Thüringen 30 km/h auf Autobahn: Polizei erteilt "Querdenkern" Platzverweise

Eine über das Netzwerk Telegram abgesprochene Aktion sogenannter Querdenker sollte gezielt den Verkehr auf wichtigen Verkehrsadern stören. In Thüringen fuhren Teilnehmer teilweise nur 30 km/h, die Polizei griff ein. Ähnliche Schleichblockaden wurden aus Bayern und Sachsen bekannt.

Die Polizei hat am Mittwoch 20 Fahrzeuge von mutmaßlichen Gegnern der Corona-Maßnahmen auf Thüringer Straßen kontrolliert. In 13 Fällen wurden Platzverweise ausgesprochen, teilte ein Sprecher MDR AKTUELL mit. Überprüft wurden vor allem langsam fahrende Autos und solche, in denen Gruppen saßen. Nach Angaben der Thüringer Autobahnpolizei stoppten die Beamten die Fahrzeuge auf den Autobahnen am Hermsdorfer Kreuz, am Erfurter Kreuz und auf der B4 bei Erfurt-Gispersleben.

Polizist hält Polizeikelle
Die Beamten kontrollierten nach eigenen Angaben Fahrzeuge mit "auffälliger Fahrweise".(Symbolbild) Bildrechte: imago images / HMB-Media / Volker Danzer

Alle angehaltenen Autos kamen demnach aus Thüringen. Sie fuhren teilweise mit einem Tempo von nur 30 km/h. Derzeit werde geprüft, ob die Insassen gegen die aktuell geltenden Infektionsschutzregeln verstoßen haben.

Behinderungen durch "Querdenker" auch auf anderen Autobahnen

Hintergrund waren offenbar Absprachen sogenannter Querdenker im Online-Netzwerk Telegram, gezielt den Verkehr auf wichtigen Verkehrsadern zu stören. Diese Absprachen wurden laut Polizei unter dem Motto "Operation D-Day 2.0" getroffen.

Ähnliche Vorfälle wurden auch aus anderen Regionen Deutschlands gemeldet, etwa von der Autobahn 73 bei Erlangen. Dort wurden acht Autofahrer wegen Gefährdung des Straßenverkehrs angezeigt. "Wenn man auf der Autobahn durch langsames Fahren den Verkehr behindert, begeht man eine Straftat", sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag in Nürnberg. Die Wagen waren nach Polizeiangaben am Mittwochabend teilweise beschriftet und mit Fähnchen versehen gewesen und mit langsamer Geschwindigkeit neben- beziehungsweise hintereinander Richtung Nürnberg gefahren. Andere Verkehrsteilnehmer hätten stark bremsen müssen und nicht vorbeifahren können. Die Polizei sicherte den Fahrzeugtross zunächst ab und hielt die Beteiligten später an. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat inzwischen "harte Sanktionen" gegen die Teilnehmer angekündigt.

Im sächsischen Vogtland machten drei Autofahrer mit ihren Fahrzeugen die A72 "dicht". Nach Polizeiangaben fuhren die drei Fahrer zwischen Treuen und Plauen-Ost auf beiden Spuren nebeneinander Tempo 80 und ließen niemanden überholen. Im Stau hinter den Fahrzeugen steckte auch ein Polizist auf dem Weg zum Dienst. Der Beamte merkte sich die Kennzeichen und erstattete Anzeige. Einer der Fahrer sei als Querdenker erkannt worden, hieß es von der Polizei.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jni,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Januar 2021 | 18:00 Uhr

65 Kommentare

Alexander K vor 40 Wochen

Warum nur lauwarme Platzverweise? Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das eine Straftat. Gibt es denn keine legale Möglichkeit, die Tatwerkzeuge (Autos) zumindest für ein paar Tage zu konfiszieren? Ich persönlich habe meine Mutter und meinen Onkel an Corona verloren. Meine Schwiegermutter hängt für den Rest ihres Lebens am Sauerstoffgerät. Insofern kann ich für Querdenker überhaupt kein Verständnis aufbringen. Bittet diese Leute zur Kasse! Schnell und unkompliziert.

DER Beobachter vor 40 Wochen

"Ich frage mich was aus denen werden soll wenn das Thema endlich durch ist?" Da machen Sie sich mal keine Gedanken, die sind sehr kreativ im Finden von neuen Schwurbelthemen...

Brigitte Schmidt vor 40 Wochen

"Mechanismen, die bisher nur die Grünen kannten" - da ist Ihnen ja mal eine Wahrheit herausgeplatzt...

"...Panik, bei den kommenden Wahlen baden zu gehen" - ich hoffe diese Aussicht führt zu mehr Gelassenheit

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