Gesetz nachgebessert Millionen-Verluste abgewendet: Stadtwerke Erfurt müssen doch keine Strafen zahlen

Gerade hatten die Erfurter Stadtwerke noch mit einer millionenschweren Investition die Gasturbinen erneuert. Nun drohte eine millionenschwere Strafe, falls die Stadtwerke weiter Gas verbrannt hätten. Doch das entsprechende Gesetz wurde in letzter Minute noch geändert. Eine Preiserhöhung bei Gas ist trotzdem angesichts der gestiegenen Preise fest eingeplant.

Im Inneren des Heizwerks Erfurt
Erst im Frühjahr wurde im Heizkraftwerk ein millionenschwerer Umbau von effizienteren Gasturbinen weitgehend abgeschlosssen (Archivbild). Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Die Stadtwerke Erfurt müssen nun doch keine Strafe für ihre Stromerzeugung durch Gas befürchten. Ein entsprechendes Gesetz wurde in letzter Minute geändert.

Bundesnetzagentur kann keine Strafen mehr verhängen

Der Erfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider sagte der Thüringer Allgemeinen, das entsprechende Gesetz sei noch einmal nachgebessert worden. Der ursprüngliche Entwurf hätte es der Bundesnetzagentur erlaubt, für die Stromerzeugung durch Gas Strafen zu verhängen oder diese ganz zu verbieten.

Stadtwerke-Geschäftsführer Karel Schweng hatte MDR THÜRINGEN erklärt, der Strom für die nächsten Monate sei schon verkauft. Hätten die Stadtwerke mit Gas keinen Strom mehr erzeugen dürfen, hätten sie Strom einkaufen müssen. Schweng hatte deshalb Millionenverluste befürchtet.

Stadtwerke planen Preiserhöhung bei Gas

Nach dem Ausrufen der Alarmstufe im Notfallplan Gas hatten die Stadtwerke Erfurt Anfang Juni erklärt, dass die Gasversorgung ihrer Kunden weiter gewährleistet sei. Es wurden innerhalb Deutschlands und im Ausland Gasmengen verlagert. Dadurch und durch andere Schritte sei noch ausreichend Gas vorhanden.

Wann und in welchem Maß die Stadtwerke auch die Preise für Gas erhöhen, konnte ein SWE-Sprecher damals noch nicht mitteilen. Es werde aber noch in diesem Jahr geschehen. Ein Krisenstab soll die Lage weiter beobachten.

Umbau auf effizientere Gasturbinen erst abgeschlossen

Erst in diesem Frühjahr hatten die Stadtwerke Erfurt den 42 Millionen Euro teuren Umbau des Heizkraftwerks weitgehend abgeschlossen und damit unter anderem neue Gasturbinen mit einem Wirkungsgrad von 85 Prozent eingebaut.

Auch die Erfurter Stadtwerke beziehen einen Erdgasmix wie alle Energieversorger in Deutschland: 55 Prozent des Erdgases liefert Russland, der Rest kommt aus Norwegen, Deutschland oder den Niederlanden.

MDR (rom)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Nachrichten | 09. Juli 2022 | 13:30 Uhr

12 Kommentare

Froschmaschine vor 28 Wochen

Effizienz ist gut … aber kein Grund, viel zu knappes Erdgas zu verbrauchen, wo es ersetzbar ist.

Für dieses Heizkraftwerk spricht letztlich schlicht, dass sonst zur Sicherung der Wärmeversorgung ein reines Heizwerk benutzt werden müsste … welches ebenfalls Erdgas verbrennte. Stattdessen kann das Gas sinnvoller unter gewissem Gas-Mehreinsatz im Heizkraftwerk verwendet und es so mit Stromgewinnung besser ausgenutzt werden.

Die Stadtwerke bewegte laut dem Bericht allerdings nicht zuvorderst die bestmögliche Ausnutzung des Gases, sondern vor allem die eigene Stromverkaufsvertragssituation – laufende Verträge, die sie zur Stromlieferung verpflichten.

Zu hoffen ist, dass sich der Betrieb des Heizkraftwerks mittelfristig nicht an Stromabsatzmöglichkeiten und idealer Anlagenauslastung, sondern am Wärmebedarf orientiert.

martin vor 28 Wochen

Handwerkliche schlecht gemachte Gesetzentwürfe / Gesetze hat es bisher unter jeder Regierung gegeben. Mit Blick auf die notwendigerweise schnellen Reaktionen habe ich für handwerkliche Mängel hier sogar mehr Verständnis als bei manchen Gesetzen, die ohne diesen Stress vorbereitet wurden und trotzdem reichlich Mängel haben.

martin vor 28 Wochen

Das ist eine Perspektive, die aber nicht von jetzt auf gleich umgesetzt werden kann. Da hätte man früher und intensiver einsteigen müssen, damit die Technik jetzt zur Verfügung steht.

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