Religion Fragen und Antworten zur Erfurter Moschee

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde baut in Erfurt-Marbach eine Moschee. Es ist der erste Moschee-Neubau in Thüringen. Das Projekt wirft viele Fragen auf - hier finden Sie einige Antworten.

 Entwurf für die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Erfurt-Marbach
Der erste Entwurf für die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Erfurt-Marbach Bildrechte: Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland

Wo wird die Moschee gebaut?

Die Moschee entsteht auf einem rund 4.000 Quadratmeter großen Flurstück in einem Gewerbegebiet in der Schwarzburger Straße am Rande von Erfurt-Marbach. Der erste vorgesehene Bauplatz wäre ein 1.800 Quadratmeter großes Grundstück in demselben Gewerbegebiet gewesen. Wie der Sprecher der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde, Mohammad Suleman Malik, erklärte, war es schwierig, in Erfurt überhaupt ein Grundstück zu finden, das sich für den Neubau einer Moschee eignet. Die Suche habe fünf Jahre gedauert.

Warum braucht so eine kleine Gemeinde eine eigene Moschee?

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat hat nach eigenen Angaben in Erfurt derzeit 30 Mitglieder, in ganz Thüringen 70. Die meisten von ihnen seien pakistanischer Herkunft, aber auch Menschen aus Syrien und Algerien gehörten der Gemeinde an. Bisher hätten diese für Veranstaltungen und Feiern immer Räumlichkeiten anmieten müssen. Nun wolle die Gemeinde ihren eigenen Raum zum Beten haben, der auch wie ein islamisches Gotteshaus aussehen soll. Außerdem soll mit dem Neubau auch Gesicht gezeigt werden: Die Moschee werde ein offener Raum der Begegnung sein, in den jeder eingeladen sei. Allerdings wolle die Gemeinde kein islamisches Kulturzentrum daraus machen.

Wie hoch sind die Bau-Kosten - und wer finanziert sie?

Für das Gebäude rechnet die Gemeinde mit Baukosten in Höhe von etwa über 450.000 Euro. Der Neubau soll vollständig von der Glaubensgemeinschaft finanziert werden. Das Geld sei Dank der Spendenbereitschaft der bundesweit 45.000 Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde bereits komplett vorhanden. Ursprünglich waren für die erste Bauplanung 450.000 Euro geplant. Nun soll der Bau nach Aussage der Gemeinde ein wenig teurer werden. Das Grundstück ist größer und damit teurer.

Wie groß soll die Moschee werden?

Das Gebetshaus soll in etwa die Größe eines Zweifamilienhauses haben. Geplant ist nach dem Umzug auf das neue größere Grundstück nur noch ein Stockwerk und eine Kuppel.  Die erste Planung hatte noch zwei Stockwerke vorgesehen. Der Gebetsraum ist der Gemeinde zufolge mit rund 60 Quadratmetern Grundfläche für maximal 70 Personen ausgelegt - getrennt in einen Männer- und einen Frauenbereich. Außerdem solle es eine Wohnung für den Imam im Gebäude geben.

Ist ein Minarett geplant?

Laut Planung soll die Moschee auch ein Minarett bekommen. Die Gemeinde spricht von einem "Zierminarett", das acht Meter hoch sein soll. Am anderen Standort waren an der zweistöckigen Moschee noch elf Meter geplant. Das ist am neuen Standort auf Grund der baurechtlichen Gegebenheiten nicht mehr möglich. Die festgelegte Traufhöhe in diesem Abschnitt des Gewerbegebiets beträgt acht Meter.

Soll der Muezzin zum Gebet rufen?

Der Muezzin soll für die Anwohner nicht hörbar zum Gebet rufen, das heißt, er soll nur im Gebäude rufen. Der Ruf soll nur für die Gemeindemitglieder innerhalb der Moschee hörbar sein. Wie in allen anderen Moscheen der Ahmadiyya-Gemeinde würden auch in Erfurt keine Lautsprecher außen am Gebäude angebracht, heißt es.

Wer wird in der Moschee predigen?

Der Imam der Moschee soll Iftikhar Ahmad werden. Er ist in Deutschland aufgewachsen und an der Islamschule der Ahmadiyya in Hessen - dem "Institut für islamische Theologie und Sprachen" - zum Imam ausgebildet worden. Der Glaubensgemeinschaft zufolge wird dort neben islamischer Theologie auch deutsche Geschichte und Kultur gelehrt.

Der Imam soll künftig auch für die Gemeinde in Leipzig zuständig sein, wo er außerdem an der Universität Germanistik studieren werde.

Wer ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat?

Die Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat versteht sich als eine weltweite islamische Reformbewegung. Nach eigenen Angaben tritt die 1889 gegründete Gemeinschaft für die ursprünglichen und ausschließlich friedlichen Werte des Islam ein. Dazu zählten die Gleichwertigkeit von Mann und Frau, Trennung von Religion und Staat, Beendigung gewalttätiger Aktionen im Namen der Religion sowie die im Koran festgelegten Menschenrechte.

Ihr Leitspruch lautet: "Liebe für alle, Hass für keinen" Die Ahmadiyya-Gemeinschaft hat nach eigenen Angaben in Deutschland rund 45.000 Mitglieder und unterhält 50 Moscheen. Sie gilt als streng hierarchisch organisiert. Die Religionsgemeinschaft ist außerdem Teil der Deutschen Islamkonferenz.

Wie ist die Ahmadiyya-Gemeinschaft innerhalb des Islam einzuordnen?

Religionswissenschaftler ordnen die Ahmadiyya Muslim Jamaat innerhalb des Islam als Sondergemeinschaft ein. Sie hat ihren Ursprung in Indien, beruft sich auf den Islam und wird von einem Kalif genannten spirituellen Oberhaupt angeführt. Die Ahmaddiya-Gemeinschaft geht auf den Gründer Mirza Ghulam Ahmad ( * 13. Februar 1835 in Qadian,Indien; † 26. Mai 1908 in Lahore, Pakistan) zurück. Seine Anhänger verehren ihn als den bereits im Koran verheißenen Propheten nach Mohammed, den sogenannten Mahdi der Endzeit. Die Ahmadiyya Gemeinde sieht sich selbst als friedliche und islamische Reformgemeinde, deren Motto "Liebe für alle und Hass für keinen" lautet. Religionswissenschaftler ordnen sie innerhalb des Islam als Sondergemeinschaft ein.

Die meisten anderen islamischen Strömungen erkennen den Propheten der Gemeinde nicht als solchen an, weshalb sie den Glauben der Ahmadiyya als Blasphemie werten. Deshalb werden die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinschaft in vielen islamischen Ländern verfolgt und teils brutal bekämpft. Viele von ihnen leben deshalb im Exil. 

Warum baut die Ahmadiyya-Gemeinschaft überall in Deutschland Moscheen?

Die Ahmdadis glauben fest an die bevorstehende Vorherrschaft des Islam. Dieses Ziel verfolgen sie jedoch unter einem absoluten Verzicht auf Gewalt. Ihr Missionseifer resultiert aus der Vision ihres Gründers Mirza Ghulam Ahmad von der "Eroberung Europas für den Islam". Deshalb unternehmen die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinschaft zahlreiche Missionsanstrengungen. Ein Teil davon ist auch das "100-Moscheen-Projekt", das der 4. Kalif Mirza Tahir Ahmad bereits 1989 ausgerufen hat. Demnach sollen in Deutschland insgesamt 100 Moscheen gebaut werden, die Hälfte davon ist bisher fertiggestellt.

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