Zentralheize Neue Lorenbrücke am alten Erfurter Heizwerk

MDR-Autorin Antje Kirsten
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Wind drohte, dass die Millimeterarbeit beim Einsetzen der neuen Brücke am Heizwerk in Erfurt "abgeblasen" werden muss. Ein windstiller Moment und ein nervenstarker Kranfahrer ließen das Vorhaben doch noch glücken. Mit der "Zentralheize" soll künftig ein neuer Veranstaltungsort eröffnen.

Eine Brücke wird montiert
Der Wind hätte es fast "abgeblasen". Doch dann konnte die neue Brücke am alten Heizwerk doch eingesetzt werden. Bildrechte: Marco Fischer, Zentralheize

Das Heizwerk im Erfurter Brühl ist über 100 Jahre alt und steht unter Denkmalschutz. Lange stand es leer. Doch seit 2018 wird es saniert und zu einem Kulturort umgebaut. Dabei ist auch die alte Lorenbrücke wieder neu entstanden. Sie wird künftig wieder den Kohlenbunker am Petersberg mit dem Heizwerk verbinden. Die Vorgängerbrücke war vor 15 Jahren abgerissen worden. Am Donnerstag musste der spektakuläre Brückeneinschub aber zunächst verschoben werden.

Wind sorgt für Bau-Pause in Erfurt

Das rote kleine Licht am Kran blinkte leider auf und das Windrädchen darüber signalisierte kräftige Böen. "In einer Höhe von 20 Metern muss die Brücke montiert werden. Aber bei Windböen von 70 Stundenkilometern ist das zu riskant", so Architekt Michael Rommel. Er erklärt, warum der Brückeneinschub nach zwei Stunden des Wartens dann doch abgeblasen wurde. "Vor 15 Jahren ist die alte Lorenbrücke abgerissen worden, nun kommt es auf einen oder zwei Tage auch nicht mehr an", zeigte sich Rommel gelassen. Die Schaulustigen packten die Handys wieder weg, die Reporter versuchten sich schon mal die nächsten Tage freizuhalten, um den Brückeneinschub nicht zu verpassen. Gegen Mittag ging aber alles dann doch ganz schnell. Als der Wind sich gedreht hatte, bereitete der Kranfahrer dem Warten ein Ende und hob das zweite, noch fehlende Brückenteil ein.

Eine Brücke wird montiert
In einem windstillen Moment nutzte der Kranfahrer die Chance und hob das zweite Teil doch ein. Bildrechte: Marco Fischer, Zentralheize

Brücke am Heizwerk greift Geschichte auf

42 Meter ist das Brückenbauwerk lang. Es verbindet in einer Höhe von 20 Metern den alten Kohlenbunker, der nun auch eine Eventlocation ist, mit dem Heizwerk. "Im Kohlenbunker liegen noch die Schienen. Das lassen wir auch alles so", sagt Heizwerk-Sprecher Andreas Tröger über die Location. "Die Brücke ist schon auch ein bisschen Liebhaberei." Doch sie erschließt den künftigen Veranstaltungsort "Kohlenbunker" mit dem Heizwerk. "Dort oben haben wir einen exponierten, einzigartigen Ort, den wir für Erfurt erschließen, mit Aussichtsterrasse zum Dom und zur Ega." Die neue Lorenbrücke wird zwar nur geöffnet sein, wenn dort Veranstaltungen stattfinden, eine öffentliche Brücke ist es nicht, aber sie greift eine alte Geschichte Erfurts wieder auf.

Eine Brücke wird montiert
Wird künftig nur bei Veranstaltungen geöffnet: die neue Brücke am Heizwerk. Bildrechte: Marco Fischer, Zentralheize

Größtes Industriedenkmal in Erfurt

Das 1915 erbaute Heizwerk ist das größte Industriedenkmal in Erfurt. Es war als Teil der "Königlich-Preußischen Gewehrfabrik" errichtet worden und gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zu den größten Betrieben seiner Art in Deutschland. Seit dem Jahr 1923 wurde das Heizwerk als Schreibmaschinenfabrik der AEG Deutsche Werke AG genutzt, ab 1936 firmierte die Anlage unter dem Namen "Olympia Schreibmaschinenwerk Erfurt AG". Zu dieser Zeit war das Unternehmen der größte Schreibmaschinenhersteller Europas.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Heizwerk durch die feinmechanische Industrie genutzt: Als volkseigener Betrieb - unter dem Namen "Optima Büromaschinenwerk Erfurt" - wurden hier bis zur Wende Schreibmaschinen der Marken "Olympia" und "Optima" hergestellt.

"Zentralheize" voll belegt

Dann stand das massive Gebäude mitten in der Stadt und gegenüber vom Theater lange Zeit leer. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) suchte nach Investoren und fand sie im IMK Institut für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung. Seit 2018 wird das Heizwerk als "Zentralheize" zu einer neuen Eventlocation umgebaut. Investiert wurden rund 20 Millionen Euro. Die Investoren haben sich nicht nur voller Respekt dem Gebäude genähert, sie haben es im Industrie-Stil modern zu einem ganz besonderen Gebäude umgebaut, für Tagungen und Kongresse, für Showevents und Ausstellungen, für Konzerte und für Bürogemeinschaften, für Kreative.

Treppe in einem Gebäude
Alt und neu vereint: Zentralheize Erfurt Bildrechte: Marco Fischer, Zentralheize

Zu den Mietern gehören Limehome mit dem Betrieb von 14 Hotel-Appartements, die Thüringer Digitalagentur, die Beteiligungsmanagement Thüringen GmbH sowie die Büros der Projektpartner HKS Architekten und IMK.

"Wir sind bis auf den letzten Quadratmeter belegt und hätten noch mal Tausende Quadratmeter vermieten können", sagt Projektsprecher Andreas Tröger. Um im Gebäude möglichst wenig zu verändern, wurden Kuben in die größeren Räume eingesetzt, so musste keine Wand eingebaut werden und die Büros haben gläserne Scheiben in den Raum hinein. Schwarz dominiert - auch das wohl eine Erinnerung ans Heizen mit Kohlen. Die wurden einst in Loren vom Kohlenbunker am Petersberg über die Lorenbrücke ins Heizhaus gerollt.

Neues Veranstaltungsgebäude öffnet im September

Wenn ab 7. September die "Zentralheize" als Veranstaltungsort zu den Denkmaltagen feierlich eingeweiht wird, werden über die Brücke Menschen mit Sektgläsern lustwandeln und sich an Kunst und Kultur erfreuen. So hoffen es zumindest alle. "Anfragen für große Events haben wir schon - auch national", sagt Tröger. Mit dem sogenannten Brückenschlag am Donnerstag hat die "Zentralheize" ihr verlorenes Band zum Kohlenbunker zurück.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 11. März 2021 | 15:10 Uhr

7 Kommentare

DermbacherIn vor 8 Wochen

@Quantix
Was in den Räumen der " Zentralheize" stattfindet, ist Sache des Vermieters, es gab eine Initiative, das Heizwerk als Kulturort zu erschließen, dies ist jetzt endgültig Geschichte!

Quantix vor 8 Wochen

Da würde ich Ihnen widersprechen. Die Thüringenhalle muss auch erst durch Veranstalter für Veranstaltungen gemietet werden. Die Stände auf dem Weihnachtsmarkt müssen auch den Standplatz mieten. Deswegen käme doch niemand auf die Idee zu behaupten, die Thüringenhalle oder der Domplatz stünden nicht als Ort für die Erfurter Kultur zur Verfügung. Kultur hat immer seinen Preis. Ob Miete oder Zeit, die für das Ehrenamt aufgewendet werden muss. Kostenlose Kultur gibt es nicht.

DermbacherIn vor 8 Wochen

@Quantix
Die "Zentralheize" steht nicht mehr als Ort für die Erfurter Kultur zu Verfügung, denn erst muss sich der entsprechende Akteur dort einmieten, ja dann können sie vielleicht einmal in der "Zentralheize" Kultur erleben oder eben auch nicht!

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