Landgericht Prozess um tödlichen Angriff auf dem Erfurter Anger gestartet

Mitten auf dem Anger in Erfurt kam es im Oktober 2021 zu einem Streit zweier Männer, den ein 28-Jähriger nicht überlebte. Jetzt begann der Gerichtsprozess gegen den 36-jährigen mutmaßlichen Täter.

Nach einem gewaltsamen Todesfall auf dem Erfurter Anger hat am Donnerstag am Landgericht Erfurt der Prozess gegen einen 36-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, im Oktober 2021 einen 28-Jährigen nach einem Streit mit ein oder zwei Messerstichen in die Leistengegend verletzt zu haben. Das Opfer, das sich noch etwa 130 Meter weit geschleppt hatte, starb wenige Stunden darauf im Krankenhaus.

"Diese Folge war für den Angeklagten vorhersehbar", sagte Staatsanwalt Martin Scheler am Donnerstag bei der Verlesung der Anklage. Verteidiger Curt-Matthias Engel betonte hingegen, dass es sich im Zuge der Auseinandersetzung um Notwehr gehandelt habe.

Angeklagter mit Verteidiger im Gerichtssaal
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger im Gerichtssaal zum Prozessauftakt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Angeklagter schweigt zum Prozessauftakt

Sowohl bei dem mutmaßlichen Täter als auch bei dem Opfer handelt es sich um Tunesier. Ein Video, in dem der Angeklagte sich auf Arabisch zu dem Vorfall im Oktober äußert, konnte nach Angaben des Vorsitzenden Richters aus technischen Gründen zunächst nicht übersetzt werden.

Im Gerichtssaal schwieg der Angeklagte. Eine Aussage soll laut seinem Anwalt am kommenden Prozesstag folgen. Zum Auftakt wurden mehrere Menschen gehört, die die Auseinandersetzung auf dem Anger als Unbeteiligte mitbekommen hatten und ihre Wahrnehmungen schilderten.

Mutmaßlicher Täter stellte sich später

Knapp eine Woche nach dem Vorfall hatte sich der Tatverdächtige gestellt und sich im Beisein seines Rechtsanwalts bei der Staatsanwaltschaft Erfurt gemeldet und zu den Vorwürfen geäußert. Sie hatte zuvor mit Hochdruck nach dem damals 35-Jährigen gefahndet. Seitdem befindet sich der Mann in Untersuchungshaft.

Polizeieinsatz nach Messerattacke am Erfurter Anger
Das Opfer hatte sich nach dem Messerangriff noch über den Anger geschleppt und starb später im Krankenhaus. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

Bei einer Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe "nicht unter drei Jahren" vor, in minder schweren Fällen ein Jahr bis zu zehn Jahre. Bis Mitte Juni sind vorerst vier weitere Verhandlungstermine geplant.

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MDR/dpa (sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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