Erfurt-Bindersleben Funke-Druckereischließung: Sozialplan für Versandmitarbeiter unterschrieben

Porträt Karsten Heuke
Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Das Funke-Druckereizentrum in Erfurt schließt Ende des Jahres. Nun haben sich Arbeitgeber und Betriebsrat auf einen Sozialplan für die Mitarbeitenden im Versand geeinigt. Die Thüringer Tageszeitungen werden künftig außerhalb Thüringens gedruckt.

Blick auf das Verlagshaus / Druckhaus der Thüringer Allgemeine
Das Funke-Druckzentrum in Erfurt steht vor dem Aus. Bildrechte: Imago/Karina Heßland-Wissel

Knapp drei Monate vor dem Aus des Funke-Druckzentrums in Erfurt haben sich der Arbeitgeber und der Betriebsrat auf einen Sozialplan für die Versandmitarbeiter geeinigt. Das bestätigten beide Seiten MDR THÜRINGEN. Bislang hatte es nur einen Sozialplan für die rund 100 Drucker gegeben. Nach Angaben des Betriebsrats der Funke Thüringen Druckservice GmbH profitieren von der jetzt abgeschlossenen Vereinbarung rund 140 Versandmitarbeiter. Die Funke-Mediengruppe will zum Jahresende die einzige Tageszeitungsdruckerei in Thüringen schließen.

Mangelnde Wertschätzung für Mitarbeiter beklagt

Der Betriebsratsvorsitzende Matthias Teutsch sagte MDR THÜRINGEN: "Angesicht der Situation und der zähen Verhandlungen haben wir das Bestmögliche erreicht." Um jeden einzelnen Punkt im Sozialplan habe das Verhandlungsteam hart ringen müssen und auch Streik angedroht. "Von Wertschätzung für die über Jahrzehnte geleistete Arbeit der Mitarbeiter haben wir von Funke leider nichts gespürt", sagte Teutsch. Die Stimmung in der Belegschaft habe einen Tiefpunkt erreicht.

Matthias Teutsch auf einer Kundgebung gegen die Druckereischließung im April 2021 in Erfurt.
Matthias Teutsch spricht auf einer Kundgebung gegen die Druckereischließung im April 2021 in Erfurt. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Abfindung und Treueprämie

Vollzeitbeschäftigte Versandmitarbeiter können nun je Jahr Betriebszugehörigkeit mit einer Abfindung in Höhe von 80 Prozent ihres durchschnittlichen Monatsbruttoverdienstes rechnen. Außerdem gibt es eine Treueprämie von bis zu 9.000 Euro. Allerdings wird diese laut Betriebsrat nur gezahlt, sofern eventuelle Kündigungsschutzklagen zurückgezogen werden. Eltern und Schwerbeschädigte erhalten weitere Zuschläge.

Versandmitarbeiter, die weniger als 28 Stunden pro Woche im Druckzentrum gearbeitet haben, profitieren anteilsmäßig. Anders als für die Drucker, ist für die Versandmitarbeiter keine Transfergesellschaft zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt geplant. Matthias Teutsch sagte, die meisten Arbeitsverträge endeten zum Jahresende, für etwa 50 Mitarbeiter erst im Frühjahr 2022. Die Funke-Mediengruppe will die Mitarbeiter mit einer Stellenbörse bei der Jobsuche unterstützen. Ein Sprecher sagte, es gebe dazu "überwältigendes Feedback" von regionalen Unternehmen, die dringend neue Mitarbeiter benötigten.

Weiter Streit vor dem Arbeitsgericht

Vor dem Arbeitsgericht Erfurt streiten nach MDR THÜRINGEN-Informationen noch mehr als ein Dutzend Versandmitarbeiter mit Funke um Schadenersatz für entgangenen Lohn. Sie fordern einen Nachteilsausgleich wegen der Absenkung ihrer Wochenarbeitszeit, als der Verlag Anfang 2021 überraschend das Anzeigenblatt "Allgemeiner Anzeiger am Mittwoch" eingestellt hatte.

Zeitungstitel der Funke Mediengruppe in Thüringen: Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung 10 min
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Mi 30.09.2020 12:00Uhr 10:24 min

https://www.mdr.de/medien360g/lokalzeitung-unter-druck-108.html

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Tageszeitungsdruck ab Dezember nicht mehr in Erfurt

Ein Funke-Sprecher teilte MDR THÜRINGEN mit, dass "Thüringer Allgemeine", "Thüringische Landeszeitung" und "Ostthüringer Zeitung" bereits ab dem 1. Dezember 2021 komplett außerhalb Thüringens gedruckt würden. Der Andruck werde "zu einer ähnlichen Zeit wie bisher in Erfurt-Bindersleben" beginnen. Das Anzeigenblatt "Allgemeiner Anzeiger" soll noch bis Jahresende in Erfurt-Bindersleben hergestellt werden. Außerdem wurden in Erfurt unter anderem Werbeprospekte und Rätselhefte produziert. Wo genau die Tageszeitungen künftig gedruckt werden, hat Funke nicht beantwortet. Im Gespräch waren Halle, Chemnitz und Braunschweig.

Start 1993 mit Helmut Kohl

Das Funke-Druckzentrum in Erfurt-Bindersleben war im Frühjahr 1993 als eines der europaweit modernsten gestartet. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte damals den Startknopf gedrückt. Knapp 30 Jahre später, im vergangenen Herbst, hatte Funke angekündigt, Thüringens einzige Tageszeitungsdruckerei Ende 2021 zu schließen. "Mögliche weitere Nutzungsoptionen der Druckerei in Erfurt" prüft Funke derzeit. Insgesamt rund 170 Versandmitarbeiter und 100 Drucker verlieren ihre Jobs, auch eine dreistellige Zahl an Leiharbeitern ist betroffen. 

Die Druckerei-Schließung hat die Funke-Mediengruppe mit einem veralteten Maschinenpark und den sinkenden Zeitungsauflagenzahlen begründet. Ende 2020 war die verkaufte Auflage von TA, TLZ und OTZ erstmals unter 200.000 gedruckte und digitale Exemplare gerutscht. Außerdem will Funke seine journalistischen Inhalte künftig verstärkt digital verbreiten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 13. Oktober 2021 | 07:00 Uhr

7 Kommentare

Kleingartenzwerg vor 3 Tagen

"In Thüringen wird es nicht anders sein. Ein toller Erfolg der Lügenpresse-Kampagnen."
Falsch, ein toller Erfolg von schlechtem Abschreib-Journalismus und monopolisierten Printmedien. Eine Folge sind letztendlich zum Teil auch die Erfolge der AFD, die brauchen entsprechende Vorlagen nur "einzulochen". Wer seinen Alltag nicht in den Medien wiederzuerkennen glaubt ist hörig für Alternativen.

Wagner vor 3 Tagen

Die Entwicklung ist zu bedauern ,war aber abzusehen. Die regionalen Zeitungen berichten nicht mehr regional. Die große Berichterstattung kommt aus einer Einheitsredaktion ,die kleine ,regionale entfällt. Kein Wunder also ,dass die Auflagen sinken.Eine Zeitung,in der fast 40 % Werbung abgedruckt wird ,ist keine Zeitung mehr .Journalismus bildet sich da auch nicht ab.Es kann sich auch keine Meinung bilden ,weil keine Debatte ausgelöst wird. Schade um die Demokratie.

Hansi63 vor 3 Tagen

Die Presse und die Medien beziehen einen Großteil ihrer Informationen vom RND, eine vorgefertigte Meinung, egal welche große Zeitung man aufschlägt, man bekommt überall das selbe serviert, manchmal etwas anders geschrieben. Die Funke Mediengruppe ist da mit ganz vorn dabei. Die Auflagen der Presse sinken seit Jahren dadurch aber natürlich muss der Gewinn noch optimiert werden.
Die Bürger werden durch die große Umverteilung der Politik von unten nach oben sich immer weniger leisten können, Energiepolitik, Mobilität, Lebenshaltungskosten allgemein. Die ganzen Einschränkungen fangen erst an, uns stehen „rosige“ Jahre bevor und die Presse und Medien haben einen ganz großen Anteil daran.
Persönlich habe ich dieses Jahr auch schon 2 Abos gekündigt und TV schaue ich nur noch ganz ganz selten und wenn dann mal einen Film bei den 2 großen Streaming Anbietern.

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