Freizeit Stadtgärtnern in Erfurts Gera-Aue: Buga-Projekt auf Dauer

07. Juni 2022, 05:24 Uhr

Nach der Buga weiter in Erfurt gärtnern? Stadtgärtnerinnen fanden einen zunächst knüppelharten Ort. Nun sprießen dort Radieschen oder Pfefferminze. Und ein Crowdfunding verläuft sehr erfolgreich. Nur das Wasser muss zuweilen aus dem fünften Stock geholt werden.

Essbare Stadt, grüne Stadt, Gärtnern auf Brachflächen - es gibt viele Ideen, um Obst und Gemüse regional anzubauen. Auf der Bundesgartenschau in Erfurt 2021 gab es einen Gemeinschaftsgarten, den Garten der Verbände.

171 Tage konnten sich die Stadtgärtner und -gärtnerinnen auf dem Petersberg in einem Urban-Gardening-Projekt austoben. Den "Garten für alle" wollten alle behalten. Nur ging das an Ort und Stelle nicht. Der Denkmalschutz spielte nicht mit. Was also tun?

Die Allianz der Stadtgärtnerinnen sprach mit dem Garten- und Friedhofsamt. Das fand tatsächlich eine Brachfläche: Zwischen dem bei der Buga in der Gera-Aue neu gestaltetem Park und dem Neubaugebiet im Rieth fand sich ein Zipfel. 1.500 Quadratmeter groß, überwuchert von meterhohem Gras beziehungsweise Unkraut und umrahmt von wilden Büschen.

Ein Garten in einer Kleingartenanlage hat mich nie gereizt. Ich wollte immer gern mit anderen zusammen gärtnern.

Christiane Nienhold Erfurter Stadtgärtnerin

Knüppelharter Boden beim neuen Stadtgarten

Den Stadtgärtnerinnen gefiel's, sie legten los. Zumindest wollten sie, doch der Boden war und ist knüppelhart: Die Fläche gehörte früher zu einem Sportplatz. "Hier standen die Umkleidekabinen. Und beim Bau der Gera-Aue haben die schweren Baufahrzeuge den Boden dann noch weiter verdichtet", beschreibt Christiane Nienhold nur eines der vielen Startprobleme.

Eine Fräse musste her, dann eine Fuhre Pferdemist und Mutterboden. Meter um Meter, Beet für Beet ringen die rund 20 Stadtgärtnerinnen dem Brachland ab. Und so entsteht ihr Gemeinschaftsgarten.

Erstes Radieschen mit Jubel begrüßt

Das erste Radieschen wurde dann kurze Zeit später mit Jubel begrüßt. Es lugte aus der Erde im Schlüssellochbeet, einem Rundbeet gleich am "Eingang" des Gemeinschaftsgartens, das noch keinen Zaun hat.

"Ein Garten in einer Kleingartenanlage hat mich nie gereizt. Ich wollte immer gern mit anderen zusammen gärtnern", sagt Christiane Nienhold.

2019 hatte die Bürgerstiftung Erfurt ins Ideenlabor eingeladen. Die Erfurter sollten ihre Vorstellung von einer liebenswerten Stadt der Zukunft einbringen. Christiane Nienhold war eine, die sich damals an einem Garten-Workshop beteiligte. So entstand auch die Idee vom Gemeinschaftsgarten.

Und nun stehen sie hier im Erfurter Norden und gärtnern. Einige hatten schon mal Gärten, kennen sich also etwas aus, andere wie Ulrike Tabor hatten bislang keinen blassen Schimmer vom Gärtnern. "Hier lerne ich es und meine Träume von einer grünen Stadt und einem Miteinander nehmen Gestalt an", sagt sie.

Das Brachland an der Gera-Aue wird keine neue Gartenanlage. Hier wird nicht genormt und festgelegt, wer wann was zu pflanzen  und zu ernten hat. Das ist Meins und das ist Deins ist hier ein Unseres.

Christine Walther Erfurter Stadtgärtnerin

Wasser ist noch ein Problem

Das Miteinander besteht im gemeinsamen Arbeiten, Säen, Pflanzen und momentan auch noch im gemeinsamen Gießkannen- und Wasserkanister-Schleppen. "Wir haben leider keinen Wasseranschluss und so müssen wir das Wasser entweder auf dem Fahrrad oder im Auto mitbringen oder aus meiner Wohnung im 5. Stock holen", erzählt Nora Schmidt.

Die Stadtgärtnerinnen hoffen, dass sie irgendwann in möglichst naher Zukunft sich etwa Wasser-Sponsoren finden oder ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, Wasser vom benachbarten Ortsteilbüro zu bekommen. Oder Stadtgärtnerin Nora Schmidt hat noch eine andere Idee: "Wer nicht mitbuddeln will, kann gern auch eine Kanne Wasser vorbeibringen. Das würde uns sehr freuen."

Crowdfunding erfolgreicher als erhofft

Als Dank gibt es sicher einen Strauß Pfefferminze, welche gerade fröhlich vor sich hinwächst - es ist auch eine Buga-Pflanze. Über das Crowdfunding der Erfurter Stadtwerke sammeln die Stadtgärtnerinnen zudem momentan Geld.

Drei Tage vor Abschluss hatten die Stadtgärtnerinnen und Stadtgärtner für ihren Gemeinschaftsgarten mehr Geld eingenommen als anvisiert. Bis Dienstag kamen so über eine Internetplattform knapp 1.500 Euro von 28 Spendern zusammen. Ziel waren 1.130 Euro. Damit sei es möglich, die notwendigen Gartengeräte zu kaufen und ein Gerätehaus zu bauen, sagte Stadtgärtnerin Christiane Nienhold MDR THÜRINGEN.

Und Nora Schmidt zeigt schon stolz auf die vier, fünf schon angelegten Beete. Dort wachsen Möhren, Kartoffeln, viele Kräuter, aber auch Rosen. "Wir haben etliche Pflanzen auch von der Buga bekommen, als im Festungsgraben auf dem Petersberg nach der Gartenschau alles raus musste."

Dienstags und samstags wird gemeinsam gegärtnert

"Wer mitmachen will, ist jederzeit willkommen, wir würden uns auch freuen, wenn Anwohner Interesse haben", sagt Christine Walther, die eins allein einen Pachtgarten hatte. Doch hier mit vielen gemeinsam ein Stück Land und damit Stadt zu gestalten, sei etwas ganz anderes. Wer noch mitmachen möchte: Dienstags und Samstags treffen sich die Stadtgärtnerinnen jeweils zum gemeinsamen Gärtnern und Ernten.

MDR (rom)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 04. Juni 2022 | 13:00 Uhr

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