Protest gegen Schließung Streik in Funke-Druckerei in Erfurt verzögert Produktion von Zeitungen

Viele Abonnenten von Zeitungen der Funke-Mediengruppe dürften am Mittwochmorgen ihre Zeitung nicht wie gewohnt im Briefkasten vorgefunden haben. Denn Beschäftigte des Erfurter Druckzentrums haben am Dienstagabend mit einem Warnstreik gegen die geplante Schließung der Druckerei protestiert. Am Mittwoch gab es erneut einen Warnstreik.

verdi-Fahne vor einem Schild der Mediengruppe Thüringen in Erfurt
Zu den Warnstreiks hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Wegen eines Warnstreiks im Erfurter Druckzentrum sind die Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Mittwoch nicht wie gewohnt zugestellt worden. Nach Angaben von Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi haben am Dienstagabend und am Mittwoch Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Dadurch kam es zu Verzögerungen beim Druck und der Auslieferung von Zeitungen.

Wie der Betriebsratsvorsitzende Dustin Hertel MDR THÜRINGEN sagte, hatten sich Dienstagabend 34 Menschen an dem Protest gegen die Schließung des Druckhauses beteiligt und vor dem Betriebsgelände versammelt. 30 von ihnen wären von einer möglichen Schließung betroffen. Am Mittwochvormittag legten etwas 30 Beschäftigte die Arbeit nieder.

TA, TLZ und OTZ: Online-Ausgaben ohne Bezahlschranke

Laut Betriebsrat sind die Folgen des Protests auch für die Leser der gedruckten Ausgaben der Thüringer Allgemeine, der Thüringischen Landeszeitung und der Ostthüringer Zeitung spürbar. Die Online-Ausgaben sind am Mittwoch ohne Kostensperre lesbar. Die Druckausgaben der drei Zeitungen sollten am Mittwoch verspätet ausgeliefert werden. Außerdem bekommen Abonnenten unter Umständen nicht die Ausgabe geliefert, die sie bestellt haben. Das Anzeigenblatt Allgemeiner Anzeiger konnte nach Angaben von Verdi nicht wie üblich am Mittwoch in Erfurt gedruckt werden. Der Gewerkschaft zufolge suchte Funke am Mittwoch Leiharbeiter, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Beschäftigte der Mediengruppe streiken vor dem Druckzentrum in Erfurt
Angst um ihre Arbeitsplätze: Streikende Beschäftigte des Funke-Druckzentrums Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Druckerei steht vor Schließung

Zu dem Streik aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. Er richtet sich gegen die geplante Schließung des Druckhauses in Erfurt-Bindersleben. Die Funke-Mediengruppe hatte die Schließung des Standorts Erfurt und die Verlagerung der Produktion an andere Standorte angekündigt. Von der Verlagerung betroffen wären 270 Arbeitsplätze in Thüringen. Dustin Hertel nannte ein solches Vorhaben unverständlich und "wirtschaftlichen Schwachsinn".

Laut Funke verbleiben zwei Drittel des Drucks der Thüringer Tageszeitungen im Osten. Unter anderem soll in Chemnitz gedruckt werden. Der Rest der Tageszeitungen werde in Braunschweig gedruckt.

Blick auf das Verlagshaus / Druckhaus der Thüringer Allgemeine
Das Druckzentrum der Funke-Mediengruppe in Erfurt Bildrechte: Imago/Karina Heßland-Wissel

Zeitungen aus Thüringen müssten auch in einer regionalen Druckerei produziert werden. Verdi fordert im Falle der Schließung einen Sozialtarifvertrag für die Beschäftigten und etwa Abfindungen bei betriebsbedingten Kündigungen.

Anmerkung der Redaktion: Die Funke-Mediengruppe wies darauf hin, dass ihre Thüringer Tageszeitungen künftig weiterhin zu zwei Dritteln in den neuen Bundesländern, unter anderem in Chemnitz, gedruckt würden. Nur zu einem Drittel würden diese in Braunschweig gedruckt. Wir haben dies in unserem Beitrag korrigiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Mai 2021 | 05:00 Uhr

44 Kommentare

knarf2 vor 29 Wochen

wolle010:Ich glaube meine Frage ist berechtigt wenn ich Ihre Antwort zwecks Meinungsbildung lese.Aber es ist ihr Recht es wegen der Meinungsfreiheit so zu formulieren.🥴

martin vor 29 Wochen

@euphemismus: Danke für den Nachschlagehinweis. Ich hatte es mit "Polemik" schon in der Abiturprüfung zu tun - aber das ist zugegeben schon ein paar Tage her. Ich bin mir aber trotzdem recht sicher, den Begriff korrekt einordnen zu können. Allerdings hatte ich bei Ihrem Nick vermutet, dass Sie den Euphemismus in "Versuch einer ..:" entdecken. Egal.

Die Idee, der Solidarität der Redaktion mit Verlagsmitarbeitern ist sicher richtig - aber einerseits gibt es in den Redaktionen kaum noch fest angestelltes Personal. Und das Zeilengeld der Freien ist nicht wirklich üppig. Aber selbst wenn dadurch nennenswerte Beträge zusammen kämen, dürfte das eine Verlagsleitung eher dahingehend motivieren, in den Redaktionen noch mehr zu sparen - wenn da noch so viel Geld "übrig" ist. Aber die Druckerei auch nicht retten.

Wie Sie richtig schreiben, kann man mit einem Abo dem Auflagenschwund entgegen wirken. Nur: Digitale Abos helfen der Druckerei nicht - und um deren Arbeitsplätze geht es hier.

martin vor 29 Wochen

@knarf: Wieso? Die "sozialen" Netzwerke(r) informieren doch umfassend, schnell und immer richtig ....
Da braucht so mancher Zeitgenosse doch keinen unabhängigen Journalismus mehr.

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