Rauch gesellt sich nun ein süßlicher Geruch - das Gas, das für die Brandsimulation verwendet wird. "Das ist dem Kerosin von der Hitzeentwicklung her am ähnlichsten und auch am umweltfreundlichsten", sagt der Entwickler des Simulators, Florian Funke. Und prompt wird das Gas entzündet.

Triebwerk und Tragfläche stehen in Flammen. Die Hitze ist auch auf mehrere Meter Entfernung deutlich zu spüren. Das Fahrzeug der Flughafen-Feuerwehr kommt mit lauter Sirene angerast. Der Dachwasserwerfer spritzt sofort Wasser von oben auf den Rumpf. Die Kameraden rollen den Schlauch aus und bleiben beim Löschen nah am Flugzeugkörper. "Es geht nicht darum, das Feuer zu löschen, sondern den Rumpf und die Passagiere zu schützen", erklärt Funke. Und schon wird das Gas wieder abgestellt, das Feuer erlischt. Direkt danach geht's zur Lagebesprechung: Was kann besser gemacht werden? Die Schläuche werden zusammengerollt. Alles auf Anfang, noch ein Durchgang.

Feuerwehrmänner begutachten einen Schlauch
Feuerwehrleute bereiten eine Übung vor. Bildrechte: MDR/Anna Hönig

Training sonst an anderen Flughäfen

Dass die Flughafenfeuerwehr Erfurt an ihrem eigenen Flughafen üben kann, ist nicht selbstverständlich. Normalerweise fahren die Kameraden einmal im Jahr zu anderen Flughäfen, wie zum Beispiel Leipzig, um dort derartige Situationen zu trainieren. Ein großer finanzieller und organisatorischer Aufwand. Der mobile Simulator ist eine Entwicklung von Florian Funke und seiner Firma "Aircraft Rescue Fire Fighting" (ARFF) und kann von Flughafen zu Flughafen transportiert werden. Er kommt einem echten Flugzeug sehr nahe, teilweise wurden originale Flugzeugteile verbaut, wie die Sitze im Cockpit.

Es geht nicht darum, das Feuer zu löschen, sondern den Rumpf und die Passagiere zu schützen.

Florian Funke Simulatoren-Entwickler

Die Türen, die sogenannten Entry-Doors, sind denen von Airbus und Boeing in Gewicht und Schließmechanismus nachempfunden. Auch im Innenraum können Brände simuliert werden, zum Beispiel vom Sitz, der Decke oder auch der Toilette. Eigentlich sollte der Simulator auch nicht nur aus einem halben, sondern einem ganzen Flugzeug bestehen. Aber die aktuelle Wirtschaftslage mache es schwierig, die Teile zu beschaffen, so Funke. Aber es geht auch erstmal so. Der aktuelle Simulator hat seinen Tüv erst zwei Wochen zuvor bekommen und hat am Flughafen Erfurt-Weimar seine Feuertaufe - im wahrsten Sinne.

Feuer in einem Flugzeugsimulator
Auch im Innenraum können Brände von Decke, Sitz und Toilette simuliert werden. Bildrechte: MDR/Anna Hönig

Erster Flugzeugbrand für Berufsfeuerwehr

Funke selbst ist gelernter Fluggerätebauer und war auch als Feuerwehrmann im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst tätig - weiß also, worauf es beim Training ankommt. Und das leitet er auch selbst. Mit dabei ist erstmals die Berufsfeuerwehr Erfurt. Sollte wirklich mal ein Flugzeug brennen, wird auch sie alarmiert, obwohl sie bisher nie bei den externen Trainings dabei war. Martin Schneider ist seit 15 Jahren bei der Berufsfeuerwehr Erfurt, auch für ihn ist ein Flugzeugbrand etwas Neues. "Es funktioniert super, der Trainer ist sehr kompetent. Er vermittelt das Wissen perfekt für uns als Neulinge. Wir nehmen es mit, wir saugen das Wissen auf und machen das Beste daraus", sagt Schneider.

Ein brennender Flugzeugsimulator wird gelöscht.
Innerhalb von sieben Minuten kann sich das Feuer bei einem Flugzeugbrand durch den Rumpf fressen, hier heißt es wie immer: Schnell sein. Bildrechte: MDR/Anna Hönig

Simulator kommt nun vielleicht jedes Jahr

Bis Ende nächster Woche bleibt der Simulator noch am Flughafen Erfurt-Weimar. Danach wird die Übung ausgewertet. Ulrich Reh, Geschäftsbereichleiter Aviation und Accountable Manager des Flughafens, ist aber schon optimistisch. "Wir können hier mit unseren eigenen Geräten trainieren, das war vorher nicht möglich. Und von den Kosten her ist es ähnlich wie die externen Übungen", sagt Reh. Der Teamleiter der Flughafen-Feuerwehr Jens-Uwe Germer schließt sich an: "Dadurch, dass es keine Anfahrtszeiten mehr gibt, können wir wirklich acht Stunden pro Tag trainieren und auch noch die Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr festigen." Alle scheinen schon jetzt überzeugt vom Simulator. Nun heißt es aber erstmal noch bis nächste Woche: üben, üben, üben.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 29. März 2022 | 16:14 Uhr

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