Traumjob Musikproduzent Musik machen mit Clueso

Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten betreibt der Musikproduzent Frithjof Rödel das Atomino-Studio in der Nähe von Erfurt. Dort produziert er mit verschiedenen Künstlern, darunter Clueso, Musik und vertont Filme. Doch wie wird man Musikproduzente und kann man davon leben?

Musikproduzent Frithjof Rödel am Mischpult.
Musikproduzent Frithjof Rödel hat sein eigenes Tonstudio in der Nähe von Erfurt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Viele Produzenten sind selbst Musiker

Frithjof Rödel hat ein eigenes Musikstudio in der Nähe von Erfurt. Der 53-Jährige ist Musikproduzent und ist, wie viele in seinem Metier, in den Job eher reingerutscht. Denn eigentlich kommt er direkt von der Musik, wie er gegenüber der Umschau erzählt. "Ich habe jahrelang in Bands gespielt und habe Platten aufgenommen als Künstler und fand den Prozess interessant und hab dann angefangen, Demos selber aufzunehmen." Dass Rödel die nötige Aufnahmetechnik hatte, sprach sich damals in den 1990er-Jahren schnell herum. Irgendwann hätten ihn andere Bands gefragt, ob er sie aufnehmen könne "und dann hat sich das so entwickelt."

Das Studienfach Musikproduzent gibt es durchaus an mancher Universität, aber Rödel empfiehlt einen anderen, eher unkonventionellen Weg: "Man muss erstmal ein Musiker sein, also, man muss ein Instrument spielen. Man muss wissen, wie das funktioniert. Zum Studieren würde ich was Geisteswissenschaftliches empfehlen, tatsächlich so was, wie Kulturwissenschaft oder Philosophie."

Nicht nur musikalisches Taktgefühl ist gefragt

Wenn Frithjof Rödel als Musikproduzent mit den Künstlern zusammenarbeitet, zum Beispiel mit dem Sänger Clueso und seiner Band, ist er nicht nur Toningenieur am Mischpult. Seine Arbeit kommt vielmehr der eines Regisseurs gleich: Von der Komposition bis hin zur Aufnahme ist es ein kreativer Prozess und der Musikproduzent strukturiert diesen Verlauf. "Ein Schlagzeug allein ist auch nicht so interessant, aber zusammen. Darum geht’s im Prinzip beim Musikmachen. Dass das Ergebnis mehr ist als nur die Summe der einzelnen Teile."

Musiker Clueso und Band
Sänger Clueso und seine Band während einer Aufnahme im Studio von Frithjof Rödel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zum Job gehört aber auch Taktgefühl im empathischen Sinne, wie Musiker Klaus Müller von Baczko der Umschau erklärt. Der Gitarrist und seine Thüringer Band "Kirsche und Co" arbeiten schon viele Jahre mit Frithjof Rödel zusammen. "Einen guten Produzenten macht erstmal die gesamte Atmosphäre aus, die man hier vorfindet: dass keine Hektik aufkommt, und natürlich die beratende Funktion, die inspirierende Funktion."
Dazu gehört auch, zu erkennen, wann zum Beispiel ein Song perfekt aufgenommen ist. Diese Verantwortung zu übernehmen, ist aus Sicht von Frithjof Rödel oft gefragt in der Branche. Im besten Fall werde die Musik, die sich jemand ausgedacht hat, dann für die Ewigkeit konserviert.

Ich muss bei dem Zuhörer eine Emotion hervorrufen

Musikproduzent Frithjof Rödel

Die Arbeit der meisten Musikproduzenten beschränkt sich nicht nur auf Aufnahmen. Oft vertonen sie zum Beispiel Fernsehproduktionen. Dann kommen die bewegten Bilder meist komplett stumm ins Studio, ehe ihnen mit verschiedenen Tönen oder Hintergrundmusik Leben eingehaucht wird.

Der Effekt, den der Produzent damit erzeugen will, unterscheidet sich jedoch nicht von den Musikaufnahmen, wie Rödel erzählt: "Ich habe zum Beispiel auch Sounddesign für Museen gemacht. Das ist auch für mich dann, wenn ich hier sitze und mir die Frequenzen anhöre – Worte und Geräusche – ein ähnlicher Job, wie wenn ich jemanden mit der Gitarre aufnehme oder der singt. Weil ich muss bei dem Zuhörer eine vorher festgelegte Emotion hervorrufen."

Oft müssen Risiken eingegangen werden

Musikproduzenten arbeiten oft als Selbstständige, können aber auch angestellt sein. Der Verdienst liegt im Schnitt bei rund 3.000 Euro netto. Ein eigenes Studio bedeutet zunächst natürlich hohe Investitionskosten und ein gewisses Risiko, wie der Erfurter Musikproduzenten Frithjof Rödel erklärt: "Es ist nicht wie beim Arzt oder beim Ingenieur oder Architekt, dass man weiß, eine Stunde ist so und so viel wert, das ist im Prinzip frei verhandelbar."

Viele in der Branche würden sich, was die Höhe des Einkommens angeht, wahrscheinlich in Sichtweite zur Sozialhilfe befinden, schätzt der 53-Jährige. Allerdings seien unter den reichsten Menschen der Welt auch ein paar Musikproduzenten: "Es gibt Leute, die bekommen für einen Song eine Million oder so, das gibt es schon auch."

Mehr zu Traumjobs

Nautikerin Stine Schikora 7 min
Nautikerin Stine Schikora Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Höhenkletterer 7 min
Höhenkletterer Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR UMSCHAU | 26. April 2022 | 20:15 Uhr