Die Journalistin Kathleen Kröger vor einem Schriftzug in einer Mauer in der Erfurter Altstadt
Die Journalistin Kathleen Kröger vor einem Schriftzug in einer Mauer in der Erfurter Altstadt. Bildrechte: MDR/Anna Hönig

Medien Erfurter Lokaljournalistin gehört zu den Besten des Landes

10. Juli 2024, 18:44 Uhr

Kathleen Kröger hat es in die Rangliste der "Top 30 unter 30" des "Medium Magazins" geschafft. Sie gehört damit zu den besten 30 Journalistinnen und Journalisten unter 30 Jahren. Überzeugt hat sie mit ihrem besonderen Blick für Gebäude und Architektur - und der Geschichte über einen Beton-Fisch.

Auf der Suche nach Bauelementen

Kathleen Kröger schreibt keine Reportagen über herzzerreißende menschliche Schicksale. Sie deckt auch keine versteckten Skandale auf. Sie geht gerne spazieren, durch die Stadt. Und beobachtet dabei nicht etwa die anderen Passanten, sondern hält nach Dingen Ausschau, die die meisten Menschen wohl übersehen: Bauelemente.

Ob es ein verblichener Schriftzug an einem baufälligen Gebäude oder ein zugemauerter ehemaliger Hauseingang ist - Kröger sucht nach Besonderheiten, wiederkehrenden Elementen und hält sie dann fotografisch fest. Aus ihren Fotos und Beobachtungen entstehen dann Geschichten, die zum Teil tief in die Stadt- und Baugeschichte führen.

Schriftzug an einer Hausfassade
Solche Schriftzüge interessieren Kathleen Kröger. Denn sie erzählen etwas über die Geschichte des Hauses. Bildrechte: Kathleen Kröger

Die Protagonisten in Krögers Texten sind keine Menschen, es sind Gebäude, Bahnschienen oder Betonelemente. Die Recherche über einen geheimnisvollen "Betonfisch" brachte ihr dieses Jahr schließlich den Sieg beim Reporter-Slam-Wettbewerb in Berlin ein.

Von Halle nach Erfurt

Gebürtig stammt Kathleen Kröger aus Halle. Ihre ersten journalistischen Texte hat sie etwa mit 16 Jahren für das Jahrbuch ihrer Schule geschrieben. "Das Schreiben hat mich immer irgendwie gereizt, vor allem wie man Dinge geschickt und humoristisch ausdrücken kann", sagt die 29-Jährige.

Zum Studium verschlug es Kathleen Kröger dann nach Erfurt: Literaturwissenschaft und Geschichte sollte es sein. "Ich wollte in Leipzig einen Master in Journalistik machen, da wurde gewünscht, vorher ein vertiefendes Fach zu studieren und dann hab ich was gewählt, was mich auch wirklich interessiert", erzählt Kröger. Doch nach Leipzig kam sie nicht mehr: Seit ihrem ersten Praktikum ist sie bei der Lokalredaktion der "Thüringer Allgemeinen" in Erfurt geblieben. Zuerst als freie Mitarbeiterin und später als Lokalreporterin. Neben Architektur sieht Kröger ihre thematischen Schwerpunkte bei Stadtkultur und Soziokultur. Als Lokaljournalistin übernimmt sie aber jegliche Themen, die anfallen - vom Kindergartenfest bis zur Vernissage.

Geschichten mit "Augenzwinkern"

Ihre architektonischen Stadtspaziergänge hat sie anfangs in der Print-Ausgabe auf großen Themenseiten mit vielen Fotos nacherzählt. Als sich eine kleine Lücke auf einer Seite der Lokalausgabe auftat, füllte Kröger sie mit der Rubrik "Fund des Tages". Darin erzählt die Journalistin von kleinen Funden, die sie bei ihren Stadtspaziergängen macht, zum Beispiel über einen mit Gesicht verzierten Gulli-Deckel. "Ich wollte das immer mit so einem kleinen Augenzwinkern erzählen und offenbar kommt das bei den Lesern auch an", sagt Kröger.

Der "Fund des Tages" hat es auch in die Online-Ausgabe der Zeitung geschafft und so erheitert Kathleen Kröger die Leserschaft regelmäßig mit ihren Entdeckungen. "Die Texte werden gut geklickt laut den Statistiken", berichtet sie.

"Betonfische" und andere Entdeckungen

Doch wie sie unter den jungen Top-30-Journalisten gelandet ist, kann sich Kröger nicht wirklich erklären. "Ich habe mich nicht beworben und habe auch keine Ahnung, wer mich für die Auszeichnung empfohlen hat", sagt sie. Möglicherweise hätte der Sieg beim Reporter-Slam aber damit zu tun, rätselt sie. Beim Reporter-Slam stellen Journalisten in einer Zeit von zehn Minuten eine ihrer Recherchen vor.

Betonfisch-Fassade eines Gebäudes in Erfurt
Die Betonfische Bildrechte: Kathleen Kröger

Im Herbst 2023 war sie für den Wettbewerb in Erfurt angefragt worden. "Ich wurde vom Veranstalter angerufen, weil jemand ausgefallen war", erinnert sich Kröger. Und plötzlich stand sie auch schon auf der Bühne und erzählte von einer Recherche über "Betonfische", die ihr als Bauelement an mehreren Erfurter Schulen aufgefallen waren. Kröger setzte sich bei der Runde in Erfurt durch und konnte schließlich auch beim Finale in Berlin überzeugen und den Sieg mit nach Erfurt nehmen.

Und nun gesellt sich der Titel "Top 30 unter 30" dazu. Kröger selbst kann es noch nicht wirklich glauben, dass sie nun Teil dieser Rangliste ist, erinnert sich aber an ein paar Highlights ihrer bisherigen Laufbahn. Zum Beispiel an eine Recherche über Baukunst auf dem Campus der Universität Erfurt. "Ich hab mich mit dem Künstler persönlich getroffen. Das Interview ging etwa vier Stunden und immer, wenn ich an dem Foto mit ihm in der Uni vorbeikomme, erinnere ich mich gerne daran", sagt sie.

Wandgemälde vor dem Abriss bewahrt

Bei einer anderen Recherche hat Kröger ein verschollen geglaubtes Bild entdeckt. Und bei einem Beitrag über ein Wandgemälde in einem Gebäude, das abgerissen werden wollte, wurde ein Künstler-Verein auf den Artikel aufmerksam und konnte das Wandgemälde so vor dem Abriss retten.

Kathleen Kröger hat ihre Nische im Lokalen gefunden. "Ich würde das gerne ausweiten und diese Beobachtungen nicht nur in Erfurt, sondern in ganz Thüringen machen. Auch in Mühlhausen könnte man nach meinem Muster viele Geschichten anhand des Stadtbilds erzählen", sagt sie. Und mit nicht mal 30 Jahren ist das ein Wunsch, der Durchaus noch in Erfüllung gehen kann.

MDR (anh/dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten Mittelthüringen | 05. Juli 2024 | 15:30 Uhr

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen

Schnecke 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK