Golf Nachwuchs-Talente fürs Sportgymnasium Erfurt gesucht

Golf gehört zu den Nischensportarten. Auch mit Vorurteilen haben gerade junge Nachwuchstalente zu kämpfen. Für eine Golfkarriere am Sportgymnasium Erfurt wurden am Sonntag bei einem Sichtungstraining neue Schüler gesucht. Zwei Plätze sind im kommenden Schuljahr ab Herbst noch frei.

"Golfsport wird halt meist nicht als Sport in den anderen Schulen bezeichnet.", sagt der 12-jährige Emil. Er ist zu dem Sichtungstraining extra aus der Nähe von Gütersloh angereist. Die 13-jährige Antonia ist an ihrem jetzigen Gymnasium von 800 Schülern die Einzige, die Golf spielt. Verständnis erfährt sie eher wenig. Doch im Spa und Golf Resort Weimarer Land in Blankenhain sind Emil und Antonia heute unter Gleichgesinnten.

Den ganzen Tag können sie sich beim Training beweisen: Nach dem Einschlagen und Aufwärmen werden die Nachwuchstalente in Athletik und Spielfähigkeit getestet. Die Trainer achten auf die Schlaglänge, die Technik, die Fitness.

Insgesamt acht Plätze bietet das Sportgymnasium "Pierre de Coubertin" in Erfurt für Golfer in den Klassenstufen 8-13. Sechs Plätze sind bereits vergeben, zwei noch übrig.

Golfbälle auf einer Wiese
Bereit für das Training liegende Golfbälle auf der Wiese des Spa und Golfresort Weimarer Land in Blankenhain. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Golf kämpft mit Vorurteilen

Ist Golf nicht etwas für Snobs? Für Menschen mit viel Geld und Zeit? Die Vorurteile und Klischees über die Sportart sind den jungen Schülern durchaus bekannt. Doch sie wissen es besser.

Golf gilt als die zweitschwerste koordinative Sportart - nach Stabhochsprung. Und es ist gerade die Herausforderung, die viele Golf-Fans fasziniert und anspornt: "Man kann es nie perfektionieren.", meint der 17-jährige Mauritz. "Jeder Schlag ist anders", sagt auch Emil.

Dazu kommen noch die Platz- und Wetterverhältnisse, die jedes Mal unterschiedlich sind, wie Ida weiß. Die 16-Jährige ist schon seit zwei Jahren Golfschülerin am Sportgymnasium und gibt den Neuankömmlingen heute Tipps und beantwortet Fragen.

zwei Schüler beim Golftraining
Die jungen Golftalente geben beim Training alles. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Und davon gibt es viele: Wie sieht der Tagesablauf am Gymnasium aus? Wie viel Freizeit bleibt? Was halten die anderen Schüler am Sportgymnasium vom Golf?

Für Eltern ein Kraftakt

Die Eltern der Schüler stehen im Hintergrund und beobachten das Geschehen. Auch für sie ist es ein aufregender Tag. Wenn ihre Kinder am Gymnasium angenommen werden, werden sie sich nicht mehr so oft sehen.

Aber zugleich war es für einige der Eltern bisher ein Kraftakt, ihre Kinder im Alltag zum nächsten Golfplatz zu fahren. Viele trainieren schon jetzt vier Tage in der Woche. Dazu kommen Turniere. Mit der Schule lässt sich das schwer vereinbaren - genau das soll sich am Sportgymnasium ändern.

Schüler bei einem Golftraining
Emil (l) und Antonia (r) während des Probetrainings. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Sport beginnt oft in den Familien

Mauritz' Vater kann sich noch erinnern, wie er selbst mit Golf angefangen hat. Eher aus Spaß, da war er gerade 40. Und irgendwann hat er seine Söhne einfach mal mitgenommen: "Und nach kurzer Zeit haben mich die Jungs einfach hinter sich gelassen und jetzt ist es so, dass sie sagen: Och Papa, ist das peinlich."

Ähnlich war es in Antonias Familie. Alle spielen dort Golf als Hobby. Doch bei Antonia wurde es schnell professionell, sodass sich ihre Eltern entschieden, sie auf das Sportgymnasium zu schicken.

Die Entscheidung für einen Platz am Sportgymnasium will allerdings gut überlegt sein. Idas Tag ist proppevoll: "Es ist alles sehr eng getaktet, also wir gehen aus der Schule und sitzen dann gleich im Bus, um zum Golfplatz zu fahren, dann trainieren wir, dann kommen wir zurück und essen Abendbrot und dann schafft man eigentlich nicht mehr so viel." Doch Ida bereut nichts. Weil für sie, wie für die meisten hier Golf auch immer ein Stück Freizeit ist.

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 16. Mai 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Babecue vor 4 Wochen

Schön für die Nachwuchsspieler vom Golf. Feldhockey ist auch eine Sportart und wird vom Sportgymnasium abgelehnt. Schade für die Kinder die es verdient hätten. Leider fehlt hier gerade beim Thema Sport die Fairness.

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