Neustart Zerwürfnisse im Zoo Erfurt: Übergangslösung für Leitung gefunden

Mehrere verstorbene Tiere, eingebrochene Besucherzahlen und viel Kritik - jetzt macht der Erfurter Zoopark die nächsten Schritte für einen Neustart. Nachdem Ende Oktober die neuen Nashörner Stella und Lottie aus England gekommen sind, hat der städtische Ausschuss einer neuen Zooleitung zugestimmt. Dezernent Matthias Bärwolff äußert klare Erwartungen.

Heike Maisch vor dem Nashorngehege im Erfurter Zoo.
Die Zoo-Kuratorin Heike Maisch soll den Zoopark interimsmäßig leiten. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist "Saure-Gurken-Zeit", wie es die Erfurter Zoo-Mitarbeiter nennen - und meinen damit die wenigen Besucher, die im Winter kommen. Dabei herrscht im Zoo der Landeshauptstadt Optimismus und Aufbruchsstimmung.

Drei Frauen an der Spitze

Eigentlich wollte sich Zoo-Dezernent Matthias Bärwolff nicht vor Mitte Dezember zur neuen Zooleitung äußern. Immerhin steht die Abstimmung im Stadtrat noch aus. Doch nun sind die Namen genannt: Zoo-Kuratorin Heike Maisch soll zum Ende des Jahres die neue Leiterin des Zoos werden. Als Stellvertreterinnen werden ihr die ehemalige Pressesprecherin der Stadt, Inga Hettstedt, und Zoo-Tierärztin Tina Risch zur Seite gestellt.

Diesem Vorschlag hat zumindest der zuständige Ausschuss im Erfurter Stadtrat schon zugestimmt. Es ist eine interne Lösung - doch die ist nur vorübergehend. "Sobald der Stadtrat dem Vorschlag zugestimmt hat, werden wir die Direktorenstelle groß ausschreiben", erklärt Bärwolff. Doch warum diese Eile?

Interne Zerwürfnisse im Zoo

Eine große Ausschreibung würde ungefähr ein halbes Jahr dauern, so der Dezernent. Eine neue Zooleitung sollte aber noch in diesem Jahr her. Laut Bärwolff konnte es mit der aktuellen Doppel-Zooleitung von Dr. Sabine Merz und Katrin Gallion nicht mehr weitergehen. "Das war nicht weiter tragbar", sagt Bärwolff und meint damit "interne Zerwürfnisse".

Das war nicht weiter tragbar.

Matthias Bärwolff zur bisherigen Zoo-Leitung Erfurter Dezernent für Bau, Verkehr, Sport

Die Leiterinnen hätten sich gegenseitig blockiert, heißt es aus verschiedenen Ecken. Klärungsversuche seien laut Bärwolff gescheitert. Was genau im Detail vor sich ging, wissen nur die Zoomitarbeiter und der Dezernent.

Zwei Jahre Zeit für Neustart im Zoopark

Dass der Erfurter Zoo einen Neustart braucht, hatte der Dezernent bereits Mitte Oktober kommuniziert und dafür eine zweijährige Frist angesetzt, dabei auch eine Schließung nicht ausgeschlossen. Die neuen Nashörner Stella und Lottie, die Ende Oktober aus England nach Erfurt gekommen sind, waren ein Teil dieses Neustart-Plans. Die Übergangslösung für die Leitung und die geplante Ausschreibung der Direktorenstelle sind die nächsten Schritte.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Die Zoomitarbeiter stehen dem Neustart Bärwolff zufolge optimistisch gegenüber. In einer internen Dienstberatung habe der Großteil die Interimslösung für die Zoospitze unterstützt. Sollte der Stadtrat am 14. Dezember nun auch zustimmen, stehen dem Erfurter Zoopark zwei spannende Jahre bevor - und die anhaltende "Saure-Gurken-Zeit" sei dann hoffentlich vorbei.

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. Dezember 2022 | 17:00 Uhr

17 Kommentare

DermbacherIn vor 8 Wochen

Die Nachzucht von Wildtieren ist nicht unumstritten aber in der Nachzucht von ausgestorbenen Hausterrassen, hat man sich in der Zeit der DDR verdient gemacht! Seit wann sind denn Bären, Wölfe etc Haustiere?

Harka2 vor 8 Wochen

@Tpass
Also zurück zu kleinen Käfigen, weg von artgerechter Haltung. Und wem der Kinderspielplatz im Erfurter Zoo zu klein ist, dessen fachliche Kompetenz steht dann außer Frage, denn er hat keine. Vielleicht werfen sie erst mal einen Blick in den Zoo, er hat geöffnet ...

Harka2 vor 8 Wochen

@Dermbacherin
Warum sollte man sich auf einheimische Rassen beschränken? Die finde ich auch außerhalb des Zoos. Erfurt hat große Zuchterfolge bei vom Aussterben bedrohten Tierarten, warum damit aufhören? Erfurt ist Bestandteil eines europaweiten Zuchtprogrammes zur Erhaltung seltener Arten und das sollte auch so bleiben. Für Bären und Wölfe ist Worbis zuständig, Wildkatzen und Luchse gibt es in Hütscheroda. Warum diese erfolgreichen thüringer Privatinitiativen Konkurrenz machen?

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