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Das Urteil des Erfurter Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Bildrechte: MDR/Tariku Krause

Landgericht ErfurtGeburt auf Toilette: Bewährungsstrafe für Mutter nach Tod ihres Babys

von MDR THÜRINGEN

Stand: 08. September 2022, 15:57 Uhr

Eine 44-Jährige ist für den Tod ihres Babys zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Sie hatte das Kind nach der Geburt auf der Toilette im Wasser liegen gelassen.

Im Prozess um den Tod eines Säuglings unmittelbar nach seiner Geburt hat das Landgericht Erfurt die Mutter zu zwei Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Die 44-Jährige muss laut Gerichtssprecher aber nicht ins Gefängnis. Die Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau im April 2019 das Kind unmittelbar nach der Geburt nicht versorgt hatte.

Geburt auf der Toilette

Nach einer von Schmerzen im unteren Bauch geprägten Nacht habe sie in den frühen Morgenstunden auf der Toilette ihrer Wohnung in Erfurt ein kleines Mädchen zur Welt gebracht. Trotz wahrnehmbarer Lebenszeichen des Kindes habe sie es mindestens zehn bis maximal 30 Minuten kopfüber in der Toilette liegen lassen. Sie habe das Neugeborene erst herausgenommen und nackt ins Waschbecken gelegt, als es bereits tot war. Der Säugling war in der Toilette erstickt.

Das Landgericht in Erfurt Bildrechte: MDR/Tariku Krause

Verteidigung forderte Freispruch

Das Gericht schloss sich nicht der Ansicht der Verteidigung an, dass sie nicht gewusst habe, was zu tun sei, auch wenn sie geschockt gewesen sei und die Schwangerschaft verdrängt haben könnte. Den Notarzt habe die Frau erst deutlich später gerufen - nach dem Tod des Kindes wegen anhaltender Blutungen bei sich. Es wäre ihre Pflicht gewesen, nach der Geburt medizinische Hilfe zu rufen. Es sei jedermanns Wissen, dass ein Neugeborenes warmgehalten und versorgt werden müsse. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Bei dem Urteil habe die Kammer berücksichtigt, dass der Prozess und die Verurteilung für die Angeklagte bereits als Warnung dienten, heißt es. Auch ohne Haft sei davon auszugehen, dass die Frau keine Straftaten mehr begehen werde. Die Kammer folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kritisierte, dass die Kammer ein Gutachten ignoriert habe, das der Frau Schuldunfähigkeit bescheinigt.

MDR/dpa (csr)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. September 2022 | 15:00 Uhr