Erfurt-Urbich Petitionsausschuss rät zu Verzicht auf Gewerbegebiet auf "grüner Wiese"

Gewerbegebiete auf der "grünen Wiese" gibt vielerorts. In Erfurt-Urbich soll ein weiteres gebaut werden. Der Ort wehrt sich und erhält jetzt Unterstützung aus dem Thüringer Landtag. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Ein Feld vor einem Dorf.
Heute ein Acker: Feld in Erfurt-Urbich. Bildrechte: MDR/Christoph Falkenhahn

Die Petition gegen den im Erfurter Ortsteil Urbich geplanten Technologie- und Gewerbepark ist erfolgreich gewesen. Der Petitionsausschuss des Thüringer Landtags habe sich gegen das Gewerbegebiet ausgesprochen, sagte dessen Vorsitzende, Anja Müller (Linke) MDR THÜRINGEN.

Die Idee, in der heutigen Zeit wertvolles Ackerland zu versiegeln, solle dringend überdacht werden, heißt es. Dem Landtag wird empfohlen, künftig die Weichen Richtung Wiederbelebung von Brachflächen zu stellen. In die Anhörung zur Petition waren drei Ausschüsse einbezogen worden. So eine große Runde habe es noch nie für eine Petition gegeben, so Müller.

LEG soll künftig keine Flächen mehr versiegeln

Einbezogen waren der Fachausschuss für Umwelt und Natur, der Ausschuss für Wirtschaft und der für Infrastruktur. Damit haben fast 40 Abgeordnete die Stellungnahme verfasst. Diese empfiehlt Gewerbegebiete auf der grünen Wiese künftig nur noch zu entwickeln, wenn es keine Alternativen wie Brach- und Altflächen gibt. Bereits beim Aufstellen des Landesentwicklungsplans ab 2025 soll der Schutz der Ressource Boden stärker beachtet werden.

Das Land, so heißt es in der Entscheidung des Petitionsausschusses, solle die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) dahingehend lenken, dass sie künftig die Neuversieglung von Flächen minimiert.

Ortsteilbürgermeister hofft auf Nein im Stadtrat

Vor genau einem Jahr hatte der Ortsteilrat von Urbich mit Naturschützern und Stadträten die Petition gegen den geplanten Gewerbe- und Technologiepark mit mehr als 4.000 Unterschriften dem Landtag übergeben. Das letzte Wort hat nun erneut der Stadtrat. Der muss entscheiden, ob er am Gewerbepark festhält.

Seit mehr als zehn Jahren will die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) im Ortsteil Urbich auf 45 Hektar Firmen der Hochtechnologie und Forschung ansiedeln. Ebenso lang dauert der Streit darum. Im Sommer 2021 tauchte zudem ein zusätzliches Hindernis auf: Zwei Grundstücksbesitzer weigerten sich, ihre Flächen an die LEG zu verkaufen.

Die Empfehlung des Petitionsausschusses stößt in Urbich auf Zuspruch und Freude. Ortsteilbürgermeister Peter Fitzenreiter sagte MDR THÜRINGEN, er sei erleichtert. Er hoffe, dass sich auch der Stadtrat nun gegen das Gewerbegebiet entscheidet. Laut Stadtrat Sebastian Perdelwitz von der Fraktion Mehrwertstadt gibt es dafür inzwischen deutliche Mehrheiten.

Quelle: MDR(nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten Mittel-Thüringen | 16. Januar 2022 | 08:30 Uhr

28 Kommentare

Eulenspiegel vor 17 Wochen

Hallo Gucker
Nur wenn man aber die Alternative hat alte nicht mehr genutzte Gewerbeflächen sogenannte Brachflächen zu nutzen so sollte man diese vorziehen.

thoralf1 vor 17 Wochen

Das ist eine sehr komplexes Thema.

Vorige Woche gab es hier im MDR z.B. eine Diskussion bzgl. des Abrisses in Greussen.

Es finden sich also immer Leute, welche ganz unterschiedliche Meinungen vertreten. Eine Gruppe für den Erhalt alter Backsteinbauten in Industriebrachen, andere Abriss dieser und Gewinnung von Flächen für Neubau und andere kein Abriss aber auch keine neuen Flächen für die Industrie.

Da Kommen wir zur Quadratur des Kreises!

Und wenn die Bundesregierung jetzt noch 400.000 Wohnungen pro Jahr bauen möchte, müssen die auch irgendwo hin. Abriss oder neue Flächen?

Man sollte das Flächen-, und auch Wohnungsmanagement, nicht lokal oder im Kreis betreiben. Dies ist, nach meiner Meinung, übergeordnet zu sehen.

Zum Beispiel gibt es in Kahla, Hermsdorf und Stadtroda Wohnungsleerstand. Mit dem Zug bin ich in 10-20 Minuten in Jena. Da muss man doch keine Sozialwohnungen in Jena bauen. Alle die eine Wohnung in Jena haben ist gut. Wer aber hin möchte, kann es aber leider nicht.

Quantix vor 17 Wochen

@emlo: Ja, alles gut, ich hätte meine Standpunkte auch etwas defensiver formulieren können.

Ich verstehe Ihre Position jetzt besser. Straßen, Andienflächen, Parkpläte für Mitarbeiter und natürlich Gebäude brauchen ihren Platz. Aber inzwischen gibt es viele gute Projekte zur naturverträglichen Gestaltung, und da kann ein modernes Gewerbegebiet wirklich besser abschneiden als der großer Acker, auf den es geplant worden ist. Ich hätte mir nur gewünscht, dass das auch vom Petitionsausschuss stärker berücksichtigt worden wäre.

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