Landgericht Erfurt "Saat des Bösen"-Mitglieder wieder vor Gericht - Prozess unterbrochen

Etwa sechs Jahre nach den ersten Urteilen ist ein Prozess gegen drei ehemalige Mitglieder der Jugendgang "Saat des Bösen" vor dem Landgericht Erfurt neu gestartet. Dabei wurde am Dienstag die Anklage gegen die 29, 33 und 38 alten Männer verlesen. Auch der Beschluss des Bundesgerichtshofs wurde verlesen, durch den die früheren Urteile teilweise aufgehoben wurden.

Als damalige Mitglieder der "Saat des Bösen" sollen die drei Angeklagten mehrere Straftaten begangen haben. Sie müssen sich daher wegen Verabredung zum Raub, des Versuchs der schweren Brandstiftung und Drogen-Geschäften rechtfertigen.

Prozess um Saat des Bösen: Zeugen sollen gehört werden

Das neu aufgerollte Verfahren wurde nach dem Beginn unterbrochen. Hintergrund ist, dass bei einem Angeklagten nur einer von drei Verteidigern anwesend war. Der anwesende Strafverteidiger sagte vor Gericht, dass er sich bisher nicht ausreichend mit seinem Mandanten besprechen konnte. Das habe bisher sein anderer Kollege gemacht, der aber krank sei und bis auf Weiteres ausfalle. Nach einer heftigen Debatte zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft, Angeklagten und Anwälten wurde das Verfahren unterbrochen. Am kommenden Donnerstag soll es dann mit der Vernehmung erster Zeugen weitergehen.

Angeklagte im Strafprozess um kriminelle Bande Saat des Bösen
Von ursprünglich zehn Angeklagten stehen jetzt nur noch drei vor Gericht. Als damalige Mitglieder der "Saat des Bösen" sollen die drei Männer mehrere Straftaten begangen haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei dem Verfahren gegen die Knast-Bande handelt es sich um einen der bisher längsten Strafprozesse in Thüringen. Zehn Gang-Mitglieder waren Ende 2014 zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ihnen war damals vorgeworfen worden, sich zu schweren Straftaten verabredet zu haben. So sollen sie 2012 einen Überfall auf einen Mann in Weimar geplant haben, dem sie die Ohren abschneiden wollten. Zudem ging es um Raub und Erpressung. Gegen die Urteile hatten die Angeklagten und auch die Staatsanwaltschaft Gera beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt. Dort dauerte es fast zwei Jahre, bis die Urteile in Teilen aufgehoben und an das Landgericht Erfurt zur Neuverhandlung zurückverwiesen wurden. Dann gingen noch einmal gut drei Jahre ins Land, bis es zum Prozessauftakt in dieser Woche kam.

Mutmaßlicher Rädelsführer fünf Jahre in Untersuchungshaft

Von ursprünglich zehn Angeklagten stehen jetzt nur noch drei vor Gericht. Bei zwei von ihnen handelt es sich um die mutmaßlichen Rädelsführer von damals. Beide sind bereits am Landgericht Coburg wegen anderer Straftaten rechtskräftig zu jeweils fünf beziehungsweise vier Jahren Haft verurteilt worden. Mit einem Urteil im Prozess in Erfurt würden dann für beide Gesamtfreiheitsstrafen gebildet. Bei einem der beiden ist aber unklar, ob er tatsächlich ins Gefängnis muss, da er gut fünf Jahre in Thüringen in Untersuchungshaft saß. Diese Haftzeit könnte ihm angerechnet und der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Ob das am Ende des Verfahrens so kommt, ist noch offen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

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