Urlaubsflieger starten wieder Flughafen Erfurt rechnet mit 80.000 Passagieren 2021

Der Flughafen Erfurt-Weimar bleibt umstritten. Die Grünen und der Landesrechnungshof halten ihn für entbehrlich: Die Bedeutung für die Region sei überschaubar, die Kosten zu hoch - und geflogen werden könne auch von Nürnberg oder Leipzig. Die anderen Parteien sehen mehr Nutzen als Kosten. Das habe sich gerade in der Pandemie gezeigt, als hier mehr Fracht umgeschlagen wurde - nicht zuletzt Masken.

Drei Flugzeuge stehen auf dem Rollfeld des Erfurter Flughafens.
In Erfurt soll Ende Juni der erste Urlaubsflieger starten. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Die heiße Luft flirrt über der Rollbahn aus Beton. Gegen 11 Uhr sind zwei Kleinflugzeuge auf dem Erfurter Flughafen gelandet. Ehe sie die Parkposition nahe dem Terminal erreicht haben, müssen sie an neun nagelneuen Passagiermaschinen vorbei, die noch immer auf dem Gelände des Flughafens geparkt sind. Der Flugzeughersteller Airbus hat zwar weiter Flugzeuge produziert, doch in der Corona-Zeit wurden die neuen Maschinen zunächst nicht in Betrieb genommen. So warten die Maschinen für Gesellschaften aus den USA, Pakistan und Südkorea in Erfurt, bis der Flugverkehr wieder anläuft.

Doch es kommt allmählich wieder Leben in den Flughafen. Am 26. Juni hebt der erste Urlaubsflieger ab: Es geht nach Rhodos. Am 29. gleich nochmal. Dann kommt am 1. Juli eine Maschine nach Antalya dazu, am 3. Juli gehen Flieger nach Kreta und Mallorca.

Flughafen Erfurt: 15 bis 20 Flüge pro Woche geplant

Besonders das Passagieraufkommen hat unter Corona gelitten. 280.000 Passagiere nutzten den Erfurter Flughafen noch im Jahr 2017 für ihren Start in die Ferien. Dann kam die Germania-Pleite, die Zahl sank auf 156.000 im Jahr 2019. Im Corona-Jahr 2020 fielen die meisten Ferienflüge flach: 28.000 Passagiere, so die Bilanz.

Für 2021 plant der Flughafen konservativ. 83.000 Passagiere sollen es werden, wenn nicht die Pandemie zurückkommt. "Die Flugbewegungen werden in den nächsten Wochen steigen. 15 oder 20 Flüge pro Wochen gehen dann ab", sagt Stefan Carow vom Flughafen Erfurt. Die Thüringer säßen längst auf gepackten Koffern. "Sie warten darauf, dass es endlich wieder losgeht."

Landesregierung will ab 2024 keine Zuschüsse mehr zahlen

Der Flughafen ist ein Zuschussgeschäft: 5,2 Millionen Euro musste das Land als Haupteigentümer im Jahr 2019 beisteuern. 2020 waren es noch 3,9 Millionen. Fürs laufende Jahr sind 2,3 Millionen Euro eingeplant. Ab 2024 sieht die Landesregierung keine Zuschüsse mehr vor - aber das hängt wohl auch an der künftigen Auslastung. "Die Tatsache, dass die Leute nur wenig geflogen sind heißt nicht, dass auf unserem Flughafen kein Betrieb war", sagt Thüringens Verkehrsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke). Dazu gehören die geparkten Flugzeuge, aber auch die umgeschlagene Fracht. Während der Pandemie ist auch durch Maskentransporte das Aufkommen von 3.300 Tonnen im Jahr 2019 auf 4.400 Tonnen im Jahr 2020 gestiegen.

Den Flughafen wegen der stockenden Passagierzahlen ganz abschaffen wollen nur die Grünen. Der staatliche Zuschuss könne in umweltfreundlichen Verkehrsformen besser genutzt werden, schreibt die Fraktion auf Anfrage von MDR THÜRINGEN. Die anderen Fraktionen wollen den Flughafen erhalten. So sagt FDP-Fraktionschef Thomas Kemmerich: "Ohnehin war der Flughafen vor Corona schon auf einem guten Weg, keine Subventionen mehr zu brauchen".

Die CDU verweist auf etwa 2.000 Jobs, die direkt oder indirekt am Flughafen hingen. Die Landesregierung sei gefragt, ein langfristiges Entwicklungskonzept aufzustellen, so Fraktionschef Mario Voigt. Und AfD-Fraktionsvize Stefan Möller findet, im Umfeld des Flughafens müssten noch mehr Unternehmen angesiedelt werden, das brauche wohlwollende Begleitung der Landespolitik.

Mehr als nur Starts und Landungen

Die SPD meint, dass der Flughafen vor allem für die Logistik wichtig sei. "Als Masken knapp wurden, konnte innerhalb kürzester Zeit die Versorgung der Thüringerinnen und Thüringer mit Masken sichergestellt werden", sagt die wirtschaftspolitische Sprecherin Diana Lehmann. Und Gudrun Lukin, die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, sieht nicht nur den Zuschuss des Landes: "Dem Aufwand stehen auch regionalwirtschaftliche Effekte gegenüber", sagt sie. Gerade als Wartungsstandort für Flugzeuge unterschiedlicher Gesellschaften müsse der Flughafen ausgebaut werden.

Verkehrsminister Hoff weist darauf hin, dass inzwischen auch Unternehmen mit dem Recycling von Flugzeugen befasst seien - damit sei der Flughafen längst mehr als ein Start- und Landeplatz. Aber als solcher dürfe er dann ab dem 26. Juni wieder häufiger genutzt werden.

Flugzeug auf der Landebahn 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 18.06.2021 19:00Uhr 02:02 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 18. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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