Start in dieser Woche Verkehrsversuch: Mehr Platz für Radfahrer in Erfurter Talstraße

Die stark befahrene Talstraße in Erfurt wird in dieser Woche zur Testrecke: Die Straße wird für Autos vorübergehend schmaler, dafür bekommen die Fußgänger und Radfahrer mehr Platz. Die Bauhaus-Universität Weimar betreut den Verkehrsversuch.

Verkehrsversuch in Talstraße in Erfurt geplant
Aus den zwei Fahrspuren der Talstraße wird künftig eine - breit genug, dass zwei Autos nebeneinander fahren können, nur das Überholen von Lastwagen ist dann nicht mehr erlaubt. Bildrechte: MDR/Christoph Falkenhahn

In der stark befahrenen Erfurter Talstraße startet in dieser Woche ein Verkehrsversuch: Fußgänger und Radfahrer bekommen mehr Platz, dafür wird die Strecke für Autos etwas schmaler. Aus den bisher zwei Fahrspuren wird eine, die noch immer groß genug ist, dass zwei Autos nebeneinander fahren können. Lastwagen können dann jedoch nicht mehr überholt werden. Der Gehweg wird dafür einen Meter breiter.

Verkehrsversuch in Talstraße in Erfurt geplant
Die Talstraße zählt zu den am stärksten befahrenen Strecken der Erfurter Innenstadt. Der Verkehr darf hier nur mit Höchsttempo 30 rollen. Bildrechte: MDR/Christoph Falkenhahn

Versuch läuft zunächst sechs Monate lang

Am Montag wurden dazu die alten Markierungen abgefräst. Je nach Wetter werden am Dienstag oder Mittwoch die neuen Markierungen aufgebracht. Die neue Verkehrsregelung ist zunächst als Verkehrsversuch für die Dauer von sechs Monaten angelegt. Er wird wissenschaftlich von der Bauhaus-Universität Weimar begleitet. Durch eine Vorher-Nachher-Untersuchung wird geprüft, ob sich die Verkehrssicherheit, der Verkehrsablauf und die Akzeptanz erhöhen. Solche überbreiten Fahrstreifen schlägt das Radverkehrskonzept der Stadt an mehreren Stellen vor. Bisher wurden sie jedoch noch nicht umgesetzt. In der Talstraße gilt schon jetzt ein Tempolimit von 30 Kilometern in der Stunde, das durch einen Blitzer kontrolliert wird.

Verkehrsversuch in Talstraße Erfurt beginnt
Die alten Markierungen auf der Talstraße wurden am Montag abgefräst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Skeptische Reaktionen von Usern

Nicht nur "unverbesserlicher Realist" rechnete mit Rückstau bis zum Talknoten und darüber hinaus, denn schon jetzt sei ab 15 Uhr "kein vernünftiges Durchkommen mehr", mit der Folge, "dass mehr Autofahrer sich einen Schleichweg durch die angrenzenden Wohnquartiere suchen." Mehr "Smog und Lärm" befürchtete auf Facebook auch Trebor Gninöhcs, und Annett Behlert postete: "Ob da wohl mal jemand an die ganzen Anwohner gedacht hat.....denn hier in der Straße gibt es mehr als genug Stau."

Dagegen rechnete "Suedvorstadt" mit einem Aufschwung für den Radverkehr: "Genervte Autofahrer kaufen sich ein Fahrrad, rollen ab sofort am Stau vorbei und stellen verblüfft fest, wie gut es tut, sich nach der Arbeit den Kopf frei zu strampeln. Die Luftqualität steigt und die Gesundheit der Menschen auch. Der übrige Rest der Autofahrer ist entweder weiterhin genervt, hinterfragt den eigenen Arbeitsweg oder profitiert von der kleiner werdenden Zahl der Kraftfahrzeuge in Erfurt" - eine Einschätzung, die Harka2 nicht teilte: "Die meisten Autofahrer fahren nicht des Luxus wegen mit dem Auto durch die Stadt, sondern weil sie müssen. Der in Erfurt gut ausgebaute öffentliche Nahverkehr endet aber spätestens am Ortsschild. Das Fahrrad ist da keine Alternative, nicht mal wenn die paar vorhandenen Radwege im Winter beheizt würden" - assistiert von Lothar Thomas: "Der genervte Autofahrer sucht sich eine andere Route und fährt trotzdem weiter, heutzutage hat nun einmal nicht mehr jeder seinen Arbeitsplatz in der Nähe."

Grimmig kommentierte "lemi" den Plan: "Das Ganze passt wunderbar zur "Autofahrer"-feindlichen Haltung der Landeshaupstadt. Wie wäre es, wenn die Erfurter Firmen, die viele "Auswärtige" beschäftigen, sich aus Erfurt zurückziehen? Dann brauchen nicht mehr jeden Tag zig-Tausend Pendler die Erfurter Radfahrer belästigen."

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

31 Kommentare

part vor 31 Wochen

Für Radfahrer steht jetzt die doppelte Breite an Fahrbahn zur Verfügung, wie jeder auf dem Bild erkennen kann. Für Blaulicht- Fahrzeuge eine gut arrangierte Nebengasse. Nur während der Hauptverkehrszeit ist der Rückstau an dieser Engstelle wegen der Meßstation in der Bergstraße jetzt schon unerträglich. Das Nadelöhr nochmals zu verkleinern zeugt von wenig Sachverstand bei den Verantwortlichen, wobei die Amtsleiter wohl ihren oberen Dienstherren überleben werden im Amt bis kurz nach den nächsten Kommunalwahlen? Nicht vergessen werden sollte: Radfahrer sind oft genau so schnell unterwegs wie KFZ oder schneller bei Mißachtung von gegenseitiger Rücksichtnahme und Vorsicht im Straßenverkehr. Eine einzelne Polizeistreife per Mountenbike reicht da nicht aus zur Verkehrserziehung. An Erfurt wünschte ich mir, man hätte es so belassen, wie es einst geplant und gebaut wurde, ohne Vorrang für ÖPNV per Transponder, mit einem funktionierenden Verkehrsleitsystem der Anpassung an die Erfordernisse.

Harka2 vor 31 Wochen

Gerade jetzt, wenn es früh noch dunkel ist, sieht man nicht nur in Erfurt massenhaft Fahrradfahrer, die ohne Licht und ohne Rückstrahler unterwegs sind. Polizeikontrollen dagegen sieht man aber keine. Wenn so ein Idiot dann unter die Räder kommt, sind natürlich die Autofahrer schuld.

Harka2 vor 31 Wochen

Tja, da in so manchen Dörfern nur der Schulbus noch hin fährt und somit in den Ferien gar nichts, wäre das eine Alternative für die Rentner, die sonst verhungern würden, da die kleine Geschäfte auf den Dörfern schon lange nicht mehr existieren.

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