Ukraine-Krieg Mehr als 1.000 Flüchtlinge bereits in Erfurt +++ Kreise bereiten sich auf Aufnahme vor

In Thüringen kommen immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine an. Das stellt vor allem Erfurt vor große Herausforderungen. Auch in anderen Kreisen laufen die Vorbereitungen für die Kriegsflüchtlinge. Der aktuelle Überblick.

Ukrainische Kriegsflüchtlinge liegen auf Feldbetten in einem Sportzentrum in Warschau.
Am Montag soll eine weitere Turnhalle für die Ankunft von Menschen aus der Ukraine vorberietet werden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Flüchtlings-Zustrom stellt Erfurt vor große Herausforderungen

Die Stadt Erfurt sieht sich bei der Integration ukrainischer Flüchtlinge vor großen Herausforderungen. Bisher sind laut Verwaltung mehr als 1.200 Menschen angekommen. Knapp 740 wurden in privaten Unterkünften untergebracht. Rund 470 leben aktuell in Gemeinschaftsunterkünften, etwa 220 in Turnhallen. Die Stadt hält inzwischen drei Schulturnhallen für die Geflüchteten bereit, von denen eine bereits voll belegt sind.

Eine weitere Halle solle von Montag an für die Ankunft von Menschen aus dem Kriegsgebiet ausgestattet werden, sagte Sozialbürgermeisterin Anke Hofmann-Domke (Linke). Die Möblierung dieser Notunterkünfte bereite allerdings zunehmend Probleme, sagte Hofmann-Domke. "Es ist derzeit nicht mehr möglich, Feldbetten zu kaufen."

Viele Unterkünfte nicht möbliert

Ziel sei es, so schnell wie möglich Wohnungen für sie zu finden, hieß es am Freitag. Zwar wurden viele Unterkünfte gemeldet, die meisten seien allerdings nicht möbliert - es fehle an Küchen, Betten, Schränken sowie Geschirr und Geräten. Außerdem will die Stadt prüfen, inwieweit städtische Immobilien als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden können.

Wie die Stadt weiter mitteilte, ist ein weiteres Problem das schnelle Registrieren der Menschen. Das ist nötig, damit ihnen Geld ausgezahlt und Wohnungen vermittelt werden können. Sowohl in der Ausländerbehörde als auch im Sozialamt kommen die Mitarbeiter nicht hinterher. Deshalb sollen zehn Kollegen aus anderen Abteilungen aushelfen.

Deutschkurse für ukrainische Flüchtlinge starten am Montag

Dazu kommt, dass laut Bürgermeisterin Hofmann-Domke schon 200 Kinder und Jugendliche für einen Schulbesuch angemeldet wurden. Jetzt müsse geprüft werden, wie ihre Sprachkenntnisse sind und in welche Klasse sie eingeschult werden können. Allerdings mangelt es in den Erfurter Schulen an Platz und Personal. Hier sieht Hofmann-Domke das Land in der Pflicht.

Im Kindergartenbereich haben viele freie Träger signalisiert, Kinder anzunehmen. Dafür soll ein Antrag gestellt werden, dass fünf Prozent mehr Kinder betreut werden dürfen, als in der Betriebserlaubnis vorgesehen ist. Am Montag starten zudem die ersten Deutschkurse für ukrainische Flüchtlinge an der Volkshochschule. Die Nachfrage ist laut Bürgermeisterin groß. Auch weitere Sprachschulen wollen nachziehen. Zudem bereitet sich die Arbeitsagentur darauf vor, den Ukrainern einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Erfurt hofft auf Kostenübernahme

Bei allem hofft die Stadt, dass die Kosten von Bund und Land übernommen werden. Bleibt die Zahl der ankommenden Flüchtlinge weiter so hoch, braucht die Stadt zudem Hilfe bei der Ausstattung von Sammelunterkünften. Das sei allein nicht mehr zu schultern, so Bürgermeisterin Hofmann-Domke.

Das Landesverwaltungsamt hatte am Donnerstag prognostiziert, dass bis zu 4000 ukrainische Kriegsflüchtlinge pro Woche in den Freistaat kommen könnten. Die Verteilung der Flüchtlinge auf die Bundesländer richtet sich nach deren Einwohnerzahl und Steuerkraft. Demnach werden Thüringen etwa 2,7 Prozent der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zugeteilt.

Landessportbund kritisiert Unterbringung von Flüchtlingen

Der Landessportbund Thüringen sieht die Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen kritisch. Es gebe geeignetere Möglichkeiten, heißt es in einer Erklärung der Konferenz der Landessportbünde, der sich die Thüringer anschlossen. Der organisierte Sport wolle seinen Teil zur Integration der Menschen leisten, diese Integration brauche jedoch Räume.

Zugleich verständigten sich die Landessportbünde am Freitag darauf, den Solidarfonds von DOSB und Stiftung Deutscher Sporthilfe mit insgesamt 100.000 Euro zu unterstützen. Stefan Hügel, Präsident des LSB Thüringen, sagte, man wolle damit ein Zeichen setzen. Zugleich dankte er den Sportvereinen im Land für die große Spenden- und Hilfsbereitschaft angesichts des Krieges in der Ukraine und rief zu weiterer Solidarität auf.

Der Sportversicherer des LSB Thüringen, die Generali Deutschland AG, hat laut Hügel bereits signalisiert, Flüchtlingen als Nichtvereinsmitgliedern während ihrer Teilnahme am Vereinssport den umfassenden Unfall- und Haftpflichtversicherungsschutz zu gewährleisten. Diese Regel sei für die Vereine kostenlos und gelte für das gesamte Jahr, so Hügel.

Erste Kriegsflüchtlinge erreichen Kyffhäuserkreis

Die erste größere Gruppe mit 200 Flüchtlingen ist im Kyffhäuserkreis angekommen. Wie Kreissprecher Heinz-Ulrich Thiele mitteilte, erwarte man bis zu 1.500 Ukrainer in den kommenden Wochen. Die Gemeinschaftsunterkünfte werden voraussichtlich nicht ausreichen. Derzeit werde dringend nach freien Wohnungen und Ferienwohnungen gesucht, heißt es.

Eichsfeld: Schnelleres registrieren von Flüchtlingen

Die Ausländerbehörde im Landkreis Eichsfeld will das Registrieren von Flüchtlingen aus der Ukraine beschleunigen. Wie die Behörde mitteilte, wurde dafür weitere Technik bestellt. Bisher gibt es demnach nur ein Gerät im Landratsamt, mit dem unter anderem digital Fingerabdrücke abgenommen und biometrische Fotos gemacht werden können.

Mit diesem Gerät - es heißt "Personenidentifizierungs-Infrastruktur-Komponente" (PIK) - könnten maximal 15 Menschen am Tag erfasst werden. Bis das zweite Gerät im Einsatz ist, wird es laut Behörde noch etwa drei Monate dauern. Das Registrieren ist wichtig, weil nur registrierte Flüchtlinge Leistungen beantragen können.

Saale-Orla-Kreis: Busse mit Flüchtlingen treffen nicht ein

Im Saale-Orla-Kreis ist ein für Donnerstagabend angekündigter Bus mit Flüchtlingen nicht eingetroffen. Wie ein Sprecher des Landratsamtes sagte, sollte der Bus rund 50 Flüchtlinge aus Cottbus nach Schleiz bringen. Die Menschen seien zuvor mit dem Zug aus Warschau in der brandenburgischen Stadt angekommen.

Laut Landratsamt hatten sich am Donnerstagabend gegen 22 Uhr mehrere Mitarbeiter des Landratsamtes, des Rettungsdienstes und der Notfallseelsorge für die Ankunft der Menschen bereitgehalten.

Keine Flüchtlingstransfers am Wochenende

Warum genau der Bus nicht wie geplant in Schleiz ankam, habe das Landratsamt nicht erfahren, so der Sprecher. Offenbar habe es Kommunikationsschwierigkeiten zwischen dem Krisenstab des Landes Thüringen und den Koordinatoren für die Verteilung der Flüchtlinge in den Ankunftsorten gegeben. Bereits Mitte der Woche sei ein vom Land Thüringen angekündigter Bus mit Flüchtlingen nicht im Saale-Orla-Kreis eingetroffen.

Eine Turnhalle in Pößneck wurde als Ankunftszentrum für Flüchtlinge hergerichtet.
In einer Turnhalle in Pößneck können bis zu hundert Menschen untergebracht werden. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Für Freitag und das Wochenende habe das Land Thüringen noch keine Flüchtlingstransfers in den Saale-Orla-Kreis angekündigt. Man wisse jedoch, dass die Lage sehr dynamisch sei und sei weiter vorbereitet, so der Sprecher. Das Landratsamt hat in dieser Woche mithilfe der Freiwilligen Feuerwehren zwei Ankunftszentren für Menschen aus der Ukraine eingerichtet.

In einer Turnhalle in Pößneck können bis zu hundert Menschen vorübergehend untergebracht werden. In Schleiz wurde eine Sammelunterkunft mit rund 80 Plätzen vorbereitet. Von dort aus sollen die Menschen auf Wohnungen im Saale-Orla-Kreis verteilt werden.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. März 2022 | 19:00 Uhr

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