Medienbildung "Ich will auch Roboter werden" - Kindergarten-Projekt in Erfurt gestartet

Isabelle Fleck
Bildrechte: MDR/Flo Hossi

Er lächelt freundlich und wird gleich herzlich in der Kindergartengruppe aufgenommen: Roboter Robby. Er erklärt Vorschulkindern in acht Thüringer Kitas, wie Roboter funktionieren und wofür man sie braucht. Ein Besuch zum Start in Erfurt.

Vorschulgruppe der Erfurter Kita Pusteblume mit Roboter Robby
Vorschulgruppe des Erfurter Kindergartens "Pusteblume" mit Erzieherin Esther Bernhardt. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Meine Fantasie war kurz mit mir durchgegangen. Ich hatte erwartet, dass eine Art Wall-E durch den Kindergarten Pusteblume düst und vielleicht die liegen gebliebenen Bausteine aufräumt. Als ich in den Turnraum komme, steht dort aber er: Robby. Ich muss kurz schmunzeln.

Roboter Robby
Roboter Robby Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Robby ist aus Holz gemacht. Er hat Schubladen, in denen Karten mit Aufgaben stecken, seinen Kopf kann man ebenfalls aufklappen und er ist beklebt mit Schrauben, Muttern und einem freundlichen Gesicht. Er ist bunt lackiert und neuestes Mitglied der Vorschulgruppe im Kindergarten "Pusteblume" in Erfurt-Daberstedt. Er soll die Kinder bei ihren "ersten Schritten in die digitale Welt" begleiten, so die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM), deren Idee das Projekt war.

Holzmodell statt Hightech

Franziska Bausch-Moser hat Kinder- und Jugendmedien in Erfurt studiert und ist diese Woche im Kindergarten dabei. Sie sagt, dass bewusst "kein Hightech" angeschafft wurde, sondern dass der Holzroboter "näher an der Welt der Kinder ist". Mithilfe von Robby könne sie gut Zusammenhänge erklären, etwa den Stromkreislauf. Sie erzählt den Kindern aber auch, dass Roboter "erstmal dumm sind" und gesagt bekommen müssen, was sie tun sollen. Ein Kind ruft: "Ich will später auch mal Roboter werden." Die anderen haben Ideen, was man dem Roboter beibringen könnte.

Vorschulgruppe der Erfurter Kita Pusteblume mit Medienpädagogin Franziska Bausch-Moser und der Roboter Robby
Medienpädagogin Franziska Bausch-Moser erzählt viel Hintergrund zum Roboter-Leben. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Roboter zum Aufräumen und Äpfel pflücken

Emma beispielsweise erklärt mir, dass sie "auch mal einen Roboter bauen" will. Es fehlten zwar noch Teile, aber bei "Papas Arbeit" gebe es "viele Computer" und vielleicht ergebe sich da etwas. Sie weiß bisher, dass ihr Roboter laufen können muss und denkt an ein Gerät, das Äpfel oder Tomaten pflückt.

Emma und der Roboter Robby
Emma wünscht sich einen Roboter zum Äpfel- oder Tomatenpflücken. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Auf einem Plakat schreiben die Erzieherinnen auf, was den Kindern noch in den Sinn kommt. Darauf steht: Essen bringen, Schwimmen, Verstecken, Bollerwagen ziehen. Sie einigen sich darauf, dass der Roboter mit Solar fahren soll - keine Kabel, schließlich muss er mobil sein.

Roboter Robby auf Plakat
Was sollte dein Roboter können? Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Leo darf in einem Spiel zum Thema Programmierung und Befehle als Erster der Roboter sein. Franziska Bausch-Moser befestigt mit einer Klammer ein kleines Roboterbild an seinem Ärmel. Nun müssen ihn die anderen navigieren. Am Ende soll er an einer Schatztruhe rauskommen. Darin sind ein paar Süßigkeiten versteckt.

Leo
Leo darf Roboter spielen. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Roboter müssen tun, was man ihnen sagt

Ich frage Leo, wie es war, Roboter zu sein. Er erklärt mir: "Es war leicht. Die anderen haben alles gesagt und ich habe es so gemacht." Während die anderen Kinder das auch ausprobieren, sitzen wir auf einer Bank am Rand. Ob er auch einen Roboter zu Hause hat, frage ich. Nein, sagt Leo. Aber er könnte einen aus Lego bauen, der dann Essen und Trinken bringt, Besteck wegräumt - und das finde ich eine super Idee - das Zimmer aufräumt! Ich frage ihn, ob er Robby mag. Seine Antwort ist zuckersüß: "Ja, er hat die gleichen Augen wie ich." Und Locken, wenn es bei Robby auch nur drei Federn aus Kuli sind.

Vielleicht, so erklärt mir Esther Bernhardt, wird Robby aber auch noch erweitert. Nach der Projektwoche bleibt er im Kindergarten. Bekommt vielleicht Flügel, Anschlüsse und eine Fernbedienung.

Vorschulgruppe der Erfurter Kita Pusteblume mit ihren beiden Erzieherinnen  Margarita Mai und Esther Bernhardt sowie Roboter Robby
Gruppenfoto mit Robby Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Acht Kindergärten mit Robotern in Thüringen

Die Pädagoginnen Esther Bernhardt und ihre Kollegin Margarita Mai haben eine Fortbildung für nachhaltige medienpraktische Arbeit mit Vorschulkindern besucht. Das meiste, was die Kinder in den kommenden Tagen machen, haben sie selbst ausprobiert und dafür nochmal das Schulwissen zum Thema Stromkreislauf rausgekramt. Sie sind überrascht, was die Kinder schon alles wissen und freuen sich, dass sich Jungs und Mädchen gleichermaßen für die Technik begeistern.

Am Ende der Woche werden sie gemeinsam mit den Kindern eine kleine Roboter-Maus programmieren, die dann einen vorgegebenen Weg fahren muss. Auf der Verpackung steht sinngemäß: Programmieren für Kinder ab 4+. Gut möglich, dass Emma also bald tatsächlich einen Apfelpflück-Roboter baut und Leo einen erfindet, der aufräumt. Ich jedenfalls hätte Interesse.

Zwei Kinder mit Roboter Robby
Gehört direkt zur Gruppe: Roboter Robby Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck
Optische Sensoren des Roboters 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 28.04.2021 19:00Uhr 01:53 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 21. Juli 2021 | 05:00 Uhr

3 Kommentare

THOMAS H vor 1 Wochen

mattotaupa: "..., der dann Essen und Trinken bringt, Besteck wegräumt - .... - das Zimmer aufräumt." Dies ist im Moment eine Kinderaussage, aber könnte es Realität werden und Kinder schon damit konfrontiert werden, das alles von Robotern gemacht wird, was soll dann werden, wenn die Roboter wegen Stromausfall nicht mehr das machen, was sie bisher gemacht haben.
In Bezug Produktion bei Stromausfall, bin ich der Meinung, das gewisse Arbeiten auch noch von Hand gemacht werden können, wenn sie vorher erlernt wurden.
In der Pflege muß es, bei Stromausfall, auch weitergehen, da die Pflegebedürftigen ja nicht vernachlässigt werden können, nur weil der Roboter ausgefallen ist. Ein Problem besteht dann aber: Gibt es noch genügend Pflegekräfte oder wurden sie noch weiter reduziert, weil die Roboter ja die Arbeit übernommen haben.
Das es Arbeitserleichterungen gibt, ist ja in Ordnung. Aber alles durch Roboter machen zu lassen (s. o.) und den Kindern zu suggerieren, daß dies funktioniert = ????

mattotaupa vor 1 Wochen

" und nichts hergestellt werden kann und der Roboter auch kein Essen serviert, wenn der Strom ausfällt (siehe jetzige Flutkatastrophe)." ähm, und ohne roboter flutscht die produktion bei stromausfall und bei flutereignissen und kellner und pflegedienste arbeiten wie gewohnt? seit beginn der industriealisierung gibt es bedenken, daß maschinen menschen die arbeit wegnehmen könnten. bei gering qualifizierten jobs mag das auf den ersten blick stimmen aber sollen wir deswegen zurück zu webstühlen mit öllampe und soll der bauer deswegen seinen pflug wieder von frau und kindern ziehen lassen? es sollte aufgabe der gesellschaft sein eine sozial gerechte lösung zu finden, die alterung der gesellschaft und damit den "verlust" der arbeitskraft jüngerer fair auszugleichen und nicht den mangel verwalten zu müssen, weil lösungen abgelehnt werden.

THOMAS H vor 1 Wochen

Wird den Kindern auch beigebracht, das durch die vielen Roboter auch viel Arbeit verschwinden wird, welche jetzt noch Menschen machen. Daß der Stromverbrauch auch steigen wird und nichts hergestellt werden kann und der Roboter auch kein Essen serviert, wenn der Strom ausfällt (siehe jetzige Flutkatastrophe).
Ja ich weis, daß dies wieder Schwarzseherei ist, aber ich bin, trotzdem der Meinung, daß dies den Kindern auch gesagt werden muß, damit sie sich auch Gedanken machen können, was machen wir, wenn diese Fälle eintreten.

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