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Matthias Kugler wurde 2019 zum Diakon geweiht und darf als solcher auch taufen und bei kirchlichen Eheschließungen assistieren. Bildrechte: MDR/Peter Weidemann

Pfarrei ohne PfarrerWegen Priestermangels - verheirateter Vater soll Erfurter Gemeinde leiten

von MDR THÜRINGEN

Stand: 23. Januar 2022, 15:00 Uhr

Das katholische Bistum geht bei der personellen Ausstattung seiner Pfarreien neue Wege. Von September an soll die Kirchengemeinde St. Josef in Erfurt die erste Pfarrei werden, die von keinem Priester geleitet wird, kündigte ein Bistumssprecher am Sonntag in Erfurt an. Stattdessen gebe es dann einen Pfarrbeauftragten als Leiter der Gemeinde.

Das Bistum Erfurt gibt ab 1. August die Leitung Kirchengemeinde St. Josef in die Hände eines Pfarrbeauftragten. Mathias Kugler arbeitet zurzeit noch in der Gemeindeseelsorge in Saalfeld und leitet als Regionaljugendreferent das "Centro" für offene Kinder- und Jugendarbeit in Rudolstadt-Schwarza. Er ist 35 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern.

Als Pfarrbeauftragter wird er in St. Josef der erste Ansprechpartner in Sachen Seelsorge, Gemeindeleben und Gottesdienste sein und gemeinsam mit dem Kirchenvorstand die Verwaltung und Finanzen der Pfarrei verantworten.

Kugler freut sich sehr auf die neue Aufgabe: "Wichtig ist mir, als Seelsorger für die Menschen da zu sein und auf sie zuzugehen. Ich hoffe sehr darauf, dass viele Gemeindemitglieder dazu bereit sind, das Gemeindeleben auch in dieser besonderen und neuen Konstellation mitzugestalten."

Wichtig ist mir, als Seelsorger für die Menschen da zu sein und auf sie zuzugehen.

Der künftige Pfarrbeauftragte von St. Josef, Mathias Kugler

Unterstützung bei Heiliger Messe

Freilich geht es nicht ganz ohne Priester. Mathias Kugler wurde zwar 2019 zum Diakon geweiht und darf als solcher auch taufen und bei kirchlichen Eheschließungen assistieren.

Doch die Leitung einer heiligen Messe und die Spendung von Sakramenten wie Beichte und Krankensalbung setzen die Priesterweihe voraus. Darum steht dem Pfarrbeauftragten Kugler ein sogenannter geistlicher Koordinator zur Seite. Das wird Johannes Kienemund aus Gispersleben sein, der 2016 zum Priester geweiht wurde und gerade eine theologische Doktorarbeit schreibt.

Johannes Kienemund wird Kugler als sogenannter geistlicher Koordinator unterstützen. Bildrechte: MDR/Peter Weidemann

Amtsvorgänger bald im Ruhestand

Anlass für die Neuordnung ist der im September beginnende Ruhestand von Pfarrer Wolfgang Schönefeld, der im Frühjahr das 68. Lebensjahr vollendet. Durch sein Ausscheiden aus dem aktiven Dienst gibt es nicht mehr genug Priester, um alle 33 Pfarrerstellen im Bistum zu besetzen. Bischof Ulrich Neymeyr sieht darum für St. Josef keine andere Möglichkeit, als neue Wege zu gehen, zumal die Zahl von momentan sechs Priesterkandidaten keine absehbare Trendwende erkennen lasse.

Zu wenig Priester im Bistum

Zum Bistum Erfurt gehören aktuell 60 Priester im aktiven Dienst, von denen 50 in einer Kirchengemeinde arbeiten, 33 davon als leitende Pfarrer. Die anderen zehn Priester sind in der sogenannten Kategorialseelsorge tätig, zum Beispiel als Krankenhaus-, Polizei- oder Schulseelsorger. "Wir haben uns umgesehen, wie andere Bistümer mit der immer kleiner werdenden Priesterschaft umgehen, und lehnen unsere Lösung für St. Josef an ein Modell des Bistums Osnabrück an", sagt der Bischof.

Das Bistum Osnabrück gab bereits 2014 bekannt, aus Priestermangel Ehrenamtliche an der Leitung von Kirchengemeinden beteiligen zu wollen. Vergleichbare Vorhaben gab es auch in anderen Diözesen, etwa in Hildesheim oder Magdeburg.

Weil sich ein Priester demnach nicht mehr um die Leitungsaufgaben in Seelsorge und Verwaltung einer Pfarrei kümmern muss, kann er als geistlicher Koordinator entweder in mehr als einer Pfarrgemeinde arbeiten oder eine zusätzliche Aufgabe übernehmen. Neymeyr denkt dabei beispielsweise an die außergemeindliche Seelsorge, aber auch an Tätigkeiten innerhalb der theologischen Forschung.

Chancen auch für Frauen

Sollte sich das neue Konzept durchsetzen, böte die Stelle eines Pfarrbeauftragten nicht nur Männern, sondern auch Frauen die Möglichkeit, in leitender Funktion in der Gemeindeseelsorge zu wirken. Bischof Neymeyr sieht im neuen Modell mehr Chancen als Risiken. "Es ist vielleicht noch nicht die Lösung schlechthin, aber wir versuchen es erst einmal. Das soll uns aber nicht davon abhalten, über Alternativen nachzudenken", meint der Erfurter Geistliche. Gute Vorschläge seien ihm immer willkommen.

Quelle: MDR (gh)

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Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Januar 2022 | 14:00 Uhr

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