Mietvertrag gekündigt Rechtsextreme Partei "Neue Stärke" verliert ihr Büro in Erfurt

Die "Neue Stärke" verliert ihr Büro in Erfurt. Der Eigentümer kündigte der rechtsextremen Partei - ihm sei nicht bewusst gewesen, welche Organisation sich in seinem Haus eingemietet hat.

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Die Neonazi-Partei "Neue Stärke" muss voraussichtlich bald wieder aus ihrer neuen Bundesgeschäftsstelle in Erfurt ausziehen. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Die rechtsextreme Partei "Neue Stärke" verliert ihre gerade bezogene Bundesgeschäftsstelle in Erfurt. Erst am Wochenende hatte sie das Büro in einem Industriegebiet im Süden der Stadt eingeweiht. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN kündigte der Eigentümer des Bürohauses nun der rechtsextremen Splitterpartei.

Autos und ein Wohnwagen stehen vor einem Büro-Gebäude.
In diesen Bürokomplex im Süden Erfurts zog die Partei ein. Nun muss sie voraussichtlich bald wieder ausziehen. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Vermieter: Politischer Hintergrund sei nicht bekannt gewesen

Ihm sei nicht bewusst gewesen, welche Organisation sich in seinem Haus eingemietet hat, sagte Frank Orschler, Geschäftsführer der Königsee Implantate GmbH. Nach seinen Angaben wurde der Mietvertrag über eine persönliche Bekanntschaft zwischen einem der Mieter und einer Mitarbeiterin seiner Hausverwaltung angebahnt.

Über den politischen Hintergrund und die Parteimitgliedschaft sei angeblich nichts bekannt gewesen. Solche Menschen haben in seiner Immobilie nichts zu suchen, so Orschler. Darum habe er den Mietvertrag fristgerecht gekündigt. Allerdings sieht der Mietvertrag eine Kündigungsfrist von sechs Monaten vor.

Mietvertrag von Neonazi-Partei gekündigt

Nach Recherche von MDR THÜRINGEN gilt der Mietvertrag ab 1. April für ein Büro mit circa 25 Quadratmetern. Dafür bezahlen die Rechtsextremisten 320 Euro. Den Vertrag soll der stellvertretende Vorsitzende der rechtsextremen Kleinstpartei, Enrico Biczysko, unterschrieben haben.

Ein Teilnehmer einer Kundgebung von Neonazis trägt einen Pullover mit der Aufschrift 'Sportlich Aktivistisch Gemeinschaftlich'.
Die Parte "Neue Stärke" war Mitte 2020 aus dem rechtsextremen Verein "Volksgemeinschaft" hervorgegangen. Bildrechte: dpa

Die "Neue Stärke Partei" (NSP) ist ein rechtsextremes Sammelbecken von Neonazis, ehemaligen Mitgliedern des "Dritten Weges" und der NPD. Sie war Mitte 2020 aus dem rechtsextremen Verein "Volksgemeinschaft" hervorgegangen und versucht nun bundesweit Strukturen aufzubauen.

So registrierten Polizei und Verfassungsschutzbehörden Aktivitäten in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Nachdem die Partei ihre Immobilie am Erfurter Herrenberg verloren hatte, fand sie zuletzt einen neuen Anlaufpunkt in einem Garagenkomplex.

MDR (luke/ahem)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. April 2022 | 14:00 Uhr

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