Kundgebung in Erfurt Stotternheimer protestieren für neue Schulsporthalle

Seit Jahrzehnten fordern die Bürger aus dem Erfurter Ortsteil Stotternheim eine neue Schulsporthalle. Das eingeplante Geld im städtischen Haushalt wurde jedoch zum wiederholten Mal verschoben. Die Stotternheimer riefen zum Protest auf.

Menschen mit Plakaten protestieren in Erfurt für eine neue Schulsporthalle in Stotternheim
Stotternheimer demonstrierten am Dienstag für eine neue Schulsporthalle. Bildrechte: MDR/Anna Hönig

"Schulsporthalle für Stotternheim - Jetzt!" steht auf einem der Protestschilder - "Genug Logistikhallen, jetzt Sporthalle" auf einem anderen. Rund 25 Stotternheimer haben sich am Dienstagnachmittag vor dem Erfurter Rathaus zum Protest versammelt. Es ist nicht der erste Vorstoß der Bürger, um die geplante Turnhalle einzufordern. Am vergangenen Freitag gab es bereits eine Protestaktion im Ortsteil, im Frühjahr 2021 hatten die Bürger einen Einwohnerantrag eingereicht.

Mehrfach war Geld für eine Planung der Halle im Haushalt eingestellt worden, so auch für das laufende Jahr. Die geplanten 100.000 Euro sind jedoch wieder einmal nicht abgerufen und nun zum Jahresende vermeintlich gestrichen worden. "Das Geld wurde lediglich verschoben", erklärt Finanzdezernent Steffen Linnert (SPD). Das sei ein übliches Verfahren mit Geldern, die während das Haushaltsjahres nicht verwendet wurden. Aber warum blieb das Geld wieder einmal unangetastet?

Menschen mit Plakaten protestieren in Erfurt für eine neue Schulsporthalle in Stotternheim
Eine neue Turnhalle soll dem Schulsport als auch dem Vereinssport zugutekommen. Bildrechte: MDR/Anna Hönig

Das bekannte Problem: Zu wenig Personal

"Wir haben kein Personal in der Stadtverwaltung, das die Planung hätte übernehmen können und haben auch kein externes Planungsbüro gefunden", sagt Linnert. Hinzu kommt, dass die eingeplanten 100.000 Euro gar nicht für das Projekt ausgereicht hätten. Die Stotternheimer Ortsteilbürgermeisterin Bianca Wendt möchte dennoch zusammen mit dem Ortsteilrat versuchen, die Turnhalle doch noch in den Nachtragshaushalt zu bringen - mit einer angepassten Summe.

"Wir wollen nicht schon wieder hinten runterfallen", sagt sie. Auch die Mitglieder des Ortsteilrates sind frustriert. Aniko Lembke ist einer von ihnen - seit 2004 engagiert er sich ehrenamtlich im Ortsteilrat. Anfang November ist er jedoch als Ortsteilrat zurückgetreten, weil er das Gefühl hat, dass die Beschlüsse aus den Ortsteilräten von der Stadt oft nicht ernst genommen und umgesetzt werden. Immerhin wird schon seit rund 30 Jahren über eine Sanierung oder einen Neubau der Turnhalle diskutiert.

Der Bau aus den 50er-Jahren bedarf einer dringenden Grundsanierung. Unter anderem ist das Dach marode und die Sanitäranlagen stark veraltet. Hinzu kommt, dass die Halle rund einen Kilometer von der örtlichen Grund- und Regelschule entfernt liegt - ein langer Weg für die Kinder zum wöchentlichen Sportunterricht. Deshalb war zuletzt angedacht, einen Neubau auf dem Schulgelände zu errichten.

Menschen mit Plakaten protestieren in Erfurt für eine neue Schulsporthalle in Stotternheim
Protest am Dienstag: Die jetzige Halle ist marode und ein ganzes Stück von der Schule entfernt. Bildrechte: MDR/Anna Hönig

Großausschreibung für Turnhallen geplant

Seitens der Stadt gibt es nun eine neue Idee: Die Planung und der Bau einer neuen Schulsporthalle in Stotternheim soll in einer großen Ausschreibung mit anderen Turnhallen an ein externes Generalunternehmen vergeben werden. Laut Baudezernent Matthias Bärwolff (Linke) ist die Ausschreibung für den kommenden Sommer 2023 geplant, wie er den Demonstranten erklärte.

Demnach könnte die Halle 2025 gebaut und in 2026 fertiggestellt werden. Ortsteilbürgermeisterin Bianca Wendt ist damit nicht zufrieden. "Ich glaube, das ist wieder nur eine Hinhaltetaktik", sagt sie. Schon öfter wurden Termine für den Bau versprochen und sind letztlich nicht eingehalten worden.

Auch der Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion Michael Hose kritisiert den Umgang der Stadtverwaltung mit den Stotternheimern: "Ich glaube erst, dass sich was bewegt, wenn die Bagger anrollen", sagt er. Bianca Wendt plant nach wie vor, mit dem Ortsteilrat einen Änderungsantrag für den Nachtragshaushalt einzureichen und die Turnhalle dort aufzunehmen. Über den Nachtrag entscheidet der Stadtrat im Januar.

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MDR (sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 30. November 2022 | 16:30 Uhr

4 Kommentare

Sozialberuflerin vor 8 Wochen

"Wir haben kein Personal in der Stadtverwaltung, das die Planung hätte übernehmen können und haben auch kein externes Planungsbüro gefunden" (dieser Artikel)


"Außerdem wäre die Planung sehr kurzfristig. Oberbürgermeister Bausewein liefert die bereits bekannten Gegenargumente: Er sei überzeugt, dass das Personal in der Stadtverwaltung eine weitere Buga stemmen könne, auch wenn es hier und da Personalengpässe gibt (aktuell sind 800 Stellen in der Stadtverwaltung unbesetzt)."
(MDR-Artikel vom: 24.11.'22
Buga-Pläne für Erfurt doch wieder auf dem Tisch)

Da staunt man was?
Dem ist nichts hinzuzufügen!!!

O.B. vor 8 Wochen

Was nicht zu verstehen ist das man immerwieder diese Leute wählt.
Im Kleinen wie im großen muss man fordern das gemacht versprechen umgesetzt werden.

Tpass vor 8 Wochen

Keine Leute oder Personal . Aber für die Aufgaben der Stadtverwaltung keine Zeit oder kann es sein das andere Projekte anders bewertet werden müssen. Der OB hat wohl andere Präventive Maßnahmen vorgegeben. Es ist schon schwer zu verstehen oder zu glauben, an den guten Willen des OB. Warum werden immer wieder zugesagte Projekte nicht umgesetzt aber für andere wiederum alles möglich gemacht???

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