Debatte um Verbot Schottergärten heizen Erfurt ein - zeigen Messdaten der "Mehrwertstadt"

Kiesgärten erhitzen in Erfurt die Gemüter. Die Stadtratsfraktion "Mehrwertstadt" wirft ihnen vor, nicht gut fürs Stadtklima zu sein und will sie verbieten lassen. Jetzt legte die Fraktion Messdaten vor.

Schottergarten
Werden Schottergärten in Erfurt bald verboten? (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Diskussion um ein Verbot von sogenannten Schottergärten in Erfurt liegen jetzt konkrete Zahlen vor. Die Stadtratsfraktion "Mehrwertstadt" hat Daten ihrer Wärmebild-Messungen veröffentlicht. Im August 2020 hatte die Fraktion drei Wochen lang an verschiedenen Stellen in der Stadt und zu verschiedenen Uhrzeiten für ein Experiment die Temperatur von geschotterten und begrünten Vorgärten gemessen.

Messdaten in Erfurt

Wie "Mehrwertstadt"-Mitarbeiterin Birgit Meusel MDR THÜRINGEN sagte, waren die Unterschiede besonders in der Andreasstraße nahe des Domplatzes sehr deutlich. Hier liegt ein Naturgarten direkt neben einem Schottergarten. Bei 29 Grad Außentemperatur lag die Temperatur im Naturgarten zwischen 27 und 33 Grad Celsius. Die Stein-Flächen zwischen 27 Grad an einer schattigen Hauswand und 49,6 Grad Celsius. Dies zeige, dass Schottergärten den Hitzeeffekt in der Stadt noch steigern. Die Fraktion will erreichen, dass die Begrünungssatzung von Erfurt erneuert und Schottergärten verboten werden.

Im Papier heißt es:

Im Rahmen des Hitzeaktionsplans in Erfurt sind grüne Gärten als Grundsatz zu etablieren und Begrünung als Mittel der Wahl zu unterstützen. Die Stadt Erfurt fördert weiterhin bereits Blühwiesen im und um das Stadtgebiet {...} und handelt als solche vorbildlich um Biodiversität zu fördern. Private Akteure müssen ebenso vorbildlich ihre im Privateigentum befindlichen Flächen pflegen.

Stadtrats-Entscheid im Dezember angepeilt

Dafür hat die Fraktion ein Diskussionspapier veröffentlicht. Es geht nach Angaben von Meusel an die anderen Stadtratsfraktionen. Sie sollen nach mehrmaligem Verschieben des Themas, im Dezember-Stadtrat darüber entscheiden.

Die Fraktion erklärt, es sei ihr bewusst, dass die Daten der Wärmebildkamera "keine wissenschaftliche Langzeitstudie ersetzt" - hier gebe es "weiteren Forschungsbedarf".

Beispiel für Grundstücke mit Schotter (Andreasstraße 39) und Naturgarten (Andreasstraße 40)
Datum und Messzeit Außentemperatur Oberflächentemperatur Schotter Oberflächentemperatur Naturgarten
06.08.2020 (12:30) 29 °C 49,4 °C 31 °C
06.08.2020 (21:45) 22 °C 24 °C 20 °C
07.08.2020 (10:00) 21 °C 30 °C 20 °C
07.08.2020 (14:00) 31 °C 49,6 °C 31 °C

Quelle: MDR THÜRINGEN/flecki/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 16. November 2020 | 17:30 Uhr

14 Kommentare

Matthi vor 24 Wochen

Die meisten die einen Kies oder Schotter Garten anlegen haben doch auch Pflanzen und Gehölze integriert. Verbote oder ein reglementieren finde ich falsch, weil dann nur wieder beim Privatmann geschaut wird die Stadt aber bei ihren Objekten großzügig hinweg schaut.

Mambo vor 24 Wochen

Das ist irgendwie so eine Nicht-News. Schotter ist wärmer als Rasen im Sommer. Wozu da jemand losgehen und messen muss ist mir etwas schleierhaft, wöllte man das Thema angehen so müsste man ermitteln in wie weit die 'Schottergärten' zur Erwärmung in der Stadt wirklich beitragen.
Und Schottergarten ist auch nicht gleich Schottergarten, es macht einen Unterschied ob ich da 100m² schottere und brach liegen lasse oder ob ich das zB statt Rindenmulch im Beet nutze wo der Schotter kaum Sonne abbekommt weil Büsche gepflanzt sind. Ich habe zB weißen Zierkies im Beet auf der Nordseite hinterm Haus, der sieht das ganze Jahr keine direkte Sonne.
Und dann wäre mal zu ermitteln wie viel Fläche von EF versiegelte Fläche ist und wie viel Schottergärten. Ich schätze mal vorsichtig dass Schottergärten weniger als 0,1% der versiegelten Stadtfläche entsprechen (wenn man wirklich nur die Gärten betrachtet und nicht zB geschotterte Parkplätze).
Es gibt andere Baustellen: große Plätze begrünen zB.

Erfurter192 vor 24 Wochen

Na klar, gleich wieder alles verbieten. Verbote schaffen sicher gaaaanz viel Akzeptanz. Anstelle von Verboten sollten die Vorgärten gefördert werden, die bepflanzt werden. Es ist doch eh jetzt Geld für allen Blödsinn da, da wird dafür sicher was übrig sein. Und darüber hinaus: wenn ich mir die Bebauungspläne anschaue, wo die Bauherren gezwungen sind, ihr halbes Grundstück mit Stellplätzen zu versiegeln, weil die Stadt nur eine schmale Straße ohne Fußweg gebaut hat, müsste sich da erstmal was tun. Ich zum Beispiel habe vor dem Haus Kies mit Pflanzen und hinter dem Haus einen grünen Garten. Bekomme ich dann den Garten angerechnet? Also bitte, liebe Mehrwertstädtler, hier muss differenziert werden und nicht gleich wieder mit dem Vorschlaghammer draufgehauen werden.

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