Medien Landesarbeitsgericht verhandelt zu Funke-Druckereischließung

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Das geplante Aus der Funke-Zeitungsdruckerei in Erfurt-Bindersleben zum Jahresende wird von gerichtlichem Streit begleitet. Betroffen sind die rund 150 Versandhelfer der Funke Thüringen Druckservice GmbH. Anders als für ihre Drucker-Kollegen ist für sie kein Sozialplan mit Abfindungen in Sicht.

Matthias Teutsch auf einer Kundgebung gegen die Druckereischließung im April 2021 in Erfurt.
Matthias Teutsch auf einer Kundgebung gegen die Druckereischließung im April 2021 in Erfurt. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Das Thüringer Landesarbeitsgericht verhandelt am Donnerstag zur geplanten Schließung der Funke-Zeitungsdruckerei in Erfurt-Bindersleben. In dem Verfahren geht es um die rund 150 Versandhelfer der Funke Thüringen Druckservice GmbH. Für sie ist - anders als für die betroffenen Drucker - bislang kein Sozialplan mit Abfindungen und keine Beschäftigungsgesellschaft in Sicht.

Arbeitnehmer-Seite beklagt mangelnde Information

Betriebsrat Matthias Teutsch sagte MDR THÜRINGEN, die wenigen Treffen mit Funke seien ohne wirklichen Informationsaustausch verlaufen. Die Mitarbeiter seien enttäuscht und empfänden mangelnde Wertschätzung von Funke nach jahrzehntelangem Einsatz. "Der Verlag bietet uns keinen Sozialplan und keine Bleibeprämie bis zur Schließung an", so Teutsch. Funke habe nicht einmal notwendige Informationen als Grundlage für mögliche Sozialplan-Verhandlungen geliefert.  

Deshalb wehrt sich der Betriebsrat vor dem Thüringer Landesarbeitsgericht in Erfurt gegen eine sogenannte Einigungsstelle als Vermittler zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber. Funke wolle diese voreilig einsetzen, lautet der Vorwurf des Betriebsrats.

Der mit dem Fall vertraute Rechtsanwalt Jürgen Metz sagte MDR THÜRINGEN, Funke habe widersprüchlich informiert, so dass der Betriebsrat gar nicht habe beraten können. So etwas habe er in 30 Jahren bei keinem Arbeitgeber erlebt, so Metz. Am Donnerstag wird eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichtes erwartet.

Vorwürfe der Versandhelfer: Was Funke erwidert

Funke weist die Vorwürfe zurück. Konzern-Sprecher Dennis Jerchow sagte MDR THÜRINGEN, die Mediengruppe habe "jederzeit und mehr als umfassend informiert". Mehrfach seien dem Betriebsrat vergeblich Gesprächsangebote unterbreitet worden.

Das Unternehmen stehe weiterhin für Gespräche bereit. Auf die Frage, ob Funke für die Versandhelfer einen Sozialplan wie für die Drucker anstrebe, sagte Jerchow, dies sei in jedem Einzelfall einer Betriebsschließung neu und gesondert zu bewerten.

Lohneinbußen nach Anzeigenblatt-Einstellung

Parallel klagen nach MDR THÜRINGEN-Informationen mehr als ein Dutzend Versandhelfer einzeln gegen Funke vor dem Arbeitsgericht Erfurt. Gütetermine haben bislang zu keiner Einigung geführt, so dass es zu Gerichtsverhandlungen kommen wird. Die Beschäftigten fordern Schadenersatz für entgangenen Lohn durch die Einstellung des Anzeigenblattes "Allgemeiner Anzeiger am Mittwoch" zu Jahresbeginn.

Dadurch sind pro Mitarbeiter laut Betriebsrat Teutsch auf einen Schlag wöchentlich bis zu elf regelmäßige Arbeitsstunden weggefallen, ohne dass Funke das mit einem Interessenausgleich sozial abgefedert habe. Das sei unzulässig, weil es sich um eine unternehmerische Entscheidung zum Nachteil der Mitarbeiter gehandelt habe, so Teutsch.

Der Verlag bewertet die Einstellung des "Allgemeinen Anzeigers am Mittwoch" dagegen nicht als Betriebsänderung. Funke-Sprecher Jerchow sagte, damit sei lediglich ein Auftrag weggefallen. Damit bestehe keine Notwendigkeit, einen Interessenausgleich abzuschließen.

Funke schließt einzige Tageszeitungsdruckerei

Die Funke-Mediengruppe hatte vergangenen Herbst angekündigt, Thüringens einzige Tageszeitungsdruckerei in Erfurt-Bindersleben Ende 2021 zu schließen. Die Funke-Tageszeitungen "Thüringer Allgemeine", "Thüringische Landeszeitung" und "Ostthüringer Zeitung" sollen dann außerhalb Thüringens gedruckt werden, etwa in Halle, Chemnitz und Braunschweig.

Die Schließungspläne hat die Funke-Mediengruppe mit einem veralteten Maschinenpark und den sinkenden Zeitungsauflagenzahlen begründet. Ende vergangenen Jahres war die verkaufte Auflage von TA, TLZ und OTZ erstmals unter 200.000 gedruckte und digitale Exemplare gerutscht. Außerdem will Funke seine journalistischen Inhalte künftig verstärkt digital verbreiten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. Juli 2021 | 05:00 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 45 Wochen

Kann mir mal jemand Sinn/Zweck einer Bleibeprämie erläutern, wenn der Betrieb dichtgemacht werden soll und gleichzeitig noch auf "Schadenersatz" geklagt wird, weil zu wenig Arbeit für zuviele Leute vorhanden ist? Da müsste doch eher eine Abfindung für vorzeitiges Ausscheiden angestrebt werden. Für Versandhelfer dürften doch rund ums Erfurter Kreuz genug Jobmöglichkeiten bestehen. Also Abfindung kassieren und gleich woanders anfangen.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 45 Wochen

Immer dieser Lärm um eine "sterbende Zunft" ?!

Wenn wir alle nur noch facebook, WhatsApp, und andere elektronische
Medien unterstützen und auch keine Briefe mehr mit der Hand schreiben,
dann müssen wir uns doch nun wirklich nicht mehr wundern, wenn
Unternehmer die Reißleine ziehen ...?!

Sozialpläne sind teuer. Banken, Fluglinien, Baukonzerne werden mit staatlicher Hilfe gerettet und das Handwerk stirbt. Das ist nicht neu.

Mögen die, die hier öffentlich nach Hilfen schreien, solidarisch sein
und die (möglicherweise irgendwann) Entlassenen selbst
auffangen und abfinden.

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