Nach tödlichem Messerangriff Neuerliche Debatte um Videoüberwachung auf Erfurter Anger

Nach dem tödlichen Messerangriff auf dem Erfurter Anger hat sich Thüringens Innenminister Georg Maier gegen eine Videoüberwachung ausgesprochen. Anders die CDU, die dies weiter an besonders gefährlichen Orten fordert.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hat sich nach dem tödlichen Messerangriff auf dem Erfurter Anger gegen eine umfassende Videoüberwachung ausgesprochen. Maier sagte MDR THÜRINGEN, das mache nur Sinn, wenn es darum gehe, Vandalismus zu verhindern. Deshalb gebe es in Erfurt auch schon zahlreiche Kameras.

Zudem bräuchte es für den Einsatz von Kameras auch ausreichend Personal, um beobachten und schnell eingreifen zu können. Das fehle dann aber an anderer Stelle, sagte Maier. Stattdessen könne er sich eine Waffenverbotszone vorstellen. Maier kündigte an, Polizeipräsenz und Kontrollen zu verstärken. Der Anger in Erfurt gilt offiziell als "gefährlicher Ort". Das ermöglicht Beamten zum Beispiel anlasslose Kontrollen.

Thüringer CDU fordert Videoüberwachung

Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag fordert nach der tödlichen Messerattacke dagegen eine Videoüberwachung. "Der jüngste Vorfall auf dem Erfurter Anger zeigt: Die Videoüberwachung von besonders gefährlichen Orten und die Einführung von messerfreien Zonen müssen dringend auf die sicherheitspolitische Agenda im Freistaat", sagte der innenpolitische Sprecher Raymond Walk am Mittwoch in Erfurt.

Thüringer CDU-Landtagsabgeordneter Raymond Walk.
Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Raymond Walk, fordert eine Videoüberwachung an gefährlichen Orten. Bildrechte: Raymond Walk

Walk kündigte an, seine Fraktion werde den Angriff zum Thema in der nächsten Sitzung des Innenausschusses machen. "Aus unserer Sicht ist es völlig unverständlich, dass sich Rot-Rot-Grün einem Ausbau der Videoüberwachung an Kriminalitäts-Hotspots im öffentlichen Raum genauso verweigert wie der Einführung von messerfreien Zonen", so Walk.

Eine Videoüberwachung hätte mindestens zur schnelleren Ermittlung der Täter und Festnahmen führen können. Entsprechende Anträge zur Videoüberwachung hatte die CDU-Fraktion nach eigenen Angaben schon mehrfach in den Landtag eingebracht.

Polizei fahndet nach 35-Jährigem

Seit dem Übergriff am Dienstagnachmittag fahndet die Polizei nach einem 35 Jahre alten Mann, der aus dem nordafrikanischen Raum stammen soll. Er sei gegenwärtig auf der Flucht und stehe im dringenden Verdacht, einem 28 Jahre alten Mann algerischer Herkunft mehrfach mit einem Messer in den Bauch gestochen zu haben.

Das Opfer schleppte sich noch einige hundert Meter weiter, erlag aber noch am gleichen Tag seinen schweren Verletzungen. Derzeit gehen die Ermittler von einem Einzeltäter aus. Zeugen hätten übereinstimmend berichtet, dass die weiteren Beteiligten offenbar schlichten wollten. Zunächst war von fünf bis sechs Männern die Rede, die in den Streit verwickelt waren.

Der Erfurter Anger steht seit Jahren auf Platz eins der Kriminalitäts-Hotspots in Thüringen. Allein 2019 wurden dort 1.111 Straftaten aktenkundig.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

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