Helios-Klinikum Erfurter Pflegekräfte stellen Ultimatum für bessere Arbeitsbedingungen

Pflegekräfte des Erfurter Helios-Klinikums haben dem Unternehmen ein Ultimatum gestellt und bessere Arbeitsbedingungen gefordert. Andernfalls wollen sie ab Juni nicht mehr kurzfristig einspringen.

Zwei Pflegerinnen gehen im Bundeswehrkrankenhauses an dem Schriftzug «Intensiv» vorbei.
Pflegekräfte des Helios-Klinikums Erfurt haben in einem Brief an die Geschäftsleitung bessere Arbeitsbedingungen gefordert. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Pflegerinnen und Pfleger des Erfurter Helios-Klinikums haben sich in einem Brief an die Geschäftsleitung gewandt und ein Ultimatum gestellt. Sie fordern Prämien oder Zeitgutschriften für kurzfristige Dienstplanänderungen, für Unterbesetzung und für das sogenannte "Holen aus dem Frei". Andernfalls würden die inzwischen 300 Unterzeichner ab dem 1. Juni nicht mehr kurzfristig einspringen, hieß es.

"Ohne diese erzwungene Flexibilität wäre das Haus grundsätzlich nicht in der Lage, seinen Versorgungsauftrag zu erfüllen", sagte Krankenpfleger Christian Lühmann MDR THÜRINGEN. Der 59-Jährige ist der Verfasser des Briefs und Initiator der Unterschriftenliste. Beides liege der Geschäftsleitung seit Februar vor, bisher sei es jedoch zu keinen substanziellen Verhandlungen gekommen, so Lühmann. Er kündigte an, hartnäckig bleiben zu wollen: "Wir lassen uns auf Dauer nicht erpressen."

Ohne diese erzwungene Flexibilität wäre das Haus grundsätzlich nicht in der Lage, seinen Versorgungsauftrag zu erfüllen.

Christian Lühmann, Krankenpfleger am Helios-Klinikum Erfurt

Helios: Mitarbeiter sind nicht verpflichtet, kurzfristige Dienste zu übernehmen

Helios-Geschäftsführer Florian Lendholt wollte sich auf MDR THÜRINGEN-Anfrage nicht dazu äußern. Eine Unternehmenssprecherin teilte mit, dass Pflegerinnen und Pfleger nicht verpflichtet wären, kurzfristig Dienste zu übernehmen. Würden sich Mitarbeiter bereit erklären einzuspringen, bekämen sie Überstunden gutgeschrieben. Deren Vergütung sei tariflich geregelt.

Helios Klinikum Erfurt
Das Helios-Klinikum in Erfurt. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Nach Angaben des Klinikums habe jede vierte Pflegekraft im Vorjahr einmal im Monat einen zusätzlichen Dienst übernommen. Wie oft Stationen im Klinikum unterbesetzt seien und ob die Versorgungssicherheit ab dem 1. Juni gewährleistet werden kann, falls die Pflegerinnen und Pfleger dann nicht mehr einspringen sollten, ließ die Klinik unbeantwortet.

Prämien oder zusätzliche Zeitgutschriften für eine besondere Flexibilität von Pflegern sind eine weit verbreitete Praxis in Kliniken und anderen Pflegeeinrichtungen. Ein gesetzlicher Anspruch darauf besteht nicht. Im Erfurter Helios-Klinikum arbeiten rund 800 Pflegerinnen und Pfleger.

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Stefanie Frindt (re) mit Kollegin auf der Geburtsstation Bildrechte: MDR/Preuss Filmproduktion Berlin

MDR (ask/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 23. Mai 2022 | 08:30 Uhr

45 Kommentare

Lumberjack vor 4 Wochen

"der springende Punkt ist aber, das PET CT ist offenbar nicht notwendig gewesen und deshalb hat der Patient es nicht bekommen" ich staune immer mehr über ihre "Fern-Kompetenz" - leider kein Einzelfall in unserer heutigen Gesellschaft. In meinem konkreten Fall ist es allerdings so, dass Metastasen und deren Aktivität nur mit dem PET-CT darstellbar sind. "Das kann man einfach akzeptieren ohne jedesmal einen Zwergenaufstand zu machen." Was wollen sie damit sagen?

Lumberjack vor 4 Wochen

@Reuter4774 "die wenigstens Patienten auf Station/ in der Klinik sind akute Notfälle!" Das ist ihr subjektives Empfinden, oder haben sie auch Einsicht in die Akten gehabt? Vielleicht sogar an Visiten teilgenommen, um an diese Informationen zu kommen? Behandlungen, damit verbundene Eingriffe und Krankenhausaufenthalte werden bei guter Früherkennung bzw. Diagnostik durchgeführt, bevor es zum Notfall wird. Die von ihnen vermissten Notfälle finden sie z. B. auf der Trauma.
"ohne jedes Bitte und Danke, so nach dem Motto :Dafür werden die doch bezahlt.., " Damit haben sie allerdings absolut Recht.

Reuter4774 vor 4 Wochen

Richtig Martin,
der springende Punkt ist aber, das PET CT ist offenbar nicht notwendig gewesen und deshalb hat der Patient es nicht bekommen. Das kann man einfach akzeptieren ohne jedesmal einen Zwergenaufstand zu machen.

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