6.000-Euro-Projekt Hygienebedenken: Kein betreutes Wohnen für Tauben im Erfurter Rathaus

Auf dem Erfurter Rathaus-Dachboden ist ein Taubenschlag errichtet worden. Doch der Unterschlupf für 6.000 Euro wird nicht bezogen, weil städtische Bedienstete Hygiene-Bedenken haben.

Passanten sitzen auf dem Vorplatz des Erfurter Haubahnhofs essen und füttern Tauben
Passanten und Tauben auf dem Bahnhofsvorplatz in Erfurt. Bildrechte: IMAGO / pictureteam

Auf dem Dachboden des Erfurter Rathauses ist ein Taubenschlag errichtet worden - für rund 6.000 Euro. Doch dieser wird nun doch nicht für die Tiere geöffnet. Wie der Verein "Erfurter Tauben" mitteilte, kippte die Stadtverwaltung das Projekt überraschend am Montag.

Eine Sprecherin der Stadt nannte als Grund, dass es viel Kritik von Rathausmitarbeitern gegeben habe. Dabei sei es vor allem um Hygienefragen gegangen.

Der Taubenschlag im Erfurter Rathaus.
Der Taubenschlag wurde auf dem Dachboden des Erfurter Rathauses errichtet - Tauben dürfen aber vorerst nicht einziehen. Bildrechte: Erfurter Tauben e.V.

Taubenschutzverein: Vorbehalte haltlos

Der Taubenschutzverein kann das nicht nachvollziehen. Er kritisiert, dass die Rathausmitarbeiter nicht von Beginn an in das Vorhaben einbezogen wurden. Bedenken bezüglich einer Übertragung von Krankheiten durch die Tiere und deren Federstaub seien zufolge haltlos.

Es ist völlig unverständlich, [...] dass nun so kurz vor der Eröffnung unsere Locktauben in den Pflegestellen obdachlos werden sollen!

Taubenschutzverein Erfurter Tauben e.V.

Über die Entscheidung sei man enttäuscht und wolle nun das Gespräch mit Oberbürgermeister Andreas Bausewein suchen, so der Verein.

Der Taubenschlag im Erfurter Rathaus.
Der Taubenschutzverein will noch einmal mit Erfurts Oberbürgermeister Bausewein über den Taubenschlag sprechen. Bildrechte: Erfurter Tauben e.V.

Tauben-Überpopulation eindämmen

In dem Taubenschlag wollten die Initiatoren nach der Eröffnung von Tauben gelegte Eier gegen Attrappen austauschen. So sollte auf die Population der Stadttauben Einfluss genommen werden. 20 Locktauben wurden dafür bereits angeschafft. Sie sollten andere Tauben animieren, den Schlag anzunehmen.

Ein ähnliches Projekt verzeichnet in Gera großen Erfolg. Mithilfe von Futter-Sammelplätzen und Taubenhäusern wurde so die Tauben-Population in der Stadt eingedämmt. In Weimar wurde im Mai 2021 unter dem Dach des städtischen Gebäudes mon ami ein Taubenschlag eröffnet. Die Tiere dort können per Livestream rund um die Uhr beobachtet werden.

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Während Kleingartenzwerg einen "Beitrag für das Schwarzbuch der Steuerzahler" sah, nannte es Observer "grundsätzlich lobenswert", dass die Stadt das Taubenproblem angehe, sieht aber eine mangelhafte Ausführung. Auch Pilatus sieht in den Tauben eine "Stadtplage". Er empfiehlt nach römischem Vorbild Turmfalken als "effektive und kotfreie" Vergrämungsvariante. Irdisch meint dagegen, dass sie "höchstens mal ne sehr schwache Taube oder ein Küken" schnappen und die Hygienebedenken gegen Tauben nicht stichhaltig seien. Kalkbrenner schreibt, dass Gera und Jena mit den Fake-Eiern gute Erfahrungen gemacht hätten. Für den Rathausdachboden hält er Turmfalken aber für besser und das Taubenhaus am Petersberg für besser aufgehoben.

Quelle: MDR (fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten Mittelthüringen | 01. Februar 2022 | 11:30 Uhr

22 Kommentare

fwp vor 34 Wochen

Hallo Irdisch,

wenn der Taubenkot und die „vermeintlichen“ Krankheiten kein Problem sind, warum sind dann die Tauben überhaupt ein Problem?

Nicht umsonst werden Tauben als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet.

Und wenn die Stadtbewohner, nicht nur die Eltern mit kleinen Kindern, sondern insbesondere die anderen „Tierfreunde“ die Tauben nicht mehr füttern würden, dann würden sich diese auch nicht so stark vermehren.

Wegen dem Überangebot an Futter brüten die Tauben zwischenzeitlich nicht nur einmal im Jahr, sondern fast ganzjährig und damit geht auch die starke Vermehrung einher.

Harka2 vor 34 Wochen

@Gucker
Die Tauben sind da und bleiben da. Die zur Verfügung stehende Futtermenge regelt ihre Anzahl, nicht die Brutmöglichkeiten, denn die gibt es unendlich. Mit einer kontrollierbaren Nistmöglichkeit, mit der man die tatsächliche Vermehrung reduzieren kann, ist eine echte Reduzierung machbar. Gera, Jena und Weimar beweisen die Richtigkeit des Konzeptes. Die Tauben werden in Erfurt bleiben, so lange sie dort genug Futter finden und daran mangelt es am Fischmarkt nun mal nicht.

fwp vor 34 Wochen

Also von anderen Städten weiß ich, dass sie so gut wie Taubenfrei sind, seit auf dem Kirchturm sich Turmfalken angesiedelt haben.

Die Tauben verziehen sich einfach aus dem Gebiet des Turmfalken, weil sie wollen ja in Ruhe in großen Schwärmen durch die Stadt ziehen, und wenn sie an jeder Ecke mit dem Falken rechnen müssen, können sie sich nicht zu großen Schwärmen zusammenfinden.

Einzelne Tauben sind für einen Falken auch nicht interessant, da Tauben schneller sind als der Falke. Aber wenn die Taube ständig darauf achten muss, dass sie dem Falken nicht vor die Füße „läuft“ verzieht sie sich lieber.

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