Preview mit Publikumsdialog Vorpremiere "Die Zugereisten - Erfurt und die Deutsche Einheit"

Erfurt ist eine der historisch bedeutsamsten Städte Deutschlands. Wie gestaltet sich das Zusammenleben von Ost- und Westdeutschen mehr als 30 Jahre nach der Wende? Ein MDR-Film begibt sich auf Spurensuche.

Luftbild des Erfurter Doms und der Innenstadt
Die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt hat sich seit der Wiedervereinigung zu einem attraktiven Wohnort entwickelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Till Eulenspiegel tanzt auf dem Seil über dem Erfurter Domplatz und bewirft die Schaulustigen mit ihren Schuhen. Die Geschichte über böswillig gesäte Zwietracht ging vor rund 700 Jahren mit einer handfesten Prügelei aus. Ob es heute versöhnlicher endet, wenn die "Zugereisten" den alteingesessenen Erfurtern den Spiegel vorhalten?

Ossi-Wessi-Spiegelung

Die Zugereisten sind teilweise schon Jahrzehnte in Erfurt. Längst ist die Stadt ihr Zuhause. Dennoch bleibt da dieser Unterschied zwischen Wessi und Ossi. Die Zugereisten kamen einst aus Neugier, aus Gestaltungswillen, der Liebe oder Karriere wegen in die Stadt: Eine Ärztin, ein Wirtschaftsmann, eine Gastronomin, ein Kultur-Tausendsassa und eine Logopädin sind die Protagonisten des Films. Sie spiegeln mit ihren Geschichten das Werden der letzten Jahrzehnte. Sie erzählen vom Fremdsein oder vom Ankommen, von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Fünf Porträts, die vom Zustand der inneren Einheit Deutschlands erzählen. 

Stadtportrait

Und dabei porträtieren die Zugereisten Erfurt, eine der schönsten und vielleicht am wenigsten bekannten Städte Deutschlands. Wenn die Zugereisten zu ihren Lieblingsorten in der Stadt führen, begegnen ihnen historische Zugereiste. Dabei wird deutlich, wie bedeutend Erfurt für die deutsche Geschichte war. Wie wäre die Reformation verlaufen, wenn Luther nicht in Erfurt studiert hätte und Mönch geworden wäre? Wie wäre Europas Geschichte ohne das Erfurter Treffen Napoleons mit dem russischen Zaren Anfang des 19. Jahrhunderts verlaufen? Wie wäre der Weg zur deutschen Einheit gewesen, wenn Willi Brandt 1970 nicht ans Fenster des "Erfurter Hofes" getreten wäre?

Krämerbrücke in Erfurt
Die Krämerbrücke in Erfurt ist weltberühmt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Hommage an Erfurt und fünf Lebensgeschichten von Fremden, die heimisch geworden sind. Dass die Deutsche Einheit gänzlich vollzogen ist, glauben die Zugereisten nicht so recht. Aber sie meinen: Das Erreichte kann sich sehen lassen, vor allem in Erfurt. Und die Widersprüche müssen ja nicht in Zwietracht und Prügeleien ausarten - wie einst beim Eulenspiegel.

Das sind die Zugereisten:

Karina Both-Peckham, die 1999 nach Erfurt zum Studium an der neu eröffneten Universität kam und sich 2008 mit ihrem Mann den Traum vom eigenen Café-Bistro erfüllte.

Karina Both-Peckham in ihrem kleinen Restaurant in der Erfurter Altstadt.
Karina Both-Peckham in ihrem kleinen Restaurant in der Erfurter Altstadt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Volker Nienstedt, der als Netzwerktrainer für Microsoft 2010 nach Erfurt kam und zum Herausgeber, Szenewirt und Kultur-Netzwerker wurde. Er bewundert die Bürger der Stadt für die Rettung großer Teile der Altstadt in der Wendezeit. 

Christine von Kessel, die als Chorsängerin im Erfurter Dom ihren künftigen Mann kennenlernte, fünf Kinder in Erfurt zur Welt brachte und mit dem Café International aktive Flüchtlingshilfe leistet.

Thomas Malcherek, den es schon immer nach Erfurt gezogen hat, weil seine Großeltern in den Nachkriegsjahren aus Thüringen geflohen waren. Er war nach der Wende einer der Aufbau-Wessis der ersten Stunde und ist heute der Hauptgeschäftsführer der Thüringer Handwerkskammer.

Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt, auf einem Freisitz eines Restaurants am Erfurter Fischmarkt.
Thomas Malcharek besucht gern den Erfurter Fischmarkt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dr. Ursula Winker, die nach Erfurt kam, weil ihre Kinder Bayreuth fad fanden. Die Allgemeinmedizinerin ist in Erfurt wahrhaft angekommen. Ihr Mann, der Professor für Unfallchirurgie, eher nicht.

Vorpremiere im Augustinerkloster

Der Film von Ute Gebhardt und Jana Herold läuft am 3. Oktober um 18:05 Uhr im MDR FERNSEHEN. Am 28. September wird der Film im Augustinerkloster in Erfurt vorab gezeigt. Nach der Filmvorführung hat das Publikum die Möglichkeit, mit Machern, Protagonisten und Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Co-Autorin Jana Herold ist ebenso vor Ort wie Redaktionsleiterin Manuela Peter und Landesfunkhausdirektor Boris Lochthofen sowie die Protagonistin Christine von Kessel. Die Anmeldung für die Veranstaltung ist abgeschlossen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | "Die Zugereisten - Erfurt und die Deutsche Einheit" | 03. Oktober 2022 | 18:05 Uhr

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