Schülerinnen melden sich während des Unterrichts an einer Schule.
Trotz des Platzmangels sollen Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationsgeschichte in Erfurt zusammen lernen. Bildrechte: picture alliance / Hauke-Christian Dittrich | Hauke-Christian Dittrich

Integration Kein separater Unterricht für Schüler mit Migrationsgeschichte in Erfurt

31. Mai 2023, 11:03 Uhr

Weil die Schulklassen oft zu voll sind, sollten Schüler mit Migrationsgeschichte in separate Klassen kommen. So war zumindest die Idee der Schulämter. Doch das Schulamt Mittelthüringen und damit die Schulen in Erfurt gehen diesen Weg nicht mit.

Trotz fehlender Schulplätze wird es in Erfurt im laufenden Schuljahr keine sogenannten Migrationsklassen geben. Wie ein Sprecher des Schulamtes Mittelthüringen MDR THÜRINGEN sagte, wird der Sprachunterricht für Schüler mit erhöhtem Förderbedarf nicht ausgeweitet. Schüler mit Migrationshintergrund und damit einhergehenden Sprachdefiziten sollen weiter wie bisher für einzelne Stunden aus dem laufenden Unterricht genommen werden und in dieser Zeit gesonderten Sprachunterricht erhalten.

Ursprünglich andere Überlegungen

In den vergangenen Wochen war diskutiert worden, Schüler mit Migrationshintergrund bei Bedarf in sogenannten Sprachgruppen zusätzlich zum laufenden Unterricht zu beschulen. Möglicherweise auch in anderen Schulgebäuden als ihre Klassenkameraden oder auch an Samstagen. Auf diese Möglichkeit hatten sich die Schulämter aufgrund des akuten Schulplatzmangels, besonders in den größeren Thüringer Städten wie Erfurt, Gera und Jena, verständigt. Das Schulamt Mittelthüringen wird laut Leiter Ralph Leipold davon aber keinen Gebrauch machen.

Erfurter Schulleiter kritisierte den Vorschlag

Zuvor hatte sich unter anderem der Schulleiter des Erfurter Albert-Schweitzer-Gymnasiums, Sven Stötzer, kritisch zu dem Vorschlag der Migrationsklassen geäußert. Wie Schulamtsleiter Leipold erklärte, war von dem Begriff "Migrationsklassen" nie die Rede. Lediglich das Konzept für zusätzlichen Unterricht in den sogenannten Sprachgruppen stand im Raum. Auf diese Idee habe man sich außerdem nur für das laufende Schuljahr geeinigt.

MDR (anh/dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. Mai 2023 | 10:30 Uhr

15 Kommentare

Yogi123 am 01.06.2023

Man hat aus den Erfahrungen der Vergangenheit in anderen Bundesländern ( Berlin, NRW) absolut nichts gelernt. Dort hat das mit der Migration im Schulbereich in keinster Weise funktioniert und das Ergebnis sind sogenannte „Brennpunktschulen“.
Es nützt auch wenig, wenn die Kinder Vormittags in der Schule Deutsch lernen und im häuslichen Umfeld ausschließlich die Muttersprache gesprochen wird. Da gibt es Eltern, die nicht zu Elternabenden und Gesprächen in die Schule kommen, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Migration ist vielschichtig und es bedarf vieler Akteure in allen Lebensbereichen.

schwester65 am 31.05.2023

Dem kann ich nur beipflichten. Tagtäglich wird über den Fachkräftemangel auf hohem Niveau gejammert, aber es wird nichts, überhaupt nichts dafür getan, dem durch Bildung und Ausbildung wenigstens der nächsten Generation entgegenzuwirken.
Durch die Unterbringung zu vieler Schüler mit Migrationshintergrund in einer Klasse werden die Chancen für alle Kinder schlechter, etwas aus dem Unterricht mitzunehmen. Die sprachlichen Probleme nehmen dabei einfach zu viel Raum ein.
Meiner Meinung nach soll
hier die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund einfach auf den Schultern der Lehrer und Schüler abgeladen werden und das ist einfach kaum zu bewältigen.

Thommi Tulpe am 31.05.2023

Man kann es auch anders sehen: In jungen Jahren erlernt man sehr viel eher und schneller eine (Fremd)-Sprache. Wie soll das möglich sein, wenn man Klassen trennt? Und ich würde das Problem nicht mal einzig am Sprachverständnis festmachen. Haben wir in Deutschland nicht schon genug an sogenannten Parallelgesellschaften? Wollen wir das durch Trennung weiter fördern?

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