Revision zurückgezogen Urteil gegen Erfurter Doping-Arzt Mark Schmidt rechtskräftig

Jahrelang führte der Arzt Mark Schmidt aus Erfurt Blutdoping bei Sportlern duch - auch aus Liebe zum Sport, wie er selbst behauptete. 2019 flog der Mediziner auf, später wurde er verurteilt. Nun gibt es einen Schlussstrich unter dem Verfahren.

Mark Schmidt (Mitte) steht mit seinen zwei Anwälten hinter Plexiglas im Gericht.
Mark Schmidt (Mitte) mit seinen zwei Anwälten im Gericht (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Das Urteil gegen den Erfurter Doping-Arzt Mark Schmidt ist rechtskräftig. Das teilte das Oberlandesgericht München am Mittwoch mit. Die Revisionsführer hätten ihre Revisionen in dem Strafverfahren gegen Schmidt und vier weitere Angeklagte zurückgenommen, damit sei das Urteil rechtskräftig, erklärte das Gericht.

Mark Schmidt war wegen jahrelangen Blutdopings an Sportlern und gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Zudem bekam er ein Berufsverbot von drei Jahren. Mitte Januar hatte sein Anwalt Juri Goldstein angekündigt, Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) einzulegen. Goldstein sah damals einen "erheblichen Verstoß" gegen den Grundsatz eines fairen Verfahrens. Zum Grund für die Rücknahme der Revision äußerte sich der Anwalt zunächst nicht.

Abschreckende Wirkung für Sportler und Betreuer?

Neben Mark Schmidt wurden auch dessen vier Helfer schuldig gesprochen und zu Haft-, Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Dem Urteil im ersten großen Strafprozess seit Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes in Deutschland im Jahr 2015 wird sportpolitische Bedeutung zugemessen. Es wurde als ein Meilenstein im Kampf gegen Manipulation und Betrug bewertet. Obwohl die Strafkammer des Landgerichts München II vor einem Monat unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Haft von fünfeinhalb Jahren geblieben war, ist mit dem Urteil die Hoffnung auf eine abschreckende Wirkung für Sportler und Betreuer verbunden: Für Dopingvergehen drohen künftig hohe Strafen bis hin zum Gefängnis. Der Fall war unter dem Namen "Operation Aderlass" bekannt geworden.

Erfurter Arzt Schmidt dopte Sportler über Jahre

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schmidt über mehrere Jahre bei Sportlern Blutdoping durchführte, diese aktiv anwarb und mit dem Betrug auch Geld verdienen wollte. Der Thüringer hatte während der 23 Tage Beweisaufnahme zwar die Taten umfangreich gestanden, aber stets behauptet, dass er die Athleten aus Liebe zum Sport behandelte. "Man kann den Sport mögen und trotzdem gewerbsmäßig arbeiten", entgegnete Richterin Marion Tischler damals in der Urteilsbegründung.

Oberstaatsanwalt fordert Kronzeugenregelung im Sport

Der Münchner Oberstaatsanwalt Kai Gräber sprach sich im Hinblick auf weitere Dopingprozesse für eine Kronzeugenregelung auch im Sportrecht aus. Die wichtigste Erkenntnis aus dem Urteil sei aus seiner Sicht, dass "erfolgreiche Anti-Doping-Arbeit nur über die Strafverfolgungsbehörden geht. Die Verurteilungen waren letztlich nur möglich, weil wir mit den Mitteln, die wir zur Strafverfolgung haben, einschreiten und Beweise sichern konnten. Das ist weder dem Sport noch den Verbänden noch den Medien möglich", sagte der Leiter der Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft in München und Chefermittler in der "Operation Aderlass" in einem Interview von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten.

"Auch die Operation Aderlass hat gezeigt, dass es ohne Informationen aus der Szene im Sport keine Fälle gibt. Deshalb ist es enorm wichtig, durch eine mögliche Strafmilderung Anreize für potenzielle Mitteiler zu schaffen", betonte Gräber und forderte: "Allerdings ist auch im Sportrecht eine entsprechende Regelung nötig - es bringt nichts, wenn Kronzeugen im Strafprozess mit mildernden Umständen rechnen können, aber für vier Jahre gesperrt werden."

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa,maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. Februar 2021 | 13:00 Uhr

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