Güterverkehrszentrum Erfurt: Sechs Kinder und Jugendliche aus Afghanistan in Lkw entdeckt

Normalerweise fallen Lkws mit eingeschleusten Flüchtlingen schon nahe der deutschen Grenze auf. Jetzt sind aber sechs junge Afghanen in einem Lastwagen in Erfurt entdeckt worden. Ihnen geht es gut, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Polizei in Erfurt hat am Donnerstagabend sechs afghanische Kinder und Jugendliche auf einem Lkw gefunden. Wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte, hatte der rumänische Fahrer seinen Lastwagen am Güterverkehrszentrum abgestellt und war weggegangen. Als er wiederkam, war seinen Angaben nach die Plane aufgeschnitten und es schauten Hände heraus.

Kinder und Jugendliche zunächst in Erfurt untergebracht

Die alarmierte Polizei konnte die sechs Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren von dem Lkw befreien. Ihnen gehe es den Umständen entsprechend gut. Nach Schätzungen der Bundespolizei waren die Kinder etwa ein bis drei Tage versteckt auf dem Lastwagen unterwegs. Die Kinder seien mit Hilfe eines Dolmetschers zunächst kurz befragt worden. Über das Jugendamt Erfurt seien sie die Nacht über in Einrichtungen untergebracht worden.

Wie ein Sprecher der Bundespolizei MDR THÜRINGEN sagte, werden sie zunächst in zwei Kindereinrichtungen in Erfurt untergebracht. Am Freitag sollten sie von speziell geschulten Personal weiter befragt werden. Die Ermittler erhoffen sich so auch, Hinweise auf die Hintermänner zu erhalten, die die Kinder unerlaubt nach Deutschland brachten.

Verdacht gegen Lkw-Fahrer hat sich nicht erhärtet

Der Fahrer des eigentlich mit Waren für ein Möbelhaus beladenen Lastwagens aus Rumänien sei zunächst als Beschuldigter vernommen worden. Der Verdacht, er könne Teil der Schleuser sein, habe sich aber nicht erhärtet. Der Mann habe nach der Vernehmung gehen können, sagte der Bundespolizeisprecher. Der Lastwagen sei am Freitag noch nach weiteren Spuren und Hinweisen untersucht worden. Die Bundespolizei ermittle nun gegen unbekannt wegen Einschleusens von Ausländern.

Ein Zollbeamter durchsucht den Innenraum eines Lkws.
Ein Zollbeamter durchsucht den Lkw, in dem die jungen Afghanen gefunden wurden. Bildrechte: MDR/ Johannes Krey

Einschleusen von Geflüchteten als Geschäftsmodell

Manche Kriminelle machten ein Geschäftsmodell daraus, geflüchtete Menschen etwa von Südosteuropa für viel Geld auf illegale Weise nach Mitteleuropa zu holen, sagte der Sprecher der Bundespolizei. Die Masche sei bekannt. Meist fielen solche Lastwagen aber nahe der deutschen Grenzen bereits auf. Dass sie es bis nach Thüringen schaffen, sei eher selten der Fall.

Um die Kinder werde sich nun wahrscheinlich ein amtlich bestellter Pfleger kümmern, der vermutlich Asylanträge für sie stellen werde. Dann könnten die Kinder in eine Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete kommen, sagte der Bundespolizeisprecher.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Februar 2021 | 07:00 Uhr

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