Gesundheitsämter kommen vielen neuen Corona-Fällen kaum hinterher

In vielen Kommunen und Landkreisen kommt es zu einer verzögerten Information von positiv Getesteten und deren Kontaktpersonen. Die Gesundheitsämter appellieren an Betroffene, sich selber zu isolieren und Kontaktpersonen zu informieren. Auch Hilfe von der Bundeswehr bei der Kontaktverfolgung wird angefordert.

Angesichts sprunghaft steigender Corona-Infektionszahlen kommen die ohnehin stark belasteten Gesundheitsämter in Thüringen an ihre Grenzen. Unter anderem in der Behörde in Erfurt führt dies zu einer verzögerten Information von positiv Getesteten und deren Kontaktpersonen, wie die Stadtverwaltung am Freitag mitteilte. Es könne mehrere Tage dauern, bis sich das Gesundheitsamt bei ihnen melde.

Quarantäne auch ohne Aufforderung

Das Gesundheitsamt bat Betroffene, sich nach Übermittlung eines positiven Testergebnisses umgehend für zehn Tage in häusliche Quarantäne zu begeben. Bei infizierten Kindern sei die jeweilige Kindertageseinrichtung umgehend zu informieren, ebenso wie enge Kontaktpersonen. Als solche gelten Personen, die im selben Haushalt leben und solche, die sich länger als 15 Minuten ungeschützt im selben Raum aufgehalten haben. In Erfurt lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei Neuansteckungen am Freitag bei 345.

Weimar appelliert an positiv getestete Personen

Durch das hohe Infektions-Aufkommen verzögert sich auch in Weimar derzeit die Kontaktaufnahme des Gesundheitsamtes mit den positiv getesteten Personen. Die Stadt fordert die Betroffenen auf, sich auch ohne Kontaktaufnahme durch das Gesundheitsamt unverzüglich in häusliche Isolation zu begeben. Außerdem sollen Kontaktpersonen informiert werden. Auch der Kindergarten oder die Schule des Kindes sind zu informieren, falls dieses ein positives Testergebnis erhalten hat. Kontaktpersonen bittet die Stadt, sich per Mail ans Gesundheitsamt zu wenden und eine Telefonnummer zu hinterlassen. Es kann aber mehr als 48 Stunden dauern, bis das Gesundheitsamt zurückruft.

In Jena unterstützt erneut die Bundeswehr

Im Gesundheitsamt der Stadt Jena sind seit Donnerstag wieder Bundeswehrangehörige im Einsatz, um bei der Ermittlung von Kontaktpersonen Corona-Infizierter und der Feststellung neuer Infektionen zu helfen. Am Montag wird der Stadtverwaltung zufolge weitere personelle Unterstützung erwartet. Auch im Landktreis Sonneberg soll Hilfe von der Bundeswehr angefordert werden.

Belehrungen im Gesundheitsamt Jena entfallen bis auf weiteres

Auch die Hygienebelehrungen im Gesundheitsamt der Stadt Jena fallen derzeit aus. Betroffene Unternehmen werden gebeten, eine Belehrung selbstständig durchzuführen und in geeigneter Form zu dokumentieren. Sobald sich die Rahmenbedingungen verbessern, wird das Gesundheitsamt die Erstbelehrung und die Ausstellung der Nachweishefte nachholen. Das Gesundheitsamt bittet zudem, die Internetseite regelmäßig nach aktuellen Informationen zu besuchen.

Quelle: MDR Thüringen/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

11 Kommentare

DermbacherIn vor 29 Wochen

Es gibt keinen wirklichen Wissensstand zur Immunität in der Bevölkerung. Wir können die Dunkelziffer der Erkrankungen, die ja auch dazu beiträgt, nicht einschätzen, weil es dazu keine Studien gibt. Diese könne man ohne allzu großen Aufwand machen, aber der politische Wille dazu fehle und das Verständnis, wie wichtig solche Studien sind, um vorausschauend durch eine Pandemiesituation zu kommen. In vielen anderen Ländern, etwa in Skandinavien, ist diese Bereitschaft viel größer.
Folglich lässt sich auch schwer sagen, wie hoch die Impfquote sein muss, damit sich die Situation nachhaltig entspannen kann.

DermbacherIn vor 29 Wochen

@MDR-Tem
Da ja Geimpfte ebenso den Virus in sich haben und weitergeben können wie Ungeimpfte, zwar heißt es, die Virenlast Geimpfter sei geringer, aber um wie viel, dafür gibt es kein verlässliches Datenmaterial.
Wenn jedoch ein Ungeimpfter sich immer wieder testen muss und ein Geimpfter sich nie testen braucht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Ungeimpfte unwissentlich infiziert ist und den Virus weiter übertragen kann, sogar geringer.
Also geht vom Geimpften höchstwahrscheinlich mehr Gefahr für Ungeimpfte aus als umgekehrt.
Hinzu kommt noch, dass die Wirksamkeit der Impfung nur 6-9 Monate anhält bzw. kontinuierlich geringer wird.
Die Geimpften von heute sind also die Ungeimpften der nahen Zukunft, sofern sie sich nicht fortwährend einen neuen Schuss setzen lassen.

MDR-Team vor 29 Wochen

Warum hängen die Impfung an sich und die Impfquote Ihrer Meinung nach nicht zusammen? Beides betrifft die Impfung an sich.
Die versprochenen Vorteile treten sehr wohl ein, finden Sie nicht? In Erfurt lag gestern die 7-Tage-Inzidenz bei 326. Noch vor wenigen Monaten würde das "Lockdown" bedeuten.

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